Die generalistische Ausbildung für Pflegekräfte

Mit dem Ziel, die Ausbildung zur Pflegefachkraft zu modernisieren, sie attraktiver zu machen und den Berufsbereich der Pflege insgesamt aufzuwerten, wurde die generalistische Ausbildung eingeführt. Die bislang separaten Ausbildungen Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger sind seit 2020 in eine gemeinsame Berufsausbildung übergegangen. Außerdem erhalten Auszubildende eine Ausbildungsvergütung.

Alle Auszubildenden erwerben in der Berufsfachschule und in der Praxis zwei Jahre lang Kompetenzen für die Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen. Im dritten Ausbildungsjahr erfolgt die Spezialisierung in Altenpflege oder in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Quelle: Planet-Beruf/Bundesagentur für Arbeit

Havelberg l Zwölf Jahre hat Jessica Zepp als Zeitungsdruckerin gearbeitet. Dann wollte sich die 31-Jährige umorientieren und in der Gesundheitspflege in Teilzeit als Quereinsteigerin arbeiten, „weil ich medizinisch sehr interessiert bin“. Das wäre an ihrem damaligen Wohnort in Freiburg im Breisgau nicht möglich gewesen. Auch deshalb entschied sich die Familie, nach Havelberg zu den Großeltern zu ziehen. Im Januar begann Jessica Zepp im Evangelischen Seniorenzentrum als Pflegehelferin zu arbeiten. Am 1. September startet sie ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau. „Die Arbeit macht mir viel Spaß und ich denke auch daran, mich irgendwann um meine eigene Familie zu kümmern, wenn Pflege erforderlich ist.“

Sie ist eine von drei Auszubildenden, die von Einrichtungsleiterin Farina Schäfer und der stellvertretenden Pflegedienstleiterin Sarah Neumann mit Sonnenblumen und Nervennahrung in Zuckertüten begrüßt wurden. Julia Jahs aus Neukamern hat sich den Beruf ausgesucht, „weil ich gern anderen Menschen helfen möchte“. Die 17-Jährige erzählt von ihrer Oma zu Hause, der sie ab und zu unter die Arme greift, und von Praktika im Havelberger Krankenhaus, die sie in ihrem Berufswunsch bestärkt haben. Auch Nancy Reinecke aus Garz hat ein Praktikum im Krankenhaus absolviert und sich für den Pflegeberuf entschieden. „Ich habe gern mit alten Leuten zu tun und mag es, wenn ein Lächeln von den Menschen kommt“, sagt die 16-Jährige.

Die drei Frauen gehören zu den Ersten, die nach der neuen generalistischen Ausbildung den Beruf der Pflegekraft erlernen. Diese ist in den ersten zwei Jahren für alle gleich, egal, ob sie etwa in der Altenpflege in Seniorenheimen oder der Gesundheitspflege in Krankenhäusern tätig sein wollen. Im dritten Jahr folgt die Spezialisierung.

Künftig drei Praxisanleiter

Diese neue Form hat möglicherweise dazu geführt, dass es dieses Mal etliche Bewerbungen gegeben hat, denkt Farina Schäfer. Denn es war nicht immer so, dass das Seniorenzentrum viele Bewerber hatte. „Das ist natürlich ein Glücksfall und ich hoffe, dass alle bei uns bleiben wollen. Das ist nicht nur eine gute Verstärkung für unser Team, sondern auch schön, wenn sich Fachkräfte für Havelberg und Umgebung entscheiden.“ Wenn sie das Team meint, spricht sie von 75 Mitarbeitern, die sich um 99 Bewohner kümmern. Sollte jemand dennoch wechseln wollen, bietet der Träger des Seniorenzentrums, der Landesausschuss für Innere Mission Lafim, allein 30 Einrichtungen, unter anderem in Perleberg, Wittenberge und Potsdam.

Ab 1. September gibt es sechs Auszubildende – drei im ersten, zwei im zweiten und einen im dritten Lehrjahr – im Seniorenzentrum. Zu den bislang zwei Praxisanleitern kommt ein weiterer hinzu, so dass die Auszubildenden in jedem der drei Wohnbereiche direkte Ansprechpartner haben. Die theoretische Ausbildung erfolgt in Stendal in Kooperation mit dem Institut für Weiterbildung in der Kranken- & Altenpflege IWK. Jeder Auszubildende muss ein Praktikum in der ambulanten Pflege und in der Langzeitpflege, in einer Akutklinik und in einem Kinderkrankenhaus absolvieren, erklärt Farina Schäfer. Somit sind die künftigen Pflegefachfrauen und -männer universell einsetzbar.