Heimatstube

Ein Blick in die Nitzower Dorfgeschichte

Ein richtiges kleines Museum ist die Heimatstube im Nitzower Dorfgemeinschaftshaus. Ortsbürgermeister Karsten Grey hat für die Volksstimme die Tür aufgeschlossen.

Von Dieter Haase

Nitzow. Viele Jahre lang hat sich Brigitte Hoffmann ehrenamtlich um das Dorfmuseum, als das man die Nitzower Heimatstube durchaus bezeichnen kann, gekümmert. Seitdem sie das dann aus den verschiedensten Gründen nicht mehr konnte, ist der Ausstellungsraum verschlossen. Und das nun auch mittlerweile über viele Jahre. Ortsbürgermeister Karsten Grey ist im Besitz des Schlüssels für das Dorfmuseum. Für den Besuch der Volksstimme hat er es vor einigen Tagen aufgeschlossen, um einmal zu zeigen, was es hier Interessantes bei einem Blick auf das vergangene dörfliche Leben zu entdecken gibt.

Unterricht für vier Klassenstufen

Karsten Grey weiß eine ganze Menge von dem zu berichten, was sich in den vergangenen über 50 Jahren so alles in Nitzow zugetragen hat. Denn, in Havelberg geboren, zog seine Familie 1968 nach Dahlen und der kleine Karsten musste dann von der 1. bis zur 4. Klasse in Nitzow zur Schule gehen. Denn im Haveldorf befand sich die „Teiloberschule Nitzow, Kreis Havelberg“, kurz TOS genannt. Diese gehörte zur damaligen Havelberger Stadtschule. Ein Teil der Klassenräume befand sich im heutigen Dorfgemeinschaftshaus, unter anderem auch dort, wo jetzt die Heimatstube untergebracht ist. „Auch ich hatte hier einmal Unterricht“, erinnert sich der heutige Ortsbürgermeister. Ab der 5. Klasse mussten dann alle Schüler zur Havelberger Stadtschule gehen. Karsten Grey kann eine ganze Menge davon erzählen. Und auch in der Heimatstube ist einiges darüber zu erfahren.

Betreuer/in dringend gesucht

Bei den Exponaten im kleinen Dorfmuseum handelt es sich zum überwiegenden Teil um Dauerleihgaben von Nitzower Bürgern. Von ehemaligen und von aktuellen Dorfbewohnern. „Ohne diese lobenswerte Unterstützung wäre die Einrichtung der geschichtsträchtigen Heimatstube hier überhaupt nicht möglich gewesen“, freut sich Karsten Grey noch heute. Und er wünscht sich, dass dieses Kleinod im Dorfgemeinschaftshaus noch möglichst lange erhalten und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Weshalb er auch seit einiger Zeit auf der Suche nach einem ehrenamtlichen Betreuer beziehungsweise einer ehrenamtlichen Betreuerin ist. „Aber ich bin gerade in Gesprächen, und ich kann schon mal verraten, dass ich wirklich mit Optimismus in die Zukunft der Heimatstube blicke.“

Utensilien aus der Backstube

Denn die Ausstellung ist absolut sehenswert und das nicht nur für ältere Menschen, bei denen beim Betrachten der Exponate sicherlich so manche Erinnerungen wach werden dürften. Jüngere dagegen staunen sicherlich über all das, was Nitzow einst so alles zu bieten hatte. Zum Beispiel eine eigene Backstube. „Der ortsansässige Bäcker Göttling bewirtschaftete sie und erfreute sich stets eines großen Kundenandrangs“, so Karsten Grey. In der Heimatstube sind noch so manche Handwerkszeuge aus der Bäckerei zu finden. Darunter ein großer Brötchenschieber und ein großer Brotschieber sowie viele andere kleine Dinge. Nitzower haben auch die unterschiedlichsten hauswirtschaftlichen Geräte und Utensilien zur Ausstellung beigesteuert, wie sie gegenwärtig kaum noch zu finden sind

Ein Name fällt auf: Haseloff

Auch die Namen der bisherigen Bürgermeister der Gemeinde, soweit bekannt, der Pastoren und der Lehrer der TOS Nitzow sind auf Tafeln aufgelistet. Bei letzteren fällt ein Name besonders auf: nämlich der von Herrn Haseloff. Über eine Verwandtschaft zum aktuellen Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt ist allerdings nichts bekannt. „Ich jedenfalls habe den Herrn Haseloff in meiner Schulzeit nicht kennengelernt“, erzählt Karsten Grey.

Ein Schuster war hier tätig

In dieser Ecke der Ausstellung ist auch so manches alte handwerkliche Werkzeug zu finden. Aber auch andernorts im Raum. So befanden sich in Nitzow zum Beispiel früher auch einmal eine Schmiede, die Schusterwerkstatt Neumann, ein Konsum und ein weiterer Gasthof. Außerdem konnten sich die Einwohner in einer Friseurstube die Haare schneiden lassen. Heute ist dafür der Weg nach Havelberg oder in andere Orte unumgänglich.

Standesamt Nitzow schloss Ehen

An den Kindergarten wird erinnert - mit einer Fotocollage zu „50 Jahre Kindergarten“ im Jahr 1999 - und auch an die Kinderkrippe, die sich an einem anderen Standort als der Kindergarten befand. Nicht zuletzt ist auf einem Blechschild auch vom „Standesamt Nitzow, Kreis Westprignitz“ zu lesen. Ebenfalls Beachtung findet das KZ-Außenlager. Etwas jüngeren Datums sind die Festschrift zu 100 Jahre Feuerwehr und eine von Foto-Bülow in Havelberg herausgegebene bunte Ansichtskarte, auf der das Dorfgemeinschaftshaus, ein Blick zur Kirche, das Feuerwehrgerätehaus, der Havelstrand und die Bootsanlegestelle abgebildet sind. „Ich wüsste nicht, ob es diese Karte heute noch irgendwo zu kaufen gibt“, überlegt der Ortsbürgermeister. Für die Heimatstube aber sind noch einige davon gesichert worden.

Vereine stellen Pokale aus

Aber natürlich gibt es noch vieles mehr zu entdecken, zum Beispiel den Miniatur-Nachbau von zwei Nitzower Gehöften oder eine alte Rübenpresse sowie von den ortsansässigen Vereinen in vielen Ja<hren gewonnene Pokale. Letztere Dinge sind im oberen Bereich des Dorfgemeinschaftshauses neben dem Eingang zur Heimatstube ausgestellt.

Ortsbürgermeister schließt auf

Wer das alles selbst einmal in Augenschein nehmen möchte, sollte sich an den Ortsbürgermeister wenden, der das kleine Museum für Interessenten gerne aufschließt. Denn Öffnungszeiten für dieses gibt es nicht. Vielleicht könnten solche eingerichtet werden, wenn sich eine Betreuung für die geschichtsträchtige Einrichtung findet.