Sandau l Dieser hatte am Dienstag seine theoretische und auch die praktische Prüfung bestanden. Erstere hatte im derzeit genutzten Sandauer Rathaus stattgefunden, der Praxistest erfolgte auf der Räbeler Fähre. Denn auf dieser durfte der Sandauer dankenswerterweise einen Großteil seiner Ausbildung absolvieren – die Sandauer Fähre ist seit Februar erst wegen Straßenbauarbeiten und dann wegen der Landrevision außer Betrieb.

Insgesamt 180 Tage muss ein Fährjunge arbeiten, damit er zur Prüfung zugelassen wird. „Das theoretische Wissen eignete ich mir in den Pausen an“, berichtete der Sandauer. Vor allem musste er in der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung sattelfest sein, immerhin 60 Fragen im theoretischen Prüfungsteil befassten sich mit diesem Paragrafenwerk.

Rettungsboot nicht mehr nötig

Ferner gab es 30 Fragen zur Technik und eben so viele zur Sicherheit. Bei letzteren musste der Prüfling zum Beispiel wissen, welche Rettungsmittel es gibt – beispielsweise Rettungsboote oder -ringe. Rettungsboote sind heutzutage übrigens nicht mehr auf der Fähre vorgeschrieben, hier befinden sich nur noch Rettungsringe.

Außerdem musste Florian Lange sich auch in der Fährordnung auskennen. Zum Beispiel darf die Sandauer Fähre bis zu 45 Personen transportieren und besitzt eine Tragfähigkeit von 45 Tonnen. Insgesamt mussten bei der Prüfung 180 Fragen beantwortet werden – quasi eine für jeden Arbeitstag.

Am Gierseil andere Beleuchtung nötig

Die drei Prüfer kamen von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Magdeburg. Auf der Fähre musste der Prüfling zum Beispiel erklären, dass bei Hochwasserbetrieb, wenn der Motor angeworfen werden muss, eine andere Beleuchtung als am Gierseil nötig ist. Auch die Elb-Kilometer, an denen die beiden Fähren übersetzen, waren zu kennen. In Sandau ist dies der Kilometer 416,1.

Vorerst besitzt der Sandauer lediglich einen Übergangs-Fährführerschein, der richtige muss erst noch angefertigt werden. Er darf mit seinen beiden Streckenpatenten künftig sowohl die Sandauer als auch die Werbener Fähre bedienen. Was aber ohnehin angestrebt wird, damit sich das Personal im Fall der Fälle ersetzen kann, erklärte der amtierende Bürgermeister. Das werde bereits jetzt erfolgen, berichtete Wolfgang Hellwig weiter. Denn die Werbener hatten ihn darum gebeten, dass Florian Lange vorerst auch weiterhin zeitweise auf ihrer Fähre aushilft, damit das Personal dort seine angesammelten Überstunden abbauen kann.

Zum einen sei dies ein Dankeschön für die Ausbildung dort und zum anderen sei die Sandauer Fähre ohnehin noch eine Weile auf der Werft in Havelberg, erklärte Wolfgang Hellwig.

Gute Arbeit auf Räbeler Fähre geleistet

Die Werbener Fährleute seien mit der Arbeit ihres einstigen Fährjungen sehr zufrieden gewesen, lobte der amtierende Bürgermeister. Auf deren Fähre war er seit dem 1. Februar im Einsatz, im November des Vorjahres hatte er seine Ausbildung auf der Sandauer Fähre begonnen.

In der Elbestadt wird Florian Lange – er ist übrigens gelernter Wasserbauer – allerdings nicht nur auf der Fähre arbeiten, sondern zeitweise auch dem Stadtarbeiter zur Hand gehen. Was für seine Sandauer Kollegen bereits seit Februar zutrifft – so lange ist die Fähre nicht im Einsatz.

Derzeit gehören vier Fährleute zum Team in Sandau. Der Neuling ist Nachfolger von Peter Zimmermann, welcher im Vorjahr in Rente gegangen war. Mit ihm zusammen werden Dirk Jonas, Rainer Luksch und Mike Herrmann ihren Dienst auf dem Wasserfahrzeug versehen.

Über Weihnachten im Dienst

Die Sandauer Fähre soll – so ist es gegenwärtig geplant – in diesem Jahr übrigens über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel übersetzen, die Werbener Fährleute haben in dieser Zeit frei. Das erfolgt jedes Jahr im Wechsel, da in dieser Zeitspanne nicht so viele Kunden die Fähren nutzen. So kann das Personal auch gleich Überstunden abbummeln.

Während der Ausbildung machte der Fährjunge auch den Funkschein, als ausgebildeter Fährmann darf er nun auch den Radarschein erwerben. Und auch zum Ersthelfer-Lehrgang wird er sicherlich noch müssen, zumal die Sandauer Fähre im Zuge der Landrevision auch mit einem Defibrillator zur Hilfe bei Herzrhythmusstörungen ausgestattet wird.

Ab 2022 soll der Fährmann übrigens ein richtiger Ausbildungsberuf werden – dann sind dafür drei statt jetzt einem Jahr vonnöten.