Havelberg l „Wenn man nach 36 Stunden auf Patrouille wieder ins Feldlager kommt, freut man sich über einen Platz, wo man sich hinsetzen kann, in den Himmel guckt und sich freut.“ Ronald Klix ist Spieß der Reservistenkompanie 4./803 und berichtet am Donnerstag den Gästen im nachempfundenen Feldlager eines Auslandsein­satzes, wie sich die Soldaten dort eingerichtet haben mit Sitzecken, Hollywoodschaukel, Grillplatz und ähnlichem. Vier bis sechs Monate sind sie weit weg von zu Hause. Ob im Kosovo, in Afghanistan oder Mali – da ist Kreativität gefragt, um sich in der Freizeit halbwegs wohl fühlen zu können.

Das nachgebaute Feldlager vor dem Betreuungsgebäude in der Elb-Havel-Kaserne Havelberg mit Wohncontainern, Wachturm und den Schutz bietenden Wällen aus Stahlgeflecht, den „Hescos“, ist ein Teil der Regionalausstellung der Bundeswehr in Havelberg. Am Donnerstag wurde sie im Beisein zahlreicher Gäste eröffnet. Darunter der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Silberhorn, der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, General Andreas Durst, sowie Bundestagsabgeordneter Eckhard Gnodtke. Drei Bereiche spiegeln auf 250 Quadratmeter Fläche das Wirken der Soldaten des Panzerpionierbataillons 803 Havelberg wider. Der Titel „Brücken schlagen“ steht für das Handwerk der Soldaten und die Verbindung zur Zivilbevölkerung.

Projektoffizier Robert Thiele erinnerte an den Werdegang der Ausstellung. Der damalige Kommandeur Oberstleutnant Markus Schulze Harling sagte nach Absprache mit Offizieren zu, dass sich das Bataillon vorstellen könnte, im Rahmen der von der Ministerin ausgegebenen „Agenda Attraktivität“ eine Regionalausstellung aufzubauen. Bislang gibt es knapp zehn davon in der Bundeswehr. „Das Führerkorps des Bataillons und aller Dienststellen vor Ort stand und steht mit großer Mehrheit hinter diesem Entschluss. Nur so war es vorstellbar, ein Projekt von dieser Tragweite umzusetzen.“ Mit dem Oberstleutnant aus dem Bataillonsstab fiel die Wahl auf einen, der solch ein Vorhaben wohl nicht besser umsetzen konnte. Denn im zivilen Leben ist Robert Thiele Geschichtslehrer.

Bilder

Akzeptanz steigern

Die Vorgaben des Ministerums ließen sehr viel pädagogischen und gestalterischen Raum. „Voraussetzung dafür, eine Ausstellung aufzubauen, die unsere persönliche Handschrift tragen kann. Und hier lag der eigentliche Reiz dieses Auftrages, denn gerade wir Pioniere neigen dazu, allem unsere ganz individuelle Handschrift zu verpassen.“

Wegweisend sei, die Verantwortung in die Hände der Reserve zu legen. Das illustriert nicht nur die Zusammenarbeit von Aktiven und Reservisten am Standort Havelberg, sondern zeigt auch die zukünftige Rolle der Reserve in der Bundeswehr, so der Projektoffizier. Er berichtete von der Vermittlerrolle, die Soldaten der Reserve als eine Art Weltenwanderer in unterschiedlichen Bereichen für das gegenseitige Verständnis leisten und wie sie somit die Akzeptanz der Streitkräfte in der Gesellschaft steigern.

Verständnis und Akzeptanz zu erhöhen, ist auch das Ziel der Ausstellung, die ab Anfang April für interessierte Besucher geöffnet werden soll. Zwar ist alles durch Videos, Tonbeiträge, Fotos sowie kurzen klaren Texten verständlich erklärt. Dennoch sollen die Besucher geführt werden – von Soldaten, die über ihre Arbeit berichten. Zugleich ist mit dem gastronomischen Bereich – ebenfalls solchen in Einsatzländern nachempfunden – für eine Begegnungsstätte gesorgt, die zum Verweilen, zum Austausch und zur Diskussion einlädt.

Die drei Themenbereiche umfassen die Bundeswehr im gesellschaftlichen Kontext, die Vorstellung des Bataillons mit seinen Fähigkeiten und einer Auswahl von historischen Ereignissen sowie persönlichen Herausforderungen, die der Dienst in den Streitkräften mit sich bringt, sowie die Darstellung des Einsatzalltages. Robert Thiele bedankte sich bei allen, die die Ausstellung unterstützt haben, so auch beim aktuellen Bataillonskommandeur Oberstleutnant Ralph Peter und den Arbeitgebern, die die Reservisten freistellen.

Staatssekretär Thomas Silberhorn hob die zivilmilitärische Zusammenarbeit hervor, die in der Ausstellung etwa mit der Hilfe bei der Hochwasserkatastrophe 2013 und Waldbränden wie 2018 in Jüterbog und Treuenbrietzen oder im Einsatz mit dem Hausbau für eine Familie im Kosovo durch Soldaten in ihrer Freizeit zum Ausdruck kommt. „Das ist eine ganz wichtige Botschaft. Die Bevölkerung soll spüren, dass die Bundeswehr für sie da ist. Aber auch die Soldaten sollen wissen, dass sie einen Platz in der Gesellschaft haben.“ Er wünschte der Ausstellung viele Besucher in den nächsten Jahren, vor allem auch junge Leute. Denn zugleich will sich die Bundeswehr mit dieser Ausstellung als attraktiver Arbeitgeber präsentieren.

Wer die Ausstellung besuchen möchte, kann schon jetzt sein Interesse anmelden unter 039387/20 20 91 oder 20 20 90.