Hohengöhren l Vier Hektar, auf denen bis vor wenigen Wochen noch Getreide gewachsen ist, werden gerade freigelegt. Dietmar Wuttke, Mitarbeiter und Werksleiter der Firma Gilde GmbH, sitzt in der Raupe und schiebt Streifen um Streifen Mutterboden beiseite. Unter der durchschnittlich 50 Zentimeter starken Schicht kommt vor dem Kies noch der Auelehm – ebenfalls ein Produkt, welches gerade als Dichtungsschicht beim Deichbau dringend benötigt wird, aber beispielsweise auch im Hohengöhrener Lehmbaubetrieb.

Förderung ab September

„Ab Anfang September werden wir aus der Erweiterung fördern können“, sagt Prokurist Heiko Manger-Leist beim Blick über die neue Fläche, die unmittelbar an das derzeitige Abbaufeld angrenzt. Unter dieser zirka 20 Hektar großen Wasserfläche wird das Kiesvorkommen langsam knapp. Denn in den zurückliegenden Jahren wurde ordentlich gefördert. Seit kurz nach dem Deichbruch bei Fischbeck, als die Erneuerung von Deichen, Straßen und Wirtschaftswegen begann, ist die Nachfrage groß. Zumal die Wege vom Kieswerk Hohengöhren zu den Baustellen in der Elbe-Havel-Region kurz sind. Neuermark-Lübars, Sandau, Havelberg – dort gibt es derzeit große Baustellen, von denen die Lkw anrollen, um Baumaterial abzuholen. Das ist nicht nur der Kies, der in Hohengöhren von einem Saugschiff ans Tageslicht gefördert wird. Hier werden auch zertifizierte Mineralgemische und Frostschutzmaterialien hergestellt, außerdem Betonaufbruch und Altasphalt von anderen Firmen angeliefert und mit einer Brechanlage zu Recyclingmaterial aufgearbeitet – dieser Schotter wird auf den hiesigen Baustellen ebenfalls in Massen gebraucht. Deshalb reihen sich viele Haufenwerke unterschiedlichster Baumaterialen auf dem Gelände aneinander.

Mindestens zwei Beschäftigte sind täglich vor Ort – einer bedient das Saugschiff, der andere belädt die Lkw. Und derzeit wird zudem noch das neue Abbaufeld erschlossen.

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Genehmigung für 200 Hektar

Seit Jahrhunderten wird in Hohengöhren Kies abgebaut, die Gilde GmbH mit Hauptsitz in Burg ist seit 1994 Eigentümer. Das erste große Kiesloch ist längst stillgelegt, dieser sogenannte Alttagebau ist aber noch in Bestand von Gilde und somit ist das Baden verboten – nicht nur aus rechtlichen Gründen, weil es Privatbesitz ist, sondern auch, weil es gefährlich ist: jederzeit könnte im Uferbereich Sand abrutschen, warnt Heiko Manger-Leist. Das derzeitige Abbaufeld wurde Anfang der 2000-er Jahre erschlossen. Die bergbaurechtliche Genehmigung für den Abbau von Kies bei Hohengöhren hat Gilde für insgesamt 200 Hektar – genug Fläche und Material also. Aber das ist Zukunftsmusik – jetzt wird das Abbaufeld erst einmal um vier Hektar erweitert.