Klietz l Waren es bislang Märchen, die er in seinem zweiten Zuhause Äthiopien zusammengetragen hat, die Geschichte des Kaffees oder Wissenswertes über das Naturvolk der Afar und das fruchtbare Südland, so hat der Klietzer nun 30 erotische und amüsante, aber auch erschütternde Geschichten aufgeschrieben. Es geht um Liebe, Sex und Zuneigung, sie sind aber auch ein Zeitzeugnis. Dieter Wartenberg: „Liebe ist in allen Ländern gleich, auch wenn die Umstände unterschiedlich sind. Und von der Zeit geprägt: Früher war Abtreibung kriminell; ein Kind vor der Ehe zu bekommen, unmoralisch.“

Selbst erlebt oder zugetragen

Es sind Geschichten, die Dieter Wartenberg selbst erlebt hat oder die ihm zugetragen worden sind. Da geht es beispielsweise um den „Tanz der Hormone“ während des Krieges und auf der Flucht – er selbst musste einst aus Tschechien fliehen. Erlebnisse aus seiner Studienzeit in Deutschland und auch während seines langjährigen Aufenthaltes in Äthiopien, wo der Professor unter anderem als Lehrer an der Universität in Addis Abeba gearbeitet hat, sind ebenfalls niedergeschrieben. Mit jetzt über 80 Jahren kann er so manche Begebenheit anders beurteilen. „Und mit der Veröffentlichung musste ich auch warten, bis die Menschen, über die sich schreibe, das Zeitliche gesegnet haben. Denn es bestünde die Möglichkeit, dass sie sich wiedererkennen.“ So geht es beispielsweise um die Liebe zwischen zwei Äthiopiern. Nach einem Auslandsstudium, während dem sich der junge Mann weit weg von seiner Frau sexuell ausgelebt hat, kehrt es zurück, zeugt zwölf Kinder mit seiner Frau, ist ihnen ein guter Vater – auch wenn er weiterhin nicht auf das sexuelle Abenteuer verzichtet.

Und so beginnt die Geschichte „Der Blumenpflücker“: Rainer war ohne Zweifel der Sonnyboy unserer Studentengruppe. Er liebte die Mädchen wie Blumen; an jeder Art entdeckte er sofort die schönste Eigenschaft. Und er pflückte sie. Abends spielte er vor dem Studentenheim Akkordeon, sang mit Hingabe einen Schmachtfetzen nach dem anderen, und die Mädchen waren verloren. Mit vor Gklück verdrehten Augen gab sie sich ihm hin...

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Hilfsprojekte in Äthiopien

Seit Dieter Wartenberg mit Mitte 70 seine berufliche Tätigkeit in Afrika beendet hat, reist der verheiratete Vater von zwei Kindern, vier Enkeln und zwei Urenkeln immer wieder nach Äthiopien, um mit Spenden und eigenem Geld zu helfen – den Menschen in der Afar-Region im Norden des Landes und seiner Schule, die er aufgebaut hat und immer wieder mit Möbeln und Material ausstattet. Mit seinen Büchern verdient er allerdings kein Geld, die Ausgaben für den Druck sind größer als die Einnahmen. Dennoch hat er Freude am Schreiben. Zu seinen neun Werken kommen 35 wissenschaftliche Bücher und 16 Lehrbücher hinzu, die er während seiner Berufszeit verfasst hat.

Ende 2018 zuletzt in Äthiopien, gibt es für die nächste Reise noch keinen Termin. „Statt zweimal werde ich nur noch einmal pro Jahr rüberfliegen. Denn in meinem Alter ist so eine Tour doch anstrengend.“

Lesungen führt Dieter Wartenberg am 14. März ab 17 Uhr in der Stendaler Bücherei Genz durch, am 16. März ab 19 Uhr in Kremkau beim Block-Verlag und am 27. April ab 17 Uhr in der Tangermünder Salzkirche.