Das "Foto von damals" entstand in Jederitz, wo das Postauto auch mal die Brötchen aus Kuhlhausen ablieferte

Bei Ingrid Linke im Jederitzer Konsum gab\'s auch ein Feierabendbier

Von Anke Schleusner-Reinfeldt

Jederitz l "Ach, das bin ja ich!" staunte Ingrid Linke am Dienstagmorgen, als sie nach einem Anruf ihrer Tochter Monika Frahs aus Scharlibbe die Volksstimme aufschlug. Das "Foto von damals" zeigte den Jederitzer Dorfkonsum, in dem die heute 81-Jährige arbeitete. Von Mitte der 50er Jahre bis 1973 verkaufte sie zusammen mit Doris Wildensee Waren des täglichen Bedarfs, "hin und wieder gab es auch Textilien oder andere Dinge wie Nähgarn", erinnert sich Monika Frahs an den Konsum, wo sie als Kind und Jugendliche oft war und der Mutter beim Wareauspacken oder auch mal beim Saubermachen half - ein süßes Dankeschön war ihr gewiss. Heute steht der Konsum leer, kurz nach der Schließung nach der Wende befand sich hier noch der Laden von Töpfermeisterin Ute Schröter. Die beiden großen Schaufenster erinnern an die Zeit des Konsums.

Postauto brachte die Brötchen aus Kuhlhausen

An die denkt auch Doris Wildensee gern zurück, "auch wenn die Arbeit, die frühmorgens mit dem Kohlen aus dem Keller hochschleppen und dem Ofen anheizen begann, oft schwer war. Wir wurden regelmäßig mit Brot und Brötchen beliefert, anfangs vom Kuhlhausener Bäcker Balzer, von wo das Postauto alles mitbrachte, später dann von der Genthiner Großbäckerei. Wurst und Fleisch kamen zweimal pro Woche aus Havelberg." 1972 wechselte sie in den Konsum nach Havelberg, wo auch Ingrid Linke in der Verwaltung arbeitete. Elke Mudrak und Sigrid Orlowski haben dann den Jederitzer Konsum geführt.

Renate Hirth hatte es zum Einkaufen nicht weit

An das Kommen und Gehen im kleinen Dorfkonsum erinnert sich auch Renate Hirth, die ab 1969 mit ihrem Mann in der Wohnung obendrüber gewohnt hat. "Ich bin täglich zum Einkaufen runtergegangen und habe alles frisch geholt, heute müssen wir nach Havelberg fahren oder die Angebote der fliegenden Händler, die regelmäßig durch Jederitz fahren, nutzen. Ingrid Linke war immer nett und freundlich, schade, dass es diese kleinen Dorfläden nicht mehr gibt!" Das bedauert auch Paul Riebschläger. Er ist 82 Jahre alt und fährt mit dem Auto nach Havelberg, wenn er einkaufen muss. Gern denkt er daran zurück, wie er als Traktorist und später als Melker sich mit den Arbeitskollegen zum Feierabend-Bierchen am Konsum getroffen hat. Es gab einen Milchbock, ein paar Steine und auch eine Stange zum Anlehnen der Fahrräder, "irgendwo hatten wir immer Platz und den Tag ausklingen lassen".

An ihre Kindheit in Jederitz denkt Heidemarie Schulze gern zurück, die in den 80er Jahren nach Schönhausen gezogen ist. "Ich und meine große Familie mit sieben Geschwistern haben nebenan gewohnt und durften uns hin und wieder einen Lutscher oder Schokolade holen."

Ursel Böhm aus Kamern hat sich ebenfalls gefreut, mit dem "Foto von damals" an alte Konsum-Zeiten erinnert zu werden. "Meine Mutti Gertrud Schrader, die mit 90 Jahren 2012 verstorben ist, hatte auch den Konsum in Kamern und kannte Ingrid Linke. Wir waren oft in Jederitz zu Besuch bei Bekannten. Der erste Konsum hier in Kamern war nur ein Raum, in dem meine Mutter zusammen mit Marianne Richter gearbeitet hat. Später dann gab es den Konsum in dem Haus mit der BHG-Kasse, bevor in Feierabendarbeit der Neubau errichtet wurde, in dem heute noch Lebensmittel verkauft werden."