Wust l  Dass es auch ihn eines Tages einmal treffen könnte, hatte Wieland Reich beim Lesen von Wolfsangriffen auf Schaf- oder Kuhherden schon länger befürchtet.

Am Morgen des Maifeiertages schaute er wie immer nach dem Rechten auf der Weihe im Trüben zwischen Wust und Schönhausen, auf der 57 Muttertiere stehen. Seit Ende März kalben sie, rund 20 Kälbchen sind inzwischen geboren. „Ich wunderte mich, warum die Herde zusammen in der hintersten Ecke der Weide steht. Also bin ich mit dem Trecker rumgefahren, um nachzuschauen, was los ist.“ Und da entdeckte Wieland Reich auch schon den kläglichen Rest eines Kalbkörpers. Ein Stück weiter noch ein zweites Angefallenes Tier mit großem Loch im Bauch.

„Das geht einem durch und durch. Eines der Kälber ist erst am Tag zurvor auf die Welt gekommen.“ Der Landwirt hat den Wolfsbeauftragten An­dreas Berbig informiert, der den Wolfsangriff bestätigte und das Schadensprotokoll aufnahm. Selbst wenn es eine Entschädigung geben sollte, „uns nützt das nicht viel“, sagt Wieland Reich.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen

Zum einen fehlt dem Milchviehbetrieb die Nachzucht, zum anderen befürchten Wieland, Birgit und Steffen Reich, dass die Mutterkuhherde ihrer GbR erneut angegriffen wird. „Die Wölfe wissen doch jetzt, dass es hier reiche Beute gibt.“ Dass die zusätzlichen Schutzmaßnahmen – der dreifach gespannte Draht, der unter Strom steht, wird weiter verstärkt – etwas bewirken, bezweifeln die Bauern. Und sie haben auch Sorge um die Muttertiere. „Die sind natürlich verstört und nervös und geraten nach solch einem Angriff schnell in Panik, wenn schon ein Hund in die Nähe der Weide kommt.“

Was sie von der Landesregierung fordern, ist ein realistisches Wolfsmanagement, damit das Tier nicht Überhand nimmt. Noch öfter als bisher kontrollieren Reichs jetzt die Weide. Doch meist kommen die Räuber nachts und die Kälber sind ihnen ausgeliefert.