Havelberg l „Ich finde es schön, dass die Parlamentarier hier sind und Interesse an unserer Arbeit zeigen“, sagt Oberstleutnant Markus Schulze Harling, Kommandeur des Panzerpionierbataillons 803 Havelberg, am Donnerstag nach dem Besuch von Bundestagsabgeordneten in der Elb-Havel-Kaserne. Er und weitere Offiziere nutzten die Gelegenheit, den Standort vorzustellen und Probleme anzusprechen. Alle drei Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Altmark gehören dem Verteidigungsausschuss des Bundestages an. Matthias Höhn (Die Linke) und Marcus Faber (FDP) kamen zum Antrittsbesuch in die Elb-Havel-Kaserne. Der erkrankte Eckhard Gnodtke (CDU) wurde vom wissenschaftlichen Berater im Verteidigungsausschuss Gunther von Mirbach vertreten. Am Dienstag hatten sie bereits das GÜZ in Letzlingen besucht.

Viel Zeit nahmen sich die Bundestagsabgeordneten auch für die Gespräche mit den Kompaniechefs, Kompaniefeldwebeln und Vertrauenspersonen. Sie wollten erfahren, wo der Schuh drückt. „Leider sind die Probleme, die wir derzeit im Bundestag bereden, auch hier vorhanden. Das betrifft vor allem die personelle und die materielle Ausstattung“, berichtet Matthias Höhn von den Gesprächen mit den Soldaten. Auch die Einsätze der Bundeswehr spielten eine Rolle. „Wir haben nicht auf jedes Detail Einflussmöglichkeiten, können aber natürlich im Verteidigungsausschuss darüber sprechen und das ans Ministerium weitergeben. Bei den Problemen handelt es sich nicht zuerst um Fragen des Bundeswehrhaushaltes, der ist ganz gut aufgestellt, sondern um Managementprobleme bei der Planung, Beschaffung und Ausführung“, so seine Einschätzung.

Budgets für die Standorte denkbar

„Das betrifft nicht nur die großen Systeme, sondern auch ganz alltägliche Dinge der Grundausstattung. Bei den Pionieren geht es zum Beispiel um Nachtsichtgeräte“, sagte der Linkspolitiker. Zu den Auslandseinsätzen haben die Fraktionen unterschiedliche Meinungen. Ginge es nach der Linkspartei, würde sich die Bundeswehr nicht mehr daran beteiligen und es wären Kapazitäten für andere Dinge frei.

Marcus Faber, der 2003 in Havelberg seinen Wehrdienst bei den Pionieren absolvierte, berichtet in Bezug auf oftmals lange Wege der Materialbeschaffung, dass überlegt werden könnte, den Standorten ein Budget zuzustehen, mit dem sie in der Lage sind, kleinere Anschaffungen selbst zu tätigen. „Es gibt wenig Verständnis dafür, dass der Kauf eines Feldbettes lange dauert und auch noch wesentlich teurer ist als auf dem freien Markt.“

Zur Sprache kamen auch Arbeitszeitregelungen nach EU-Recht, die zu Zwängen führen. „In der französischen Armee wird dieses EU-Recht nicht angewandt“, erfuhr er vergangene Woche bei einem Besuch in Paris. Auch in Deutschland sollten flexiblere Lösungen möglich sein, damit Soldaten gerade mit weiteren Heimwegen etwa in der Woche mehr arbeiten, um dann möglicherweise schon donnerstagsabends nach Hause fahren zu können. Denkbar wäre auch, Überstunden nicht wie jetzt mit Freizeit, sondern finanziell auszugleichen.

„Erfahren haben wir, dass die Grundzufriedenheit hier relativ hoch ist. Die größte Sorge ist der Personalaufwuchs, besonders bei den Kampfmittelräumern. Da steht die Frage, wie die Bundeswehr als Arbeitgeber gestärkt und noch attraktiver gemacht werden kann. Die Besoldung ist hierbei auch ein Thema“, so Marcus Faber. Laut Kommandeur gehören derzeit 573 Soldaten dem Panzerpionierbataillon an, rund 100 Dienstposten sind noch zu besetzen.

Beim Rundgang über das Kasernengelände besuchten die Gäste unter anderem den Tauchtopf und die Instandsetzungshalle und schauten sich Zimmer in einem der Unterkunftsgebäude an.