Klietz l Wie geht es den Wäldern und der Heide auf dem Klietzer Truppenübungsplatz? Darüber sprach Anke Schleusner-Reinfeldt mit Forstdirekter Lutz Freytag, Bereichsleiter beim Bundesforstamt Nördliches Sachsen-Anhalt.

Ist schon abzusehen, welche Folgen Hitze und Dürre im Extrem-Sommer 2018 hatten?

Er hat die Forstwirtschaft überall hart getroffen. Das gilt für Mischwälder und Reinbestände aller Altersstufen, besonders in unserer Gegend mit den sandigen Böden. Neuanpflanzungen und Naturverjüngung sind vertrocknet, Nachpflanzungen im Frühjahr sind sicherlich immer noch schwierig und risikoreich: Der Boden ist sehr tief durchgetrocknet und weil so ein Dürrejahr noch nicht vorgekommen ist, fehlen die Erfahrungswerte, wie viel Regen fallen muss, damit die Forstwirte neue Bäume pflanzen können. Vertrocknete Laubbäume fallen im Winter nicht so ins Auge, weil sie ja ohnehin keine Blätter haben. Auch Nadelbäumen sieht man den Wassermangel lange nicht an, das kennen ja viele von ihrem Weihnachtsbaum. Wir warten etwas angespannt das Frühjahr ab und hoffen, dass wir die Schäden in den nächsten Jahren langsam eindämmen können. Wir Förster denken und planen langfristig und sorgfältig, aber bei solchen Klimakapriolen werden Überlegungen in kürzester Zeit vernichtet und wir sind sogar gezwungen, Holz weit unter Wert zu vermarkten.

Befürchtet wird, dass Schädlinge mit den geschwächten Bäumen leichtes Spiel haben?

Sobald Bäume unter Trockenstress leiden, sind sie anfällig. Viele Insektenarten können das riechen und besiedeln gezielt vorgeschädigte Bäume, von denen nach diesem Sommer zahlreiche vorhanden sind. Wir haben es in Folge des Sommers beispielsweise mit dem Zwölfzähnigen Kiefernborkenkäfer zu tun, der seit langer Zeit nicht mehr auffällig geworden war. In manchen Fällen vermehren die Käfer sich in einer derartigen Lage so stark, dass sie auch gesunde Bäume und ganze Waldbestände vernichten können. Nur feuchtes Wetter kann hier Abhilfe schaffen, da dann die Brut durch Pilze zerstört wird. Wir versuchen so weit möglich, natürliche Abläufe für die nachhaltige Bewirtschaftung zu nutzen, aber hier sind wir von der Witterung abhängig. So treten wieder etliche Schadinsekten auf, die wir lange kaum gesehen haben. Uns Förstern bleibt nur, geschädigte Bäume zu finden und zügig aus dem Wald zu entfernen. Dieses Jahr ist das aber besonders schwierig, weil durch die vielen Sturm- und Dürreschäden in Mitteleuropa die Holzwirtschaft überversorgt ist. Da sind gute jahrelange Partnerschaften gefragt, damit uns unsere Kunden in dieser Lage helfen und das Schadholz ohne Verzug aus dem Wald abtransportieren. Glücklicherweise sind wir in der Region gut verankert und arbeiten in guten und in schlechten Zeiten gern zusammen.

Es haben Ende 2018 wieder etliche große Jagden stattgefunden. Waren die Jäger, die teilweise von weit anreisten, zufrieden?

Die Jagd dient dazu, den Wildbestand auf einem Niveau zu regulieren, bei dem sich die Waldbestände natürlich verjüngen, so dass wir auf Pflanzungen verzichten können. Auch auf Wildschutzzäune wollen wir überflüssig machen. Auf einem Truppenübungsplatz wie Klietz, der fast jeden Tag im scharfen Schuss beübt und dafür gesperrt wird, ist die Jagd eine organisatorische Herausforderung. Meistens jagen wir nur an ganz wenigen Tagen im Jahr und dafür besonders intensiv. Für das Wild hat das den Vorteil, dass es weitgehend störungsarm leben kann. Wir Förster und die Jäger müssen sich damit abfinden, dass an solchen Tagen mal das Wetter nicht ideal ist. Dadurch schwank der Erfolg auch mal. Aber im auslaufenden Jagdjahr haben wir schon eine gute Jagdstrecke zusammen. Die genaue Bilanz ziehen wir im Februar. Auch die hier lebenden Wölfe beeinflussen wahrscheinlich die Höhe des Wildbestandes, aber wir wissen kaum etwas über die Reviergröße der Wolfsrudel und haben so gut wie keine Möglichkeiten, zu ermitteln, wie viel Wild in einem definierten Gebiet durch den Wolf erlegt wird. Die Jäger, die uns in Klietz bei der Jagd unterstützen, wollen jedenfalls wiederkommen, manche auch, um endlich mal einen Wolf in freier Wildbahn zu sehen. Davon können bisher nur wenige berichten. Die sind allerdings ziemlich beeindruckt und sagen durchweg, dass es ein bewegendes Erlebnis war.

Sie haben unlängst angedeutet, dass die Jagden für eine Studie zum Verhalten des Wildes seit der Ansiedlung des Wolfes genutzt wurden.

Vielfach wird vermutet, dass das Wild sein Verhalten ändert, wenn Wölfe vorkommen und dadurch auch die Jagd erschwert ist. Gleichzeitig beobachten wir immer öfter Wild, das sich in der Nähe von Wölfen aufhält, ohne panisch zu fliehen. In einer Studie haben wir versucht, das Thema ein wenig zu erhellen, indem wir alle 30 bis 40 eingesetzten Jagdhunde mit Sendehalsbändern ausgestattet haben. Die Sender haben permanent die Position, Geschwindigkeit und sogar das Bellen aufgezeichnet und übermittelt. Gleichzeitig haben die Jäger ihre Tierbeobachtungen protokolliert, so dass ein Datenabgleich möglich wird. Nachdem ich die Leibniz-Universität Hannover für eine Studie im Rahmen einer Masterarbeit gewinnen konnte, diese Daten auszuwerten, sind wir gespannt auf die Ergebnisse. Ich kann mir vorstellen, dass das heimische Wild nach einem Jahrzehnt gut gelernt hat, mit Wölfen zu leben. Und ich bin mir sicher, dass wir von Zeit zu Zeit unsere Jagdmethoden überprüfen und justieren müssen, um erfolgreich zu sein. Auch dabei sollen uns die Erkenntnisse helfen.

Die Wolfsbeautragte Birgit Büttner aus Schollene geht demnächst in den Ruhestand. Sie und auch der gerade ausgeschiedene Ulrich Sinjuschkin gehörten zu den „alten Hasen“ in den Wäldern des Truppenübungsplatzes und kannten sich so gut aus wie in der sprichwörtlichen Westentasche. Wie werden diese Lücken geschlossen?

Besonders im Wald, wo wir in langen Zeiträumen denken, ist der angesprochene Wissenstransfer tatsächlich eine wichtige Herausforderung. Nachfolger von Ulrich Sinjuschkin als Leiter des Forstreviers Schönhauser Damm ist Benjamin Menn. Er ist seit Anfang Oktober bei uns und fühlt sich sehr wohl, auch weil er in seiner kleinen Dorfgemeinschaft sehr gut aufgenommen wurde. Das Wolfsmonitoring mit Fotofallen und Erhebung wissenschaftlicher Daten übernimmt er derzeit von Frau Büttner, die wir Ende April in den verdienten Ruhestand verabschieden. Der Übungsplatz Klietz ist für Förster ein attraktiver und vielseitiger Arbeitsplatz, von dem viele träumen. Ich bin zuversichtlich, bald einen Nachfolger für Frau Büttner begrüßen zu können.

Stürme haben für übermäßig viel Windbruch und Windwurf gesorgt. Gibt es dennoch Bereiche, die 2019 durchforstet werden?

Stabile Wälder müssen regelmäßig durchforstet werden. In den letzten zwei Jahren haben wir viele dieser „Pflegehiebe“ aufschieben müssen und der Nachholbedarf staut sich auf. Die Wälder in Klietz sind hoch produktiv und wir werden eher steigende Holzmengen produzieren. Unsere mittelfristige Planung, die sogenannte Forsteinrichtung, steht 2019 wieder an und wir werden für jeden einzelnen Waldbestand eine nachhaltige Planung erstellen. Die Forsteinrichtung ist für uns alle ein großes Projekt und wird uns in den nächsten zwei Jahren sehr beschäftigen.

Welche Projekte gibt es in Bezug auf den Umweltschutz?

Das Thema spielt dauerhaft eine große Rolle bei sämtlichen Planungen zum Bau von militärischen Übungseinrichtungen. Beispielsweise werden wir in der Umgebung der neuen Panzerfaust-Übungsanlage Waldbrandschutzriegel mit Laubgehölzen anpflanzen. Bisher stehen da Reinbestände aus Kiefern. Durch den Umbau zum Mischwald profitieren auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Was folgern Sie aus dem Waldbrandgeschehen?

Bundesweit gab es im Hitzesommer viel mehr Waldbrände als sonst, wir sind in Klietz zum Glück verschont geblieben. Die Bundeswehrfeuerwehr hat hervorragende Arbeit geleistet. Auf einem Schießplatz muss die Bundeswehr dauerhaft mit Munition üben, die geeignet ist, Brände zu verursachen. Wir versuchen, in Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Bundeswehr und auch Kollegen von anderen Übungsplätzen, aus dem Brandgeschehen die richtigen Schlüsse zu ziehen und Vorsorge zu treffen. Dafür werden 2019 die Waldbrandschutzstreifen und Schneisen sowie die Rettungswege auf den Prüfstand gestellt und wo notwendig ausgebaut.