Klietz l „Es war um 3.45 Uhr in der Nacht zum Montag, als der Hund jaulte und die Kühe auf der Weide mächtig Krach machten“, berichtet Markus Hinz, der in der Sandauer Straße in Klietz als Landwirt im Nebenerwerb eine Mutterkuhherde hält. Auch Gänse und Perlhühner machten mächtig Rabatz. Im Nachtzeug und mit dem Handy in der Hand eilte er auf seinen Hof, um nach dem Rechten zu schauen.

Weil es auf der Fläche recht finster war, nahm er erst an, dass die Kühe den Hund attackierten, welcher schon öfter über den Zaun auf deren Winterweide gelangt war. Doch war der Grund ein anderer: Zwei Wölfe hatten die Herde angegriffen.

„Sie waren von der Bundesstraße aus auf die Weide gelangt“, berichtet der Klietzer. Der Wildgatterzaun dort hatte die Räuber nicht aufhalten können. Wahrscheinlich wollten sie an eines der sieben Kälber gelangen – was aber die zehn Kühe und der junge Bulle zu verhindern wussten. Denn nicht nur der große Hofhund – ein zottiger Kaukase – verteidigte sein Revier, auch die Rinder ließen ihren Nachwuchs nicht ohne Widerstand. Sie kesselten die Raubtiere ein und attackierten diese. Wahrscheinlich waren durch den Angriff lange verborgene Ur-Instinkte wieder zum Leben erweckt worden.

Der Kaukase wies anschließend doch einige Bisswunden auf, die Kühe samt den Kälbern waren anscheinend unversehrt geblieben. Allerdings ließen die ansonsten recht gutmütigen Deutsch-Angus-Rinder Markus Hinz fast den ganzen Tag lang vor lauter Aufregung nicht auf ihre Weide.

„Die Wölfe müssen ordentlich was abbekommen haben, sie sind dann über die Mauer in Richtung Sandauer Straße geflüchtet“, berichtet der Klietzer. Dass die Raubtiere nun schon in die Ortschaften eindringen, findet er sehr bedenklich – „das geht gar nicht!“

In Neuermark-Lübars hatte er Peter Oestreich vom Wolfskompetenzzentrum aus Iden in dieser Woche über diesen Vorfall informiert. In Iden arbeitet auch Wolfsberater Andreas Berbig. Er war erstaunt zu hören, dass sich Rinder auch verteidigen können. Das liegt wohl leider nicht jeder Rasse im Blut, so hatte beispielsweise Landwirt Hubert Aselmeyer in Rehberg schon einige Kälber als Wolfsrisse zu beklagen.

Dass es auf dem Übungsplatz in Klietz schon zwei Rudel geben soll, kann Andreas Berbig nicht bestätigen, dazu bedarf es weiterer Hinweise – weshalb auch Fotos von Wildkameras gefragt sind.

Zudem müssen die Wölfe anhand ihres Kotes individuell bestimmt werden, pauschal kann keine Aussage dazu getroffen werden. Fakt ist aber, dass eine Kamera im Vorjahr acht Jungtiere auf dem Platz abgelichtet hatte.