Klietz l Und zwar solange, bis die dafür vorgesehenen Blöcke in der Gardelegener Straße in Stendal hergerichtet sind. Der Übungsbetrieb läuft weiter. Wo sonst die Soldaten der auf dem Klietzer Schießplatz übenden Truppe schlafen, werden die Flüchtlinge untergebracht. Das Objektmanagement der Bundeswehr stellt sechs Wohnblöcke und elf kleine Gebäude, in denen je zwischen 23 und 45 Personen Platz haben, zur Verfügung. Die Soldaten werden auf den Biwakplatz Großwudicke ausquartiert – hier ist Platz für 700 Personen in mitzubringenden Zelten, die Versorgungseinrichtungen sind in festen Gebäuden vorhanden.

Eine Übergangslösung

„Es handelt sich um eine vorübergehende Lösung“, erklärt Lutz-Georg Berkling, für militärische Angelegenheiten, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Innenministerium des Landes zuständig. Klietz werde solange benötigt, bis in Stendal mit entsprechend vorhandener Infrastruktur Platz für die Flüchtlinge geschaffen ist. Das werde etliche Monate dauern, man richte sich mit der Erstaufnahmeeinrichtung in Klietz auf das ganze Jahr 2016 ein.

In der Kaserne im See wird die Einfahrt am alten Kinosaal für die Flüchtlinge die Ein- und Ausgangszone. Der Kinosaal, der wegen der Bauarbeiten am Küchengebäude jetzt für das hiesige Personal die Essenausgabe und der Speisesaal ist, wird in die Aufnahme inte­griert. Hier erfolgt die Begrüßung der Ankommenden, die Personalien werden aufgenommen, Lichtbilder gemacht und das Taschengeld (143 Euro pro Monat für Erwachsene und 83 Euro für Kinder) ausgereicht. Dann erfolgt die Zuweisung in die Quartiere. Es gibt Zwei- bis Acht-Bett-Zimmer mit entsprechenden Sanitäranlagen. Mit der Reinigung wird das Land eine Firma beauftragen.

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Und auch die Vollverpflegung der 700 Menschen werde durch einen zivilen Anbieter, der noch kurzfristig zu finden ist, gewährleistet. Da es für die Esseneinnahme auf dem Gelände der Kaserne kein weiteres Gebäude gibt, wird das Aufstellen eines geeigneten Zeltes in Erwägung gezogen. Hier sollen auch Freizeitangebote unterbreitet werden.

Durchschnittlich drei Wochen dauert es, bis den Flüchtlingen Wohnungen zugewiesen werden. Die festgelegte Quote für die Landkreise in Sachsen-Anhalt werde nach der neuen Situation mit Klietz, so Lutz-Georg Berk­ling, noch einmal überarbeitet. Denn wo sich solche großen Anlaufstellen befinden, sollen nicht so viele Flüchtlinge aufgenommen werden wie jetzt festgelegt.

Zaun trennt Kaserne vom Militärbereich

In den kommenden zwei Wochen bis zum Eintreffen in Klietz ist hier noch einiges zu tun. Der Bereich für die Flüchtlinge muss abgetrennt werden. „Wir werden den nördlichen Bereich inklusive der Zufahrt nutzen, ein Zaun wird das Areal abgrenzen“, erklärt Oberstleutnant Vormwald. Entsprechendes Sicherheitspersonal sorgt für die Einhaltung der Abgrenzung. Sicherheitsempfindliche Punkte werden besonders geschützt. Die Munitionsbehälter am See beispielsweise werden gänzlich außer Betrieb genommen und die Munition aus der Kaserne heraus umgelagert. Neben dem Sicherheitspersonal gibt es eine zusätzliche Polizeipräsenz, macht Lutz-Georg Berk­ling deutlich.

Die Flüchtlinge können sich innerhalb der Grenzen des Landkreises frei bewegen, bis 22 Uhr müssen sie zurück in ihrer Unterkunft sein.

Inwieweit die Integration in Klietz möglich ist, will Bürgermeister Hermann Paschke zeitnah mit den Vereinen und dem Jugendklub klären. „Sie bleiben ja nur kurze Zeit, von richtiger Integration kann man da sicher nicht sprechen. Aber von einem Kennenlernen. Wir werden diese Herausforderung meistern und den Menschen, die auf der Flucht vor dem Krieg sind, helfen. Die Flüchtlinge sind in Klietz willkommen!“

Anlieger über Situation informiert

Die unmittelbar an der Zufahrt zum Kinosaal liegenden Anwohner hat er gestern beim Gang von Haus zu Haus über die Situation informiert, auch mit den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates hat er gesprochen. Am kommenden Montag werden die Klietzer ab 18 Uhr auf einer Einwohnerversammlung im „Seeblick“ über die Situation informiert.

Vize-Landtagspräsidentin Helga Paschke, Ehefrau des Bürgermeisters und unmittelbar an der Kaserne wohnend, fordert vom Land eine gewissenhafte Vorbereitung in Klietz in der nur kurzen Zeit, „durch Unorganisiertes dürfen keine Konflikte heraufbeschworen werden“.

In Klietz soll eine Verbindungsstelle zwischen Land und der Kaserne eingerichtet werden. Einer, der hier tätig sein wird, ist Werner Grabolle, der von Lutz-Georg Berkling darum gebeten worden ist. Der Klietzer war einst Kommandant des Übungsplatzes und ist jetzt Vorstandsmitglied der Altmärkischen Bürgerstiftung.

Ehrenamtliche für die Betreuung gesucht

Für die Betreuung der Flüchtlinge soll medizinisches Personal vor Ort in der Kaserne sein. Und auch Sozialarbeiter kümmern sich um die Kinder und Erwachsenen – entsprechend Betreuungsschlüssel 1:100 sind es sieben Fachkräfte. „Aber das wird nicht ausreichen, so dass wir auf ehrenamtliche Helfer angewiesen sind“, hofft Lutz-Georg Beutling auf Hilfe aus der Bevölkerung. Kreative und sportliche Angebote sollen zum Zeitvertreib unterbreitet werden, auch außerhalb der Kaserne. Der alte Armeesportplatz in der Nähe biete sich dafür an.

„Es gibt in den kommenden Tagen viel zu tun, um gut vorbereitet zu sein“, hofft Hermann Paschke auf eine enge Zusammenarbeit und einen zügigen Informationsfluss mit dem Landkreis und dem Innenministerium. „Wir werden die Bevölkerung bestmöglich über alles informieren und einbeziehen.“