Klietz l Über die finanziellen Einbußen allein des bevorstehenden Wochenendes will Gastwirt Maik Kleinod gar nicht nachdenken. Mit jedem Tag, den der Land- gasthof am Klietzer See wegen der Corona-Vorschriften seit nunmehr 39 Tagen geschlossen bleiben muss, wächst das Minus. Vor allem die abgesagten Feiern an den Wochenenden bereits bis zum Herbst schmerzen. „Und wer weiß, wie es im Rest des Jahres weitergeht. Wir brauchen klare Ansagen von der Regierung. Jetzt! Das ist für uns und unsere Mitarbeiter und alle Gäste, die Urlaub und Feiern planen, wichtig. Mit dieser Ungewissheit kann es nicht weitergehen.“ Der Gastwirt ist bereit, alle Vorschriften einzuhalten. „Wir haben hier großzügig Platz, können den Mindestabstand zwischen den Tischen gut einhalten. Durch die beiden Türen kann man den Begegnungsverkehr vermeiden. Notfalls können sich die Besucher die Getränke selbst am Tresen holen, um den Kontakt mit dem Personal zu minimieren. Und das Essen könnte per Beistelltisch serviert werden.“ Für nicht praktikabel und akzeptabel hält er den von Wirtschaftsminister Willigmann erwähnten Vorschlag, vorerst auf den Ausschank von Alkohol zu verzichten. „Zum Essen gehören für die meisten Gäste nun mal ein Bier oder Alster sowie ein Glas Wein. Wenn das nicht möglich ist, dann kommen die Gäste doch erst gar nicht.“ Von diesem und auch anderen Gedankenzügen der Entscheidungsträger auch zu einer nur begrenzten Wiedereröffnung hält Maik Kleinod nichts. „Wir können den Betrieb nicht nur halb hochfahren. Das bringt unterm Strich gar nichts.“

Beschäftigung der fünf Lehrlinge

Zehn Vollzeitkräfte sowie geringfügig Angestellte, Aushilfen und fünf Azubis beschäftigt der „Seeblick“. Die meisten sind in Kurzarbeit. Aber der Hausmeister hat auf dem großen Areal weiterhin gut zu tun. Und ein paar wenige Zimmer sind mit Geschäftsreisenden belegt, zudem montags bis donnerstags von 17.30 bis 19.30 Uhr Außer-Haus-Verkauf. Und auch die fünf Lehrlinge wollen beschäftigt sein. Ihre Ausbildung vorübergehend zu unterbrechen, kam für Kleinods nicht in Frage. Gerade die drei aus Vietnam stammenden Auszubildenden hätten dann in der Luft gehangen. „Also bleiben sie hier, erledigen ihre Aufträge für die Berufsschule und sie unterstützen uns hier.“ Maik Kleinod nennt die Vorbereitung der erneuten Sterne-Klassifizierung als Drei-Sterne-S-Haus und die Überarbeitung der Info-Mappen auf den Zimmern, die nun wieder ganz aktuell und auch auf Englisch gedruckt sind als Beispiele. Auch er und seine Frau Kathrin beschäftigen sich täglich mit dem Marketing, lassen die Homepage überarbeiten, stellen neue Arrangements für die mehr zu erwartenden Inlandsurlauber zusammen, perfektionieren die Buchungsmöglichkeiten, die auch per Handy möglich werden sollen. Auch die alten Radwanderkarten und Info-Material haben sie zusammengestellt, um den Radfahrern etwas zur Hand zu geben, „das neue Radwegesystem ist ja leider noch nicht umgesetzt, also müssen wir uns selbst behelfen“.

Wirksame Lockerungen erfordert

Maik Kleinod würde sich wünschen, wenn es in Sachsen-Anhalt mit so wenigen Infizierten ganz spezifische Regelungen geben würde. „Gerade die Bewohner der Städte leiden unter der Situation. Warum sollen sie denn nicht zum Kurzurlaub hierher zu uns aufs Land kommen dürfen? Das tut ihnen in der psychisch angespannten Situation gut und uns natürlich auch. Man darf die Wirtschaft nicht ganz und gar krachen gehen lassen, es geht um unsere Existenzen! 2,4 Millionen Beschäftigte in ganz Deutschland gibt es in der Gastronomie. Das Kurzarbeitergeld reicht vorn und hinten nicht. Sie müssen endlich wieder arbeiten dürfen!“ Der Wirt erwartet vom Gaststättenverband oder von den Oppositionsparteien einen viel größeren Druck auf die Regierung, dass sie endlich wirksame Lockerungen durchsetzt und einen Fahrplan bekannt gibt. „Hier klingelt ständig das Telefon und die Gäste wollen wissen, wie es denn weitergeht und ob das im September geplante Klassentreffen oder die 80. Geburtstagsfeier im Juni denn stattfinden können. Wir müssen mit den Schultern zucken, weil wir ja auch nichts wissen.“

Kessel sind voller Bier

Auch die von Kleinods betriebene Schollener Brauerei wäre am vergangenen Wochenende mit dem Bockbier-Anstich in die Saison gestartet. Alle Kessel sind voll mit je 1000 Litern Bier. „Allzu lange können wir es nicht mehr lagern, dann müssen wir es wegschütten“, will Maik Kleinod an dieses Szenario nicht denken. Auch in Schollene hätten Familienfeiern und Führungen durch die Brauerei angestanden.

Mit Blick auf Himmelfahrt und Pfingsten hoffen Kleinods inständig auf durchgreifende Lockerungen auch für ihr Gewerbe. „Aber nicht nur diese Feiertage sind wichtig für uns, jeder einzelne Tag zählt!“