Stufenausbildung ist nur ein Angebot

Das Aufgabengebiet der Berufsbildungsakademie Altmark (BBA) in Havelberg umfasst die Aus- und Weiterbildung. „Das fängt bei den Kleinen an und hört bei keinem Alter auf. Man kann immer noch etwas dazulernen, egal wie alt man ist“, sagt Standortkoordinatorin Nancy Mühlenberg.

Viele der Maßnahmen können gefördert werden. Die Arbeitsagentur beziehungsweise das Jobcenter stellen zum Beispiel einem Umschulungs- oder Weiterbildungswilligen einen Bildungsgutschein aus, mit dem dieser die entsprechende Maßnahme bei der BBA finanziert. Zum Angebot gehören auch einfache Kurse zum Thema Bewerbung oder zur Vermittlung anderer Fähigkeiten, die für die berufliche Zukunft der Teilnehmer eine Rolle spielen könnten.

Umschulungen/Stufenausbildungen im kaufmännischen und gewerblichen Bereich sind nur ein Modul des Bildungsangebotes. In Havelberg werden diese für Verkäufer, Kaufmann für Büromanagement und Fachkraft Gastgewerbe angeboten.

Zu weiteren Angeboten gehören etwa Modulare Weiterbildungen in unterschiedlichen Bereichen; Qualifizierungen zum Beispiel in den Bereichen Holz, Metall, kaufmännisch, Hotel- und Gaststättengewerbe; Erlernen von Grund- und Fachkenntnissen in Theorie und Praxis; Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung von Langzeitarbeitslosen sowie die Heranführung an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Mit der Sekundarschule gibt es das Brafo-Projekt zur Berufsvorbereitung. Außerdem werden Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) angeboten.

Nach den Sommerferien öffnet das Lerncenter wieder und auch die Prüfungsvorbereitung in kaufmännischen und handwerklichen Berufen wird gern genutzt.

Havelberg l Der 1. August 2019 ist der erste Arbeitstag im neuen Beruf von René Petschik. Zwei Jahre lang hat der 23-Jährige nochmals die Schulbank gedrückt, um den Abschluss als Kaufmann für Büromanagement zu erlangen. In seinem Praktikumsbetrieb, dem Wolf-Online-Shop in Havelberg, hat er nun einen festen Arbeitsvertrag. Während die meisten Berufsausbildungen drei Jahre dauern, bietet die Stufenausbildung der BBA in Havelberg die Möglichkeit, bereits nach zwei Jahren einen neuen Berufsabschluss zu erhalten – für all jene, die bereits einen Berufsabschluss haben. René Petschik hatte sich dazu entschieden, nachdem er als gelernter Lebensmitteltechniker nach einem Arbeitsunfall eine neue berufliche Perspektive für sich gesucht hat.

In der ersten Stufe wurde er innerhalb eines halben Jahres zum Büroassistenten ausgebildet. Stufe zwei lief über zehn Monate und endete mit dem Zertifikat Fachassistent Büro. Nach den ersten Monaten blanker Theorie machte er in dieser Zeit schon Bekanntschaft mit der Praxis und probierte sich in verschiedenen Firmen aus. Zum Hauptpraktikumsbetrieb wurde der Wolf-Online-Shop. Dort blieb René Petschik auch in der Zeit der dritten Stufe seiner Ausbildung. Die Firma hatte signalisiert, dass sie noch jemand einstellen würde. Ein guter Ansporn, die Ausbildung ordentlich abzuschließen, wenn gleich im Anschluss ein fester Arbeitsvertrag wartet.

Gut eingearbeitet

Nach Stufe zwei gab es eine interne Prüfung, berichtet Nancy Mühlenberg, Standortkoordinatorin der BBA Havelberg. Für die Agentur für Arbeit ist das Bestehen der Prüfung ein wichtiges Kriterium zur weiteren Förderung der Stufenausbildung. Nach insgesamt 24 Monaten stellte sich René Petschik der Abschlussprüfung bei der Industrie- und Handelskammer und hat nun einen neuen Berufsabschluss.

In Zeiten, in denen Firmen Fachkräfte suchen, ist die Stufenausbildung sehr wichtig. „Statt in 36 Monaten erlangen die Auszubildenden in 24 Monaten ihren Berufsabschluss. Die Ausbildung ist kompakter und erfolgt in der BBA. Die Frauen und Männer müssen nicht zur Berufsschule fahren und dort mit 16-, 17-Jährigen die Schulbank drücken“, nennt Nancy Mühlenberg die Vorteile. Auch weitere Wege werden den Teilnehmern erspart. „Die Stufenausbildung erfordert aber auch viel häuslichen Fleiß.“

Bei der Suche nach Praktikumsbetrieben unterstützt die BBA. Mit der Firma Wolf hat sie bereits seit längerem eine gute Zusammenarbeit. Auch Mitarbeiterin Monika Hanitzsch zum Beispiel hat den Praktikumsteil ihrer Stufenausbildung dort absolviert und erhielt im Anschluss eine Festanstellung. „Ich kann das nur jedem Betrieb empfehlen. Man bekommt kostenlos einen ausgebildeten Mitarbeiter, der vom ersten Tag an voll im Stoff steht. Denn er ist eingearbeitet, weiß, was er zu tun hat. Und: Man kennt sich“, sagt Anja Wolf, Mitglied der Geschäftsführung.

Anderthalb Jahre lang hat René Petschik Praktika im Betrieb absolviert. Er ist im IT-Bereich tätig und für die Artikelpflege im Online-Shop zuständig. Die Mitarbeiterzahl ist inklusive Chef nun auf 16 angewachsen. Hinzu kommen zwei Auszubildende im Bereich Lager. Am 1. September beginnt ein Auszubildender seine Erstausbildung als Fachlagerist – im Rahmen der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme BVB, die die BBA ebenfalls anbietet.