Gesundheitsversorgung

Ausstellung auf dem Domplatz in Havelberg zeigt anderthalb Jahre Kampf ums Krankenhaus

Anderthalb Jahre nach der ersten Großdemo für den Erhalt des Havelberger Krankenhauses laden Akteure zur Ausstellung ein. Diese zeigt die vielen Aktivitäten im Kampf für eine 24/7-Gesundheitsversorgung.

Von Andrea Schröder
Mal keine Demo, sondern ein gemütlicher Nachmittag auf dem Hopfenhof in Ferchels: Hella Ueberschaer (links hockend) hatte Mitglieder und Freunde des Vereins ?Pro Krankenhaus Havelberg? am vergangenen Sonnabend dazu eingeladen.
Mal keine Demo, sondern ein gemütlicher Nachmittag auf dem Hopfenhof in Ferchels: Hella Ueberschaer (links hockend) hatte Mitglieder und Freunde des Vereins ?Pro Krankenhaus Havelberg? am vergangenen Sonnabend dazu eingeladen. Foto: ?Pro Krankenhaus Havelberg?

Havelberg - Es sind einige weitere Meter an Ausstellungsmaterial zusammen gekommen, als Sandra Braun und Anke Görtz sich dieser Tage nochmals trafen, um die Ausstellung über den Kampf ums Havelberger Krankenhaus vorzubereiten. Ursprünglich war diese für Dezember vergangenen Jahres vorgesehen. Da hatten die beiden ehemaligen Betriebsrätinnen des seit September 2020 geschlossenen Havelberger Krankenhauses bereits sämtliche in Zeitungen erschienenen Artikel und Bildmaterial gesichtet und Abzüge laminiert. Doch Corona machte die Schau unmöglich. Innerhalb des letzten halben Jahres kam nun weiteres Material hinzu. Zu sehen sein wird es an diesem Sonnabend, 24. Juli, ab 14 Uhr auf dem Domplatz in Havelberg.

Fotos, Artikel, Masken, Protestschilder

In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung der Hansestadt werden Bauzäune aufgestellt. Beidseitig ist dort unter der Überschrift „Unser Weg des Protests“ nachzuvollziehen, was ehemalige Mitarbeiter und weitere Bürger unternommen haben, damit die Gesundheitsversorgung in der Region aufrecht erhalten bleiben kann. Man kann die Tafeln abnehmen, Händedesinfektion steht zur Verfügung.

Zunächst war das Ziel, das Krankenhaus zu erhalten. Seit der Schließung geht es um eine vernünftige Rund-um-die-Uhr Gesundheits- und Notfallversorgung. Die landeseigene Krankenhausgesellschaft Salus erarbeitet ein Konzept für ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ) in Havelberg, das bis August fertig sein soll. Auszüge daraus wurden bereits vorgestellt.

Seit dem Bekanntwerden der Schließungspläne am 10. Januar 2020 währt dieser unermüdliche Kampf, der seit einigen Monaten unter der Regie des Vereins „Pro Krankenhaus Havelberg“ läuft. Zur ersten Groß-Demo am 20. Januar sind um die 600 Leute gekommen, um ihren Protest gegen die Schließungspläne kund zu tun. Es folgten verschiedene weitere Demonstrationen, Aktive Mittagspausen, Donnerstags-Demos, Proteste vor Sozialministerium und Kreistagssitzungen, Teilnahmen an überregionalen Veranstaltungen zur Gesundheitsthematik. Im Frühjahr führte eine sechstägige Pilgerwanderung zum Sozialministerium nach Magdeburg.

Brief an Ministerpräsident geschrieben

Die einstige Betriebsratsvorsitzende Sandra Braun sagte in einem Gespräch mit der Volksstimme im Mai dieses Jahres, dass sie die Revolutionärin in sich entdeckt hat. Sie ist Krankenschwester aus Leidenschaft. Doch plötzlich gab es andere Prioritäten, stand der Kampf ums Krankenhaus im Vordergrund. Inzwischen hat die Schönfelderin wie viele andere ihrer ehemaligen Kolleginnen eine neue Arbeitsstelle. Doch ihr Herz hängt noch immer an einer ordentlichen medizinischen Versorgung für die hier lebenden Menschen. Deshalb ist sie wie etliche andere jeden Donnerstag um 17 Uhr auf dem Domplatz und kämpft weiter, bis sich die Tür zu einer 24/7-Gesundheitsversorgung öffnet.

Mit der Ausstellung am Sonnabend wollen die Akteure ein Resümee ziehen. Gezeigt werden auch diverse Utensilien wie Plakate und Schilder, die im Laufe der Zeit für die Proteste angefertigt worden sind. Erinnert wird auch ans Maskennähen. Es gibt einen Kuchenbasar und Kaffee.

Vereinsvorsitzender Holger Schulz hat sich erneut mit einem Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gewandt. Darin drückt er seine Hoffnung aus, dass das Salus-Konzept für Havelberg vom Land unterstützt wird. Auch von den Bauchschmerzen, die Vereinsmitglieder angesichts der Einmietung bei der KMG haben, ist darin die Rede. Wie berichtet, würde Salus das IGZ gern in einem Teil des früheren Krankenhauses einrichten.

Am Donnerstag beginnt wieder um 17 Uhr die Demo auf dem Domplatz.