Klietz l Die Zahl der Gäste im Klietzer Schullandheim ist in diesem Jahr coronabedingt mehr als überschaubar. Erst Schließung ab Mitte März, dann im Sommer ein paar wenige Belegungen, Mitte Oktober waren die Pilzsammler dann die letzten, die das Schullandheim besuchen durften, den Rest des Jahres bleiben die Betten leer. „Und eigentlich wäre jetzt das Jahr 2021 auch schon zu 80 Prozent ausgebucht. Aber die Unsicherheit ist groß, jetzt bucht keine Schulklasse und kein Verein, weil keiner weiß, wann Klassenfahrten oder Trainingslager überhaupt wieder möglich sind“, schaut Leiter Stefan Kertz in ein ungewissses neues Jahr mit finanziellen Verlusten. Ein Beispiel: Über Weihnachten und Silvester wollte der Berliner Wildfang-Verein, der zu den Stammgästen gehört, wieder Zeit in Klietz verbringen. Dass die Kinder und ihre Betreuer nun nicht kommen dürfen, bedeutet ein Minus von 7 000 Euro für das Schullandheim und somit die Gemeinde Klietz.

Ernüchternde Antwort vom Bildungsministerium

Die möchte deshalb gern Hilfe. Ratsmitglied Jens Meiering hat sich an das Land Sachsen-Anhalt gewandt mit der Bitte um Unterstützung. Denn kommunal betriebene Schullandheime sind von einer Corona-Hilfe, wie sie Gaststätten und Hotels erhalten, ausgeschlossen. „Da sich die Gemeinde in Haushaltskonsolidierung befindet, ist der nicht unerhebliche jährliche Zuschuss der Gemeinde nicht mehr zu stemmen. Zusätzlich wurden dieses Jahr durch die Corona-Pandemie die finanzielle Lücken erweitert. Da wir vor der Entscheidung beziehungsweise dem Zwang stehen, das Schullandheim aufgrund der finanziellen Lage zu schließen, bitte ich, uns als Gemeinde eine Lösung aufzuzeigen, um das Angebot für die Jugend des Landes Sachsen Anhalt aufrecht erhalten zu können“, hat er an das Bildungsministerium geschrieben.

Die Antwort ist ernüchternd, eine Lösung gibt es nicht: Es bestehe „Konsens darüber, dass sich die Schullandheime in Sachsen-Anhalt, somit auch das Schullandheim Klietz, in einer pandemiebedingt existenziell bedrohlichen Lage befinden. Es ist uns bewusst, dass die personellen und sächlichen Kosten des Betriebs des Schullandheimes Klietz stärker denn je, vor allem auch durch Ausfall der Einnahmen aus den Klassenfahrten, den Haushalt Ihrer Gemeinde belasten“, heißt es im Antwortschreiben. Die Schullandheime seien für das Land „wertvolle außerschulische Lernorte, die eine wichtige pädagogische Arbeit leisten und schulische Angebote erweitern“.

Nur Förderung von Projektarbeit

Aber Schullandheime seien keine schulischen Einrichtungen. „Eine Förderung, die eine Übernahme der Personalkosten aus dem Landeshaushalt einschließen würde, wird deshalb im Haushalt des Ministeriums für Bildung auch künftig keine Berücksichtigung finden. Seitens des Bildungsministeriums kann die Arbeit nur durch die Förderung von Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.“ Klietz erhält in diesem Haushaltsjahr für die Fortsetzung des Projekts „Auf den Spuren von Natura 2000“ 8 308 Euro, die noch nicht abgefordert sind.

Jens Meiering hat auch an den Landkreis Stendal geschrieben und um Hilfe gebeten, Antwort gab es noch nicht.