Havelberg l „Havelberg ist mir ans Herz gewachsen“, sagt Lothar Schnick und erzählt von seiner Kindheit, die er in Schönhagen bei Gumtow, unweit von Havelberg an der B 5 gelegen, verbracht hat. „Zum Einkaufen ging es in die Stadt und natürlich im September zum Pferdemarkt. Mit den Bauern sind wir mit der Kutsche mitgefahren“, denkt der 65-Jährige zurück. Früh zog es ihn in die weite Welt hinaus. Zunächst zur Kinder- und Jugendsportschule nach Brandenburg, wo er als Kanurennsportler seine sportliche Karriere begann. Er gehörte zur Nationalmannschaft der damaligen DDR und lernte viele Länder kennen. Das sieht er als einen Grund dafür, dass er sich mit der Region und der Natur seiner Heimat verbunden sieht.

„Mich hat es zum Ende des Leistungssports 1979/80 nach Wusterhausen verschlagen. Im Kreis Kyritz war ich für Jugend und Sport zuständig. Durch Zufall übernahm ich später den Bereich Jagdwesen und Naturschutz. Das hat meine Neugier auf die Natur noch mehr geweckt“, erzählt Lothar Schnick. Er absolvierte Fortbildungen, beschäftigte sich mehr und mehr mit der Lebensgemeinschaft Wald. Nach der Wende war er beruflich zwar wieder im Bereich Sport tätig, begleitete den Bau etlicher Sporthallen auch in Sachsen-Anhalt. Doch Wald und Natur ließen ihn nicht mehr los.

Und so wuchs in ihm der Wunsch, selbst etwas zu tun für den Wald und damit für den Klimaschutz. In Havelberg, der Stadt, in die es ihn noch immer gern zieht und wo sein Bruder zu Hause ist, erhielt er die Möglichkeit, im Lindenweg Ackerflächen von einer älteren Dame zu erwerben. Aufforstung war sein Ziel. Lothar Schnick wollte neue Lebensgemeinschaften in der Natur schaffen und setzte mit einer Vielfalt an Baum- und Straucharten ein Zeichen, „wo sich Boden, Klima, Flora und Fauna entwickeln können“. Kiefern, Stieleichen, Linden, einige Roteichen und auch Ahorn haben sich auf den Arealen, rechterhand von der Stadt kommend aus gesehen bis zum Weinberg auf einer Fläche von 2,9 Hektar und linkerhand bis zum Birkenweg auf 4,9 Hektar in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Ebenso Sträucher wie Hundsrose, Weide, Hasel, Hartriegel und Sanddorn.

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2007/08 begann der Wusterhausener, sein ehrgeiziges Ziel in die Tat umzusetzen. Manch einer hat ihn damals bestimmt beobachtet, wenn er an Wochenenden mit dem Spaten Löcher in den Acker buddelte, um die Eichenpfähle für die Umzäunung setzen zu können.

Mit dem Landkreis abgestimmt

Zu den Pflanzungen hat er sich mit dem Landkreis Stendal abgestimmt. Sein Antrag zur Erstaufforstung wurde schnell bewilligt. „Es gab eine harmonische Zusammenarbeit, auch mit dem ALFF“, berichtet Lothar Schnick. Zugute ist ihm gekommen, dass für den Bau der A14 Flächen für Ersatzbepflanzungen gesucht wurden. Dadurch flossen auch Fördergelder. Doch hat er auch selbst viel Geld investiert. Über die Jahre sind es um die 50.000 Euro, sagt er. Er sieht es als gut angelegtes Geld für kommende Generationen – und vor allem für die Umwelt.

Damit die Bäume auch gut anwachsen, kaufte er heimische Pflanzen aus Mecklenburg-Vorpommern. Die Bodenverhältnisse sind auf beiden Flächen sehr unterschiedlich. Einmal musste der Traktor mit Militärtechnik von der vernässten Fläche gezogen werden. Das Pflanzen übernahm eine Gärtnerei aus Rathenow. Inzwischen haben die Bäume und Sträucher eine stattliche Größe erreicht und sind Heimstatt für Kleintiere, Vögel sowie Insekten.

Waldflächen besitzt der 65-Jährige nahe dem Stadtwald im Bereich Julianenhof. Dort hat er 2017/18 eine ein Hektar große Ackerfläche mit Kiefern und Eichen aufgeforstet. Aufgrund der Trockenheit wuchsen 60 Prozent der gepflanzten Kiefern nicht an und er musste Ersatz pflanzen. Inzwischen stehen die kleinen Bäumchen gut auf dem Areal am Bendeliner Weg. Ein zwei Meter hoher Zaun schützt vor dem Einfall von Rotwild. Auf der Fahrt dorthin zeigt Lothar Schnick brachliegende Flächen, die seiner Meinung nach auch besser aufgeforstet werden sollten als dass Landwirte dafür auch noch Geld kassieren, weil sie ungenutzt sind.

Seit 40 Jahren ist er in der Ostprignitz als berufener Naturschutzhelfer ehrenamtlich tätig. In seiner Heimatstadt bietet er Exkursionen in die Natur für Kinder an. Er betreut mit beratenden Tätigkeiten das Naturschutzgebiet Bärenbusch, das im Bereich Kyritz, Wusterhausen und Neustadt liegt. Auch für den Weg der Ruppiner Heide vom „Bombodrom“ zu einem geschützten Gebiet mit einem Reichtum an Tieren und Pflanzen hat er sich engagiert.