Wust l In der Tangermünder Salzkirche zeigen sie „Köpfe“ – fotografiert, geschnitzt und gemeißelt. Sie sollten weder schön noch perfekt sein, dafür aber etwas Besonders an sich haben. Als sich die beiden befreundeten Künstler auf das Thema „Köpfe“ für die nächste gemeinsame Ausstellung nach „Wuster Totentanz“ 2010 und „ein an aus SICHT“ 2016 einigten, schärfte der Wuster Fotograf seinen Blick für das ganz Individuelle an Köpfen. Die mussten auch nicht unbedingt lebendig sein, so wie beispielsweise „Zu guter Letzt“, fotografiert auf einem Grabstein auf dem Friedhof in der alten südbadischen Heimat von Gerhard Faller-Walzer. Ebenfalls in Walshut fotografiert hat er seinen „Lieblingskopf“: ein verhüllter Tonkopf in einem Atelier seines guten Bekannten Axel Bauer. Da war er zu Besuch, als er den verhüllten Kopf entdeckte. Was sich unter dem Stoff verbirgt, weiß er bis heute nicht. „Das war mir auch nicht wichtig. So bleibt die Spannung erhalten – für mich und auch für den Käufer.“ Denn für das große Bild, auf Leinwand gedruckt, hat sich ein Käufer gefunden. Wenn die Ausstellung am Wochenende abgebaut wird, wechselt es den Besitzer. Darüber freut sich Gerhard Faller-Walzer natürlich, hat man mit so einer Ausstellung doch Ausgaben.

Fotos und Skulpturen

In einer Ausstellung in Tangermünde nicht fehlen darf natürlich Grete Minde – den Kopf der Skulptur hat der Wuster ins rechte Licht gesetzt. Ganz besonders in Szene gesetzt sind alle Köpfe in der Salzkirche, die einen unverwechselbaren Rahmen für Ausstellungen bietet und die Besucher fasziniert. Vom Bildhauer Peter Adler stammen die sehenswerten Skulpturen aus Holz, Stein, Marmor. Auch sie weichen von der Realität ab, lassen beim Betrachten Phantasie zu.

Gerhard Faller-Walzer, Jahrgang 1958, widmet sich seit den 80er Jahren intensiv der Schwarz-Weiß-Fotografie. Er war als Freier Fotograf in Berlin tätig, hatte Ausstellungen im In- und Ausland. Hin und wieder sind auch Skulpturen entstanden.

Bilder

Engagement für Sommerschule

Heute ist das Fotografieren ausschließlich Hobby, sein Geld verdient er als Projektmanager. Er engagiert sich seit dem Umzug nach Wust Anfang der 90er Jahre für den Wuster Dorfverein und für die Sommerschule. Für das begleitende Kulturprogramm, das er zusammen mit Ina Leutloff zusammenstellt, hat er schon so manch sehenswerte Ausstellung organisiert. „Es gibt so viele Künstler, denen ich in Wust eine Plattform bieten möchte“, kommentiert er die Frage, warum er selbst nicht in Wust ausstellt. In diesem Sommer wird es die Stendalerin Journalistin Nora Knappe sein, die ihre Fotos in Kombination mit einer Lesung ihrer Volksstimme-Beiträge zeigen wird.

Dass er immer wieder mit Peter Adler zusammen ausstellen kann, freut den Wuster. „Wir sind ein gutes Duo, haben die gleichen Ansichten, es passt einfach künstlerisch und menschlich.“

So stammt auf Initiative von Gerhard Faller-Walzer auch das „Drachenboot“ im Wuster Park von Peter Adler. Erstellt in den 90er Jahren mit einem Eichenstamm als Grundlage, hat es im Laufe der Jahre und erst recht während der Flutung des Parkes 2013 stark gelitten. „Es wäre schön, wenn es aufgearbeitet werden könnte und somit wieder zu einem Hingucker im Park wird“, wünscht sich der Wuster, dass das Kunstwerk, in dem auch die Wuster Kinder so gern zum Spielen Platz nahmen, erhalten bleibt.

Wie all die Fotos entstehen, die Gerhard Faller-Walzer in seinem Fundus hat? „Meist ganz spontan. Wenn ich beispielsweise auf unserem Hof Holz hacke und ich dabei eine ganz besondere Maserung sehe, dann fotografiere ich sie. Es kann auch mal ein tropfender Wasserhahn sein. Ich lege Wert auf Details, es soll nichts Ablenkendes auf dem Bild stören.“

Eine große Ausrüstung so wie einst nutzt der Wuster inzwischen nicht mehr. Ganz simpel bedient er sich der Kamera in seinem Handy. „Das habe ich immer dabei, ich kann also ganz spontan fotografieren – so entstehen die besten Bilder!“