Schreiben an die Bundeskanzlerin

Mit einem erneuten Schreiben hat sich der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen an die Bundeskanzlerin gewandt. Darin wird darauf aufmerksam gemacht, dass tausenden Fitness-Anlagen in den nächsten Monaten die Insolvenz droht, weil es keine Planungssicherheit gibt, mit welchen Hygienemaßnahmen sie wieder öffnen können.

Die Betreiber würden gern alle Auflagen erfüllen, die das Kraft- und Herzkreislauf-Training in ihren Betrieben genauso sicher machen wie etwa das Einkaufen im Baumarkt- und Gartencenter. „Hier reichen offensichtlich ein Schild am Eingang und einige Klebestreifen auf dem Boden. Das ist leider für unsere Betriebe und die Studiomitglieder nicht nachvollziehbar und wird als Ungerechtigkeit empfunden.“

Mögliche Vorkehrungen zur Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen wären zum Beispiel das Sperren der Umkleiden, Duschen und Saunen, kontaktlose Zugangskontrollen und Hygienemaßnahmen.

„12 Millionen Menschen vermissen ihr Training für die mentale Stärkung und die Stärkung ihres Immunsystems. Es erleichtert das Alltagsleben und fördert die Gesundheit.“

Havelberg l Ob der Kraftsportler, der regelmäßig seine Muskeln trainiert, oder der Rentner, der einfach etwas für seine Gesundheit unternimmt: In den Sportstudios steht seit Beginn der Corona-Beschränkungen das Leben still und die Nutzer hoffen ebenso wie die Betreiber, dass die Studios endlich wieder öffnen dürfen. „Ich schraub auch jedes zweite Polster ab“, macht Michael Möhring aufmerksam, dass er alles unternehmen würde, um sein Gesundheits- und Freizeitstudio endlich wieder für alle, die dort Sport treiben wollen, öffnen zu dürfen. „Körperlich geht es mir gut, aber psychisch belastet diese Situation sehr“, sagt der Havelberger. Kunden rufen immer mal wieder an, fragen, wann sie wieder zum Sport kommen können. „Auch mein ältester Kunde vermisst mit seinen 82 Jahren den Sport hier sehr, inzwischen tut ihm der Rücken weh.“

Gedanken gemacht darüber, wie eine Öffnung der Sportstudios wieder erfolgen kann, hat sich Michael Möhring ebenso wie seine Kollegen bundesweit. Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen hat sich erneut an die Bundeskanzlerin mit einem Schreiben gewandt, um auf die Situation der Betreiber aufmerksam zu machen. Der Havelberger will sich mit Kollegen außerdem an den Ministerpräsidenten und Sportminister wenden. „Ich hoffe sehr, dass wir nach dem 4. Mai wieder öffnen dürfen. Unter Auflagen natürlich.“ Möglich wäre zum Beispiel, jedes zweite Gerät still zu legen und feste Trainingszeiten zu vergeben. „Desinfektionsmittel habe ich ausreichend gekauft, damit die Geräte stets gesäubert werden können“, sagt Michael Möhring.

„Uns geht es ähnlich wie dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Die laufenden Kosten bleiben, es gibt aber keine Einnahmen.“ Froh ist er, dass die festen Kunden nicht gleich ihr Geld zurück haben wollten. Es gab schon eine Anfrage, wie das mit dem Monatsbeitrag ist. Je länger die Schließung dauert, desto mehr Fragen wird es aber dazu geben. Und: Ein Drittel des Umsatzes läuft über den Tresen, also den Verkauf von Getränken und Nahrungsergänzungsmitteln.

Bilder

Michael Möhring hat die Zeit jetzt genutzt, um die ursprünglich für Juli geplante Renovierung vorzuziehen. Am 5. August besteht das Gesundheits- und Freizeitstudio seit 25 Jahren. Ob die Feier wie vorgesehen stattfinden kann, ist noch nicht klar. Aber zumindest malermäßig ist alles schon schick. Auch die Sportgeräte wurden intensiv gereinigt. „Man sucht sich ja ständig was zum Arbeiten. Nur zum Training bin ich nicht gekommen.“

Der Havelberger hatte vor 25 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ich treibe seit meiner Kindheit Sport. Ich habe Gewichte gehoben, der Eisensport gefällt mir. Nach der Wende war ich dann auf Montage und habe Fitnessstudios besucht. Da entwickelte ich die Idee, mich selbständig zu machen.“

Kein Training der Tanzgruppe

Das war nicht leicht, als exotisches Unternehmen wurde er viel belächelt und auch die Finanzierung war schwierig. Doch das Studio entwickelte sich gut. Dann mussten Michael Möhring und seine Frau Regina vor zehn Jahren das verheerende Feuer in ihrem Wohn- und Geschäftshaus verkraften. Doch da ging es nach vier Wochen Schließzeit wenigstens in einem Ersatzstudio weiter, bis das Haus wieder aufgebaut war. „Wir sind ein Kommunikationspunkt, wo sich Leute gern treffen und gemeinsam Sport treiben“, berichtet Michael Möhring etwa von Senioren und Hausfrauen, die vormittags trainieren. „Das ist alles sehr familiär geworden. Es gibt dann auch Weihnachts- oder Frauentagsfeiern.“

Ihr Training vermissen auch die Mädels der Havelberger Tanzgruppe Arabeske, die im Gesundheits- und Freizeitstudio seit langem ihren Übungsraum haben. An drei Tagen in der Woche trainieren die unterschiedlichen Altersgruppen.

„Es sind immerhin zwölf Millionen Menschen, die in Sportstudios trainieren“, gibt Michael Möhring zu bedenken und hofft auf eine Wiedereröffnung. Immerhin hat Gesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende schon mal gegenüber signalisiert, dass, wer sich beim Sport im Fitnessstudio fit hält, das auch tun können.