Schönhausen l Auch wenn der Vertrag noch nicht geschlossen ist: Die Signale des Landes machen den übrigen Partnern, die den Betrieb des Schönhauser Bismarck-Museums absichern, Hoffnung, dass die Zukunft des Hauses dauerhaft gesichert ist. Vor allem die Gemeinde hofft auf finanzielle Entlastung. 

„Sie haben die volle Unterstützung des Landes! Wir werden Möglichkeiten suchen und finden, damit der neue Kooperationsvertrag mehrjährige Sicherheit bietet!“ Diese Worte von Kultur-Staatssekretär Gunnar Schellenberger (CDU) beim Besuch in Schönhausen stimmen Bürgermeister Jürgen Mund (CDU) und die Schönhauser Otto-von-Bismarck-Stiftungsleiterin Andrea Hopp optimistisch. Denn für Stiftung, Land, Landkreis und Gemeinde beginnen demnächst die Verhandlungen über den Kooperationsvertrag ab 2021, der stets für fünf Jahre geschlossen wird und die Beteiligung aller vier Partner am Museumsbetrieb und der damit verbundenen historisch-politischen Bildungsarbeit sichert. Die Stiftung finanziert die Leiterin, das Land die Stelle der Museumspädagogin Katja Gosdek, der Landkreis steuert die operativen Mittel von 5000 Euro bei, die jährlich für Anschaffungen, Reparaturen und Veranstaltungen reichen müssen, und die Gemeinde trägt sämtliche Bewirtschaftungskosten und ist auch für das Personal zuständig, das die Öffnungszeiten absichert.

Das war bis zum Sommer des vergangenen Jahres auch kein Problem. Denn Beschäftigte über den zweiten Arbeitsmarkt standen stets zur Verfügung. Als die letzte Maßnahme allerdings beendet war, gab es keine Fortschreibung – und das Museum musste erst einmal schließen. Über Honorarkräfte waren zumindest angemeldete Führungen von Gruppen möglich. Gelder wurden umverteilt, so dass das Haus nach wenigen Wochen zumindest bis Jahresende mit verkürzten Öffnungszeiten wieder Besucher empfangen durfte. Im neuen Jahr blieb das Museum dann zu. Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt und Jürgen Mund bat auch den CDU-Landtagsabgeordneten Chris Schulenburg um Unterstützung. Ergebnis des Bemühens: Das Land machte weiteres Geld locker und bezahlt für den Rest des Jahres 2020 neben der Museumspädagogin auch die Museumsaufsicht Christiane Schramm, die im Juli ihre Arbeit aufgenommen hat.

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Nun läuft alles – ausruhen kann man sich aber nicht. Denn es soll nie wieder passieren, dass Touristen vor verschlossenen Türen stehen. Deshalb hat Chris Schulenburg den Staatssekretär eingeladen, „gut, dass er darauf gedrängt hat“, resümierte er am Ende der Gesprächsrunde beeindruckt vom Engagement vor Ort.

Schönhausen bietet einzigartiges Ensemble

So konnte sich Gunnar Schellenberger mit eigenen Augen davon überzeugen, was Schönhausen zu bieten hat: „Hier kann man in der Geschichte spazieren gehen“, stimmte Andrea Hopp auf den Rundgang ein. „Schönhausen bietet ein einzigartiges Ensemble mit der Patronatskirche der Bismarcks; den freigelegten Grundmauern des 1958 gesprengten Herrenhauses, in dem Otto von Bismarck 1815 geboren wurde, und dem nur durch Zufall verschonten Seitenflügel, der nun das Museum beherbergt; mit der Parkanlage, die gerade flutsaniert wird, und den darin platzierten Sandsteinfiguren; mit dem Herrenhaus II, in dem sich jetzt das Bürgerzentrum befindet. All dies und mehr zeugt von der landadeligen Lebenswelt, in die Bismarck hineingeboren wurde.“ In den Geschichtsbüchern kann über Bismarcks Politik nachgelesen werden, „aber in Schönhausen sieht man noch die Spuren der adeligen Gutsherrschaft, die sein politisches Denken und Handeln geprägt hat“.

Ein ganz besonders wichtiges Anliegen ist der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen ihr historisch-politischer Demokratiebildungsauftrag – gerade weil sie der einzige Standort der sechs Politikergedenkstiftungen des Bundes in Ostdeutschland und in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands ist.

Kontinuität und Verlässlichkeit

„Bismarck ist ein Staatsmann von historischer Bedeutung weit über Deutschland hinaus bekannt und zugleich eine sperrige Figur. Ihn und seine Zeit genauer aus kritischer Distanz zu betrachten, ermöglicht eine Auseinandersetzung mit zahlreichen Themen, die heute noch relevant oder für die Zukunft gar dringlich sind“, so Andrea Hopp. „Für das umfangreiche Programm, das wir hier bieten sollten, um unseren Auftrag angemessen erfüllen zu können, brauchen wir aber Kontinuität und Verlässlichkeit!“ gab sie dem Landespolitiker mit auf den Weg. Sie betont die ausgesprochen gute Zusammenarbeit der Kooperationspartner, „wir ziehen alle an einem Strang“.

Die Stiftung ist erfreut und dankbar, dass das Land in der schwierigen Situation eingesprungen ist. Dem pflichtete auch Jürgen Mund bei. „Wir verlangen für die Zukunft nichts Unangemessenes. Aber wir als Gemeinde brauchen einfach mehr Unterstützung.“ Rund 100 000 Euro gibt Schönhausen pro Jahr für die Bewirtschaftung von Torhaus (Museum) und Gärtnerhaus, in dem sich unter anderem die Touristinfo und der Vortrags- und Sonderausstellungsraum befinden, aus. Dazu kommt die Pflege des Parks, die nach Abschluss der Flutsanierung in zwei Jahren ebenfalls gewährleistet sein muss.

Wohl wissend, „dass viele beim Staatssekretär anklopfen und um Hilfe bitten“, unterstrich Chris Schulenburg, wie wichtig die Unterstützung der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen sei. Die Botschaft ist angekommen, versicherte der Landespolitiker abschließend.