Havelberg l Erwartungsvolle Stille in der Havelberger Stadtkirche. Alle haben ihre Plätze eingenommen. Wer wollte, hat sich eine wärmende Decke über die Beine gelegt. Auf der Empore stehen Bläser. Die ersten Töne erklingen. Das Blechbläseroktett eröffnet das Benefizkonzert, zu dem das Panzerpionierbataillon 803 und die Hansestadt eingeladen haben. Dann begrüßt Kommandeur Oberstleutnant Markus Schulze Harling die über 300 Gäste.

Er erzählt von seiner großen Freude, das Heeresmusikkorps Neubrandenburg unter der Leitung von Oberstleutnant Christian Prchal tatsächlich in Havelberg begrüßen zu können. Am Dienstag hatte das Orchester den Anruf erhalten, dass es am Donnerstag im Bundeskanzleramt auftreten muss. Zum Glück gab es keine Absage für den Auftritt in Havelberg. „Ausgefallen wäre das Konzert aber nicht, Sie hätten dann hier ein singendes Pionierbataillon erlebt.“

Alternative wäre singendes Bataillon

Er ruft die Besucher zugleich auf, nach dem Konzert reichlich Glühwein zu trinken. Denn sämtliche Einnahmen des Abends kommen sozialen Zwecken zugute. Die evangelische Kirchengemeinde als Hausherrin der Stadtkirche hat ihre Hälfte für die Spendenaktion von Rotary und Volksstimme für Erdbebenopfer in Mexiko vorgesehen. Das Panzerpionierbataillon spendet seine Hälfte für die beiden Havelberger Kitas, die Förderschule „Am Lindenweg“ und das DRK-Heim Julianenhof. Die Scheckübergabe findet nächsten Dienstag statt. Er dankt allen, die zum Gelingen beigetragen haben: den Kitas Regenbogen und Zwergenland für den Weihnachtsschmuck in der Kirche, dem Erlebnispädagogischen Centrum ELCH, dem Ordnungsamt der Hansestadt, dem Kantorat sowie dem Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Zum Glühweintrinken im Anschluss gibt der Kommandeur den Tipp: „Da das Geld für Kinder gedacht ist, können Sie den Glühweingenuss damit begründen, dass Sie in die Zukunft investiert haben.“

Ein Holzbläserquintett mit Klarinettensolo folgt, bevor sich dann der Orchesterraum füllt. Oberstleutnant Christian Prchal erzählt kleine Anek­doten zu den Musikstücken. So berichtet er zum Beispiel von der Entstehungsgeschichte zu Mendelssohns erstem Konzertstück. 1832 hatte er den Klarinettisten Heinrich Joseph Baermann und dessen Sohn Carl zu Gast. Während er komponierte, kochten sie die von ihm geliebten Dampfnudeln und Rahmstrudel. Nach dem Essen servierte er seinen musikalischen Nachtisch.

Der Orchesterchef ist dieses Mal auch singend zu erleben. Mit dem nicht ganz ernst gemeinten „Katzenjammer“-Blues („Blues for a killed Cat“, Arrangement von Frederick Fennell) wollen die Musiker ihr Gefühl zum Ausdruck bringen, das sie begleitete, als sie vor kurzem von ihrer Amerikatour mit 38 Grad plus im acht Grad kalten Deutschland landeten.

Bei Stücken wie „Concerto Grosso Opus 6, Nummer VIII“ von Arcangelo Corelli, dem „Grand Choeur Dialogué“ von Eugène Gigout, dem etwas anderen „Lindenbaum“ von Guido Rennert und der „Winterrose“ von Kurt Gäble mit einem Medley von Liedern um die Weihnachtsgeschichte beweisen die Soldaten ihr Können. Ob ganz sacht oder mit voller Wucht der Instrumente – sie sorgen für Gänsehaut beim Publikum. Es ist wunderschön, die Trompeten, Posaunen, Klarinetten, Querflöten, Schlaginstrumente und den Kontrabass als Orchester oder partiell erklingen zu hören.

Grüße an Frau Merkel

Christian Prchal nimmt die Zuhörer auch mit zu einer virtuellen Reise in die Konzertkirche Neubrandenburg, die dank eines Sponsors seit diesem Jahr über eine Orgel verfügt. Die Orgelbauer sind jene, die auch die Orgel in der Elbphilharmonie Hamburg gebaut haben. „Sie standen für Hamburg vier Jahre in den Startlöchern, und anders als dort, war bei uns schon ein Fundament vorhanden.“ Da es schwer ist, Karten für die Elbphilharmonie zu bekommen, wäre die Konzertkirche eine gute Alternative. „Zumal die Orgel der Elbphilharmonie 69 Register hat, wir haben 70.“ Einen Eindruck, wie die Orgel klingt, gibt das Heeresmusikkorps mit dem „Grand Choeur Dialogué“.

Werbung in eigener Sache macht der Oberstleutnant nicht nur in Bezug auf die neu eingespielte CD des Heeresmusikkorps zugunsten des DRK, sondern auch dahingehend, dass Schüler ein Praktikum beim Orchester absolvieren können. Ein Schüler wird am Mittwochabend verabschiedet.

In seine Wünsche für eine friedvolle Weihnachtszeit bezieht er die Soldaten mit ein, die weltweit im Einsatz und über die Festtage nicht zu Hause bei ihren Liebsten sind. Das Heeresmusikkorps wird im nächsten Jahr die Soldaten im Ausland mit Konzerten erfreuen und nach Mali, Litauen und vermutlich auch in den Nord­irak fliegen.

Mit stehenden Ovationen bedankt sich das Publikum für das wundervolle Konzert. Bürgermeister Bernd Poloski dankt im Anschluss dem Orchester, überreicht Blumen und sagt auch den Soldaten des Panzerpionierbataillons, dem Ordnungsamt und dem Bauhof Dankeschön für die perfekte Organisation und Vorbereitung des Konzertes.

Bezogen auf die Orgel der Stadtkirche, für deren Sanierung eine Spendenaktion läuft, bringt er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es bei einem der nächsten Benefizkonzerte des Heeresmusikkorps ein Zwischenspiel der restaurierten Orgel geben könnte. Die Musiker verabschiedet er mit den Worten: „Sollten Sie morgen etwas verspätet im Bundeskanzleramt erscheinen, richten Sie bitte Frau Dr. Merkel unsere herzlichsten Grüße aus und dass wir sie nicht ohne eine Zugabe aus Havelberg entlassen konnten.“

Mit „O du Fröhliche“ klingt ein wunderschöner musikalischer Nikolausabend aus. Nun ist es an der Zeit, mit Glühwein auf die Zukunft anzustoßen.