Scharlibbe l So wie vor sieben Jahren beim Schüleraustausch über den Havelberger Rotaryclub wollte Willi Glimm auch seinen erneuten Aufenthalt in Argentinien in vollen Zügen genießen – das große Land in Südamerika und die herzlichen Leute weiter kennenlernen und nach dem Bachelor-Studium nun das erste von zwei Jahren Masterstudium Agrarwirtschaft an der Universität meistern. Ein Stipendium seiner Hochschule Neubrandenburg macht dem Scharlibber und weiteren Studenten dieses Auslandsjahr möglich.

Es ging auch bestens los, nachdem die fünf deutschen Studenten in der rund 70 000 Einwohner großen Stadt Concepcion del Uruguay nördlich der Hauptstadt Buenos Aires angekommen sind. Am Flughafen von „Buddys“ (begleitende Studenten) empfangen, bezogen sie ihr Quartier, sahen sich die Universität an und belegten auch schon gleich erste Spanischkurse, machten Stipvisiten zu allen wichtigen Stationen in der Stadt und genossen Sonnenstunden am Strand. Knapp eine Woche hielt diese Stimmung – bis der argentinische Präsident drastische Maßnahmen zum Schutz vor Ausbreitung von Corona verhängte.

Glück mit der Gastfamilie

Dazu zählte, dass alle aus dem Ausland Eingereisten in zweiwöchige Quarantäne müssen. Eine Woche davon hatten die Deutschen „in Freiheit“ verbracht – also noch eine Woche „Hausarrest“. Und das in einem kleinen Häuschen, „da ist uns schnell die Decke auf den Kopf gefallen. Deshalb suchten wir umgehend nach einer neuen Unterkunft. Und wir hatten wirklich Glück!“ Willi berichtet, dass er und sein Kumpel zu einer Gastfamilie umziehen konnten, in der jeder sein Zimmer hat, wo es Terrasse, Garten und sogar einen kleinen extra für die Gäste eingerichteten Fitnessraum gibt. Und einen Familienhund. „Unsere Gastmutter ist einfach klasse. Sie ist immer positiv gestimmt und unterstützt uns, wo sie nur kann. Uns geht es hier wirklich gut.“

"Freiheit" schnell vorbei

Und das ist auch gut so. Denn die Freude nach der Quarantäne über die wiedergewonnene Freiheit währte nur einen Tag: „Wir kamen nach einem Super-Tag zusammen mit Kommilitonen abends vom Strand zurück, schalteten den Fernseher ein und hörten die Ansprache des Präsidenten: Ausgangssperre! Nur die wichtigsten Gänge zum Einkauf oder Arzt sind erlaubt.“ Und natürlich ist auch die Uni geschlossen. Gelernt wird nun also von zu Hause aus. „Wir haben wirklich viel zu tun, oft sitzen wir bis spät abends am Laptop, hatten auch schon die ersten Prüfungen. Der Spanischkurs in den ersten Wochen half dabei, uns nochmal intensiv mit Sprache vertraut zu machen. Die Wörter des täglichen Gebrauchs können wir natürlich, aber die Fachbegriffe, die für das Landwirtschafts-Studium gebraucht werden, mussten wir schon pauken.“

Hoffen auf Lockerungen

Auch wenn alle das Beste aus der Situation machen, so haben zwei der fünf Studenten doch die Rückholaktion der deutschen Regierung in Anspruch genommen und sind in die Heimat zurückgekehrt. Willi und sein Kumpel sowie ein Mädchen bei einer anderen Gastfamilie bleiben. „Wir wollen durchhalten! Denn wir hoffen, dass es bald Lockerungen geben wird – der Präsident hat sie für die nächsten Tage angekündigt. Denn es gibt hier in der Stadt gar keine Infizierten und auch in ganz Argentinien im Verhältnis zu anderen Ländern nur wenige. Also kehrt hoffentlich zumindest ansatzweise bald Normalität ein und wir können sowohl das Studentenleben als auch die herzliche Kultur der Argentinier genießen.“ Generell sei es für das Land wichtig, zurück zum Alltag zu kommen, da die ohnehin angeschlagene Wirtschaft enorm leidet.

Willi möchte gern auch die Familie, die ihn 2012/13 aufgenommen hatte, besuchen.

Auch wenn die Tage in den zurückliegenden sieben Quarantänewochen mehr oder weniger gleich abliefen, so gibt es doch hin und wieder Abwechslung – beim Skypen mit den Eltern in Scharlibbe, den beiden Schwestern und den Freunden in Deutschland. Und am vergangenen Mittwoch hatte Willi 24. Geburtstag – auch im kleinen Kreis eine gesellige Party. Das schönste Geschenk gibt es hoffentlich bald nachträglich vom Präsidenten höchstpersönlich: wieder raus ins argentinische Leben dürfen!