Havelberg l Das vermittelt die neue Ausstellung im Havelberger Prignitz-Museum auf beeindruckende Weise. Über ein Dutzend Länder hatte sich vor gut einhundert Jahren den Krieg erklärt. Am 1. August 1914 brach dieser Erste Weltkrieg aus, der vier Jahre später endete. Wie war es damals, im Krieg? Antworten darauf gibt die Wanderausstellung „Heimat im Krieg 1914/18 – Spurensuche in Sachsen-Anhalt“, die als 19. und letzte Station für vier Monate im Prignitz-Museum Havelberg zu sehen ist.

Von einst 70 auf über 300 Exponate

Zur Eröffnung am Sonnabend ging Ulrike Bergmann, Leiterin des Schulverwaltungs- und Kulturamtes des Landkreises Stendal, auf den Begriff Heimat ein. Wie haben die Menschen damals ihre Heimat empfunden, was dachten die Soldaten fern der Heimat? Mit großem Hurra waren die Familienväter, Ehemänner und Söhne in den Krieg verabschiedet worden. Viele von ihnen kehrten nicht zurück. Die Auswirkungen waren bis ins kleinste Dorf zu spüren – fernab der großen Schlachtfelder. Das zeigt die Wanderausstellung, die vor vier Jahren im Altmärkischen Museum erstmals präsentiert wurde und über die Jahre gewachsen ist. Waren es zu Beginn um die 70 Exponate, sind es nun über 300. Viele davon stammen aus der Sammlung des Prignitz-Museums, wie dessen Leiterin Antje Reichel den rund 50 Besuchern berichtete.

Einblicke in die Geschichte

Auf 230 Quadratmeter Fläche im südlichen und im östlichen Kreuzgang vermitteln Fotos, Gegenstände, Schriften und anderes mehr einen Eindruck von der „Heimat im Krieg“. Dank der Sammlung des damaligen Leiters des Havelberger Krankenhauses, Dr. Richard Hartwich, der ehrenamtlich das Museum leitete, des Fotografen Reinhold Steffen, des pensionierten Lehrers Adolf Werner, der Tagebuch schrieb, und des Lagerfotografen Louis Assler zum Beispiel sind viele Dinge heute noch vorhanden und ermöglichen einen Einblick in die Geschichte.

Bilder

10.000 Internierte in Havelberg

In Havelberg hatte es ein großes Kriegsgefangenenlager und Lazarett gegeben, in dem bis zu 10.000 Menschen lebten. Soldaten und zivile Personen aus vielen Nationen waren für Monate und Jahre in dem Lager eingepfercht. Nicht alle überlebten, Gedenktafeln auf dem Interniertenfriedhof in Havelberg zeugen noch heute davon. „Teilweise waren es ganze Familien, daran wird das Ausmaß dieses perfiden Krieges deutlich“, sagte Bürgermeister Bernd Poloski. Der geschichtliche Aspekt sei das eine. „Die Ausstellung hat auch einen ganz aktuellen Bezug“, sprach er von „riesengroßen Auffanglagern, in denen Flüchtlinge heute zum Teil seit Jahren leben müssen. Das sollte uns zu denken geben.“ Er habe manchmal den Eindruck, dass das nicht in dem Maße passiert, um zu verhindern, dass solche Situation nie wieder eintritt.

Schülern wird Besuch empfohlen

Gerade weil sie berührt und bewegt sind, empfehlen sowohl der Bürgermeister als auch die Amtsleiterin aus der Kreisverwaltung vor allem auch Schulen einen Besuch dieser Ausstellung, die ein Kooperationsprojekt des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt mit dem Institut für Geschichte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie weiterer Partner ist. „Reflektion ist wichtig für das, was wir in der Zukunft aufbauen“, so Ulrike Bergmann.