Schönhausen l Sie ist als ältestes Kind von Herbert und Marguerite von Bismarck eine Enkelin Otto von Bismarcks und 1893 in Schönhausen geboren: Hannah von Bismarck, verheiratete von Bredow. Reiner Möckelmann, Autor und ehemaliger Diplomat – hier aber viel besser bekannt als früherer Leiter der Sommerschule Wust – hat über sie eine anregende, gut lesbare Biografie geschrieben. Am 3. Oktober hat er das Buch in Anwesenheit mehrerer Nachfahren Hannah von Bredows und damit Otto von Bismarcks in der Otto-von-Bismarck-Stiftung Schönhausen vorgestellt. Er kam in Begleitung von Botschafter a.D. Leopold Bill von Bredow, Hannah von Bredows jüngstem Sohn, der ihm umfangreiches Quellenmaterial zur Verfügung gestellt hat. Stiftungsleiterin Dr. Andrea Hopp sprach mit beiden über Hannah von Bredows bewegtes Leben, das vom Kaiserreich über Weimarer Republik, Nationalsozialismus bis in die Bundesrepublik reichte.

Selbstbewusst und furchtlos

Aus ihrem Elternhaus war sie den Umgang mit „geistiger Prominenz“ gewohnt: Häufig weilten Gelehrte, Künstler und Musiker als Gäste von Vater und Mutter in Schönhausen und später in Friedrichsruh. Früh lernte sie es zudem, Verantwortung zu übernehmen. Als ihr Vater starb und sie zur wichtigen Stütze ihrer Mutter wurde, war sie erst elf Jahre alt. Beides prägte sie, verlieh ihr Selbstbewusstsein und Weltläufigkeit. Wer das Buch liest, wird nicht umhinkommen, beizupflichten: Hannah von Bredow war souverän und bemerkenswert furchtlos. Weil sie außerdem über ein rasches, scharfsinniges Urteil verfügt, wurde sie oft mit ihrem Großvater Otto von Bismarck verglichen.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, war Hannah von Bredow eben verwitwet und musste für ein Baby (den bei der Buchvorstellung anwesenden Leopold Bill von Bredow) und weitere acht Kinder sorgen. Trotz dieser schwierigen Lage, die sie eigentlich besonders abhängig hätte machen müssen von Verwandten, Bekannten und deren Meinung über sie, blieb sie konsequent und von Beginn an eine Gegnerin des Nationalsozialismus – und damit manchmal ziemlich allein, auch in der Bismarck-Familie selbst.

Verhört von der Gestapo

Mehrfach wurde Hannah von Bredow von der Gestapo verhört, zuletzt sogar im Krankenhaus nach einem Herzinfarkt. Seit 1935 existierte über sie ein Gestapo-Dossier. Denn sie wurde wiederholt denunziert – und das mehrheitlich von Angehörigen der eigenen adligen Standeskreise. Zum Beispiel vom ehemaligen Reichskanzler Franz von Papen, der Jahre zuvor ihr Essensgast gewesen war und bei dem auch umgekehrt die Bredows zu Empfängen eingeladen gewesen waren.

Eine Quelle der Kraft gerade in dieser schweren Zeit war ihr „Lebensmensch“ Sidney Jessen, ein gleichaltriger Marineoffizier und promovierter Ökonom. 1924 hatte Hannah von Bredow ihn kennengelernt als Privatsekretär ihres Bruders Otto von Bismarck. Mit Jessen, der wie sie im Nationalsozialismus ein Regimegegner war, verband Hannah von Bredow eine 40 Jahre währende Korrespondenz. Auf diesen und noch viel mehr historischen Dokumenten beruht das verdienstvolle Werk von Reiner Möckelmann. Sein Buch „Hannah von Bredow. Bismarcks furchtlose Enkelin gegen Hitler“ ist im Buchhandel erhältlich.

Sonderausstellung

Die eröffnete Schau zu den Jahrestagen 1948 - 1958 - 1998 soll eine „Ortsgeschichte“ im Sinne einer „Mitmachausstellung“ sein, zu der die Schönhauser aktiv mit ihren persönlichen Erinnerungen beitragen können. Dazu liegen in der Ausstellung an mehreren Stellen kleine Zettel und Bleistifte bereit, auf denen die eigenen Erlebnisse von damals eingetragen werden können. Die ausgefüllten Zettel werden anschließend an die Ausstellungstafeln geklebt und ergänzen so die Archivdokumente.

Der Eintritt für die Sonderausstellung ist - wie stets - frei.