Havelberg l „Bisher wollte er immer Polizist werden, kann sein, dass er nun einen anderen Berufswunsch hat“, sagte die Mutti eines Dreijährigen, während der einen Kran erkundete. So mancher Knirps hat nun vielleicht den Wunsch, Brückenbauer, Fährführer, Baggerfahrer, Panzerfahrer oder Hubschrauberpilot zu werden. Mit ihrer Technik haben die Soldaten aber nicht nur die vielen Mädchen und Jungen, die eifrig das Angebot zum Erkunden annahmen, begeistert, sondern auch viele Erwachsene. Der Tag der offenen Tür, als Havelbiwak eine feste Größe im Stadtleben Havelbergs, schloss dieses Mal mit einem Rekord: Über 5000 Besucher wurden gezählt.

Fünf Busse fuhren im Shuttleverkehr zwischen Havelberg und dem Pionierübungsplatz Nitzow, um die vielen Interessierten an den Ort des Geschehens zu bringen. Auch der Straßenrand vor dem Platz war langhin mit Autos zugeparkt. Pünktlich um 12 Uhr begrüßte der Kommandeur des Panzerpionierbataillons 803 und Standortälteste Oberstleutnant Markus Schulze Harling die bereits zahlreich erschienenen Besucher. Kurz darauf ging es auch schon los mit der ersten Vorführung. Ein Amphibienfahrzeug durchquerte die Havel. Lkw ließen Boote und Faltschwimmbrücken zu Wasser. Ruck, zuck war eine Fünffach-Fähre mit 20 Metern Länge zusammengebaut und ein Panzer konnte ans andere Ufer übersetzen. Dann wurde eine Brücke gebaut und weitere Fahrzeuge setzten über die Havel. Das Faltschwimmbrückengerät ist das Alleinstellungsmerkmal der Pioniere in Havelberg.

Spritztouren auf der Havel

Es hat nicht nur bei größeren Übungen schon gute Dienste geleistet, sondern kommt auch im zivilen Bereich zum Einsatz. Etwa im Reformationsjahr 2017 beim Kirchentag in Wittenberg, wo es als Fußgängerbrücke diente. Hauptmann Norbert Wedekind, Kompaniechef der 3., beobachtete seine Jungs vom Ufer aus, sein elf Monate alter Sohn Erik schlief auf seinem Arm. „Ich bin sehr zufrieden, es hat alles gut geklappt. Dieser Tag der offenen Tür ist eine gute Sache, weil wir damit auch unseren Familienangehörigen zeigen können, was wir hier die ganze Woche über machen.“

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Inzwischen war die Brücke freigegeben für die Besucher und die Boote wurden fertig gemacht für Spritztouren auf dem Wasser. Da hatte Oberfeldwebel Philipp Kulessa als Stationsleitender M-und S-Bootfahren das Sagen. 80 Soldaten waren bis zum frühen Abend aktiv, um den Besuchern erfrischende Ausfahrten in den zehn Schlauch- und zehn Motorbooten zu bieten. Die Warteschlange riss erst zum Ende des Biwaks ab.

Kurz davor gab es noch einen Höhepunkt der Vorführungen: Fuchs, Dachs, Leopard und Biber zeigten, was in ihnen steckt bei der Beseitigung von Hindernissen, dem Bau einer Brücke und dem Verlegen einer Faltstraße. Am gegenüberliegenden Havelufer wurde der Minenräumpanzer Keiler in Aktion gezeigt. Ein anderer Höhepunkt war das Unterwassersprengen. Für das Rahmenprogramm hatten unter anderem die Havelberger Förderschule, die Judokas vom Wassersportverein, die Feuerwehr und eine Modenschau gesorgt. „So lange ich hier alle mit einem Lächeln im Gesicht sehe, ist alles in Ordnung“, sagte Projektoffizier Oberleutnant Jens Vogel zufrieden zum Ausklang.