Schönhausen/Klietz/Sandau l Welche Herausforderungen 2019 zu meistern waren und welche Hürden 2020 zu nehmen sind, wollte die Volksstimme von Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Steffi Friedebold wissen.

Volksstimme: Ihr Blick zurück auf 2019 fällt wie aus?

Steffi Friedebold: Das Jahr ist vergangen wie im Flug, alles war gefühlt extrem schnelllebig. Der Termindruck war enorm hoch, generell herrschte wieder ein hohes Arbeitspensum in der gesamten Verwaltung. Geprägt war die Arbeit auch durch diverse Wahlen, die vor- und auch nachzubereiten und durchzuführen waren.

Sie hatten sich mehr Optimismus und Freude am Erreichten gewünscht. Worüber gab es denn Grund zur Freude?

Über so Einiges. Die Beseitigung der Hochwasserschäden ist gut voran gekommen, der demnächst veröffentlichte Statusbericht gibt dann genaue Auskunft über den Stand der Abarbeitung im Elbe-Havel-Land. Die Infrastruktur in unserer Region hat sich weiter verbessert. Da nenne ich die Sanierung der Turnhalle in Klietz und die Inbetriebnahme der tollen Sporthalle in Schönhausen als Beispiele. Die Schollener Feuerwehr hat ein neuen Fahrzeug bekommen. Die Resonanz auf den zweiten Unternehmerstammtisch hat mich sehr gefreut. Mit der erstmaligen Ausrichtung des Tages des Ehrenamtes haben wir der Arbeit der Engagierten unserer Wertschätzung Ausdruck verliehen. Im neu gewählten Rat der Verbandsgemeinde und auch allen Gemeinderäten arbeiten engagierte Vertreter mit.

Ist das Zusammenwachsen der Gemeinden im Elbe-Havel-Land ein Stück voran gekommen?

Im Verbandsgemeinderat oder bei den Bürgermeistersitzungen ist eine deutliche positive Tendenz in diese Richtung zu erkennen. Auch bei den Feuerwehren, in den Kitas oder auf den Bauhöfen sehe ich ein gemeinsames Handeln, Denken, Lösungen finden, Probleme angehen – das finde ich sehr gut.

Was hat das mit viel Aufwand betriebene Integrierte Entwicklungsprojekt IEK gebracht?

Das Konzept steht. Die Mitgliedsgemeinden werden mittel- und langfristig davon profitieren. Wichtig ist, dass die weitere Umsetzung durch einen jetzt einzustellenden Demografiemanager zeitnah angeschoben wird.

Was hat die Verwaltung beschäftigt?

Wie bereits erwähnt, haben die Mitarbeiter täglich ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen, angefangen von den täglichen Aufgaben weiter über die Hochwasserschadensbeseitigung, die Umsetzung der Datenschutzverordnung, die Durchführung der Wahlen mit den gesamten Vor- und Nachbereitungen, den Umzug des Bauamtes vom Sandauer Rathaus nach Klietz mit vorheriger Ertüchtigung der ehemaligen LB-Schule, den Abruf von diversen Fördermitteln beispielsweise für die Verbesserung der Schulinfrastruktur bis hin zur Einführung eines neuen Ratsinformationssystems. Nebenbei absolvieren unsere Mitarbeiter zusätzlich Fortbildungen, Qualifikationen und Lehrgänge. Dafür mein Dankeschön an alle Mitarbeiter der Verwaltung!

Und die Brandschutzbedarfsplanung befindet sich auch in Überarbeitung?

Ja. Sie wird in diesem Jahr neben der Risikoanalyse vorrangiges Thema im Bereich Ordnungsamt/Brandschutz sein.

Derzeit findet die Organisationsuntersuchung durch ein externes Büro statt. Was versprechen Sie sich davon?

Optimierte Arbeitsabläufe! In Zeiten hohen Arbeitsaufkommens und immer mehr übertragener Aufgaben an uns als Verwaltung müssen Abläufe optimal strukturiert sein, um personell allen Anforderungen auch zukünftig gewachsen zu sein. Der Fachkräftemangel ist auch in unserer Region schon sichtbar, wir müssen für unser Fachpersonal optimale Arbeitsbedingungen schaffen, um es auch langfristig für unsere Region und die Verwaltung zu begeistern.

Wird dann auch die schon lange nicht besetzte Stelle des Hauptamtleiters wieder ausgefüllt?

Natürlich!

Die Tourismusmanagerin Jenny Freier geht. Ab April wird also ein Nachfolger gebraucht ...

Die Stellenausschreibung läuft. Wir hoffen, einen adäquaten Nachfolger oder Nachfolgerin begrüßen zu können.

Die Arbeitsbelastung im Bauamt ist seit der Flut enorm und das wird auch mindestens noch zwei Jahre so bleiben, bis der Wiederaufbau abgeschlossen wird. Dazu kommen 2020 die Großprojekte Kita-Neubau und die Hortsanierung in Schönhausen sowie die Ratshausmodernisierung in Sandau. Außerdem müssen die beantragten Fördermittel für die Schulen, so sie denn genehmigt werden, auch umgesetzt werden – wie ist das alles zu schaffen?

Indem die Arbeitsabläufe im Amt gut strukturiert, alle Stellen besetzt und die Mitarbeiter gut qualifiziert und hoch motiviert sind. Aber es müssen auch anderswo Abstriche gemacht werden. Geplantes muss zeitlich nach hinten verschoben werden. Zukünftig sollten wir vielleicht über eine Prioritätenliste der geplanten Maßnahmen reden, um dann nach und nach alles abzuarbeiten.

Wann rechnen Sie mit dem Baustart des neuen Spatzennestes in Schönhausen?

Im Mai diesen Jahres.

Was ist, wenn die veranschlagten Baukosten nicht reichen?

Die Fördermittelsumme ist fest, alle weiteren Kosten, die entstehen, trägt die Verbandsgemeinde über die Umlagen. Wir werden sehen, was die Ausschreibung bringt. Ich hoffe nicht auf böse Überraschungen.

Erstmals seit Bestehen der Verbandsgemeinde ist schon am Jahresende ein Haushalt beschlossen worden – können also auch die Mitgliedsgemeinden darauf hoffen, 2020 nicht erst im Herbst ihren Etat in Sack und Tüten zu haben?

Das ist das erklärte Ziel, auch darauf liegt mein Hauptaugenmerk.

Gut geht es den Gemeinden nicht, alle sind pleite und können sich nur noch das Allernötigste leisten. Die hohe Umlage an die Verbandsgemeinde steht immer wieder in der Kritik, die Unzufriedenheit in den Gemeinderäten darüber ist groß.

Die Verwaltung der Verbandsgemeinde setzt die ihr übertragenen Aufgaben aus den Mitgliedsgemeinden um. Zum Teil resultiert die Höhe der Umlage aus Entscheidungen, die schon vor langer Zeit getroffen wurden, oder aus in der Vergangenheit nicht umgesetzten Notwendigkeiten, die wir einfach nicht ignorieren und aussitzen können. Beispielsweise der Brandschutz in den Kitas und Grundschulen. Es ist überflüssig, in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen in Frage zu stellen. Wir müssen nach vorn schauen und lösungsorientiert arbeiten. Und wir müssen den Mut haben, auf kurze Sicht unpopuläre Entscheidungen zu treffen, die aber langfristig notwendig sind. Ich denke da an die bereits bekannten und lange diskutierten Themen Grundschulstandorte, Brandschutzbedarfsplanung, Prioritätenliste bei Sanierungen und Instandhaltungen. Und auch an Nutzungsentgelte oder das Nachdenken über das Auslagern von freiwilligen Aufgaben in einen Eigenbetrieb.

Die Aussicht des Kämmerers auf die kommenden Jahre prophezeit eine weitere Steigerung der Umlage. Macht die Kommunalaufsicht da mit?

Diese Frage kann nur die Kommunalaufsicht beantworten.

Eine große zu nehmende Hürde 2020 ist die Schulentwicklungsplanung. Welche Chancen sehen Sie, dass alle drei Schulen in Klietz, Schönhausen und Sandau erhalten bleiben?

Um eine langfristige Planbarkeit nicht nur aus Verwaltungssicht, sondern gerade auch für die Eltern und natürlich auch für die Kinder zu erzielen, sollten wir hier ehrlich und mit Weitblick diskutieren.Wünschenswert ist es natürlich, alle drei Standorte langfristig zu erhalten. Ich habe nur die Sorge, dass, wenn wir uns nicht klar für zahlenmäßig starke Grundschulen aussprechen, wir langfristig unsere attraktiven Standorte aufs Spiel setzen. Und damit meine ich in erster Linie den zentral gelegenen Grundschulstandort Klietz. Hier bedarf es zukünftig klarer Aussagen und Positionierungen. Die Diskussionen zur Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung gehen jetzt weiter und ich hoffe, dass wir zu langfristig zufriedenstellenden Ergebnissen für alle kommen.

Was sind neben den Bauprojekten und der Schulentwicklungsplanung die Herausforderungen im neuen Jahr?

So einiges: die Ertüchtigung der Schulinfrastruktur, die Umsetzung des DigitalPakts in den Schulen, die Einführung einer Kita-Software, die Umsetzung der elektronischen Rechnungslegung in der Verwaltung, die Erstellung der Eröffnungsbilanzen für die Mitgliedsgemeinden und die Verbandsgemeinde, das Hochwasserschutzkonzept, weitere Schulungen der Wasserwehr und die Fortschreibung Risikoanalyse und Brandschutzbedarfsplanung. Es ist also mehr als genug zu tun.

Worauf können sich die Bewohner des Elbe-Havel-Landes freuen?

Auf eine tolle Infrastruktur, die Umsetzung des Integrierten Entwicklungskonzeptes, den nächsten Unternehmerstammtisch und den Tag des Ehrenamtes, die Einstellung eines Feuerwehr-Gerätewartes, der alle Wehren entlastet, neue Feuerwehrfahrzeuge, die Eröffnung der Feuerwehr-Kleiderkammer in Wust und das fertige Hochwasserschutzkonzept. Wichtiges Ereignis wird der erste Spatenstich für das neue Spatzennest in Schönhausen. Und ganz sicher gibt es in den Orten so manche Feste und Feiern, an denen die Dorfbewohner Freude haben. Ein paar Bauprojekte stehen ja auch an, der neue Einkaufsmarkt in Schönhausen beispielsweise.

Und worauf freuen Sie persönlich sich?

Auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Verbandsgemeinderat, den Bürgermeistern und den Räten der Mitgliedsgemeinden, auf ein konstruktives gemeinsames Arbeiten in der Verwaltung, auf gute Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen und auch die kleinen Dinge wie die Vorlesetermine in den Schulen, die ich sehr gern wahrnehme.