Beginen oder Beguinen?

Beginen oder Beguinen – beides ist richtig. Wichtig ist die Aussprache: Beginen. Um dies zu verdeutlichen, plädiert zum Beispiel Museologin Antje Reichel für die Schreibweise ohne „u“.

In Havelberg gibt es das Beguinenhaus auf dem Salzmarkt und in Sandau die Beguinenstraße in diesen Schreibweisen. Möglicherweise setzt sich irgendwann die ursprüngliche Schreibweise durch?

In Deutschland gibt es den Dachverband der Beginen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wissenschaft und Forschung zur historischen und modernen Beginenkultur zu fördern und selbst zu betreiben.

Zur Geschichte der Beginen ist auf der Internetseite zu lesen: Die Beginen waren selbstständige Frauen, die seit dem Mittelalter in großen oder kleinen Zusammenschlüssen, in Konventen oder Höfen, lebten. Ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangten sie durch Stiftungen, das Einbringen ihrer Besitztümer, ihrer erlernten Fähigkeiten und durch ihre Arbeit.

Beginen waren in ganz Europa verbreitet, allein in Deutschland gibt es noch in über 600 Städten Archiv-Materialien über Beginen.

Die Anfänge des Beginentums lagen in den Niederlanden (die damals nicht getrennt waren in Belgien, Niederrhein und den heutigen Niederlanden), wo Frauen sich zusammenschlossen, um außerhalb von Klostermauern ein geistliches und tätiges Leben zu gestalten. Im Gegensatz zu Nonnen legten Beginen ein „Versprechen“ und kein Gelübde ab.

Zur Hosptalkapelle St. Spiritus (Heiliggeistkapelle) in Havelberg schrieb Antje Reichel im Buch „Havelberg – Kleine Stadt mit großer Vergangenheit“ u.a.: Über mehrere Jahrhunderte diente die Kapelle als Gotteshaus des Beginenhospitals. Beginen waren Bürgerwitwen oder -töchter, die sich in einer klosterähnlichen Gemeinschaft zusammenfanden; zur eigenen sozialen Versorgung und zu Werken christlicher Nächstenliebe. Sie beschäftigten sich hauptsächlich mit Krankenpflege, Gebet, Handarbeit und Leichenbesorgung.

Als Einrichtung zur Versorgung von Bürgerwitwen bestand das Beginenhaus noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts

Havelberg l Die Anstrengungen haben sich gelohnt! Das war am Sonntag zur Einweihung des Beginengartens von den Besuchern zu hören, die die Einladung in den Garten gern angenommen haben. Im Rahmen von „Kunst im Gartensommer“ hießen Daniela und Oliver Süßmann in dem Kleinod, das von der Uferstraße aus zu erreichen ist, willkommen.

„Das ist hier sehr schön geworden. Zum Glück ist jetzt wieder ein Schandfleck verschwunden. Das war ja hier alles ungepflegt. Schön zu sehen, was man aus so einem Stück Land machen kann“, sagte zum Beispiel Erna Möbius. Und Klaus Müller: „Dem kann ich nur zustimmen. Süßmanns haben gezeigt, dass man aus einer Wüste was Grünes machen kann.“ Schattige Plätze hatten sich die Nachbarn und weitere Gäste in dem Garten gesucht, um die Idylle zu genießen. Das sollte auch so sein. Vögel zwitscherten, im Brunnen plätscherte das Wasser. Zudem erklangen am Nachmittag Harfen-, Flöten- und Fidelklänge von Fidel, dem Querstreicher, und Leana, der Weltengereisten.

Süßmanns haben das Grundstück gekauft, weil es am Beginenhaus auf dem Salzmarkt nicht viel Freifläche gibt und sie gern einen Garten zum Aufhalten haben möchten. Deshalb nahmen sie sich der Aufgabe an und machten das Gelände ab Januar zunächst urbar. „Das war eine riesige Unkrautwüste. Goldrute und Brombeeren wucherten überall. Noch heute kommen immer mal wieder Ableger raus“, erzählt Daniela Süßmann, die als Freiraumplanerin aus Magdeburg durch die Buga auf Havelberg aufmerksam geworden ist.

Fotos im Eingangsbereich des Gartens zeugen von den vielen Arbeiten, die erforderlich waren, bis die Beete und Wege angelegt waren. Dass das Areal zum einstigen Beginengarten gehörte, zeigen alte Karten im Prignitz-Museum. Wie der Garten tatsächlich angelegt war, ist leider nicht bekannt. Deshalb wurde angelehnt an historische Gärten die Gestaltung vorgenommen. Kleine Kreuzwege, wie sie Beginen zur Meditation nutzten, gehören ebenso dazu wie Lavendel als alte und für seine reinigende Wirkung bekannte Pflanze. Bei den Blumen wurde darauf geachtet, dass sie schmetterlings- und bienenfreundlich sind. Damit nichts versiegelt wird, erhielten die Wege eine wassergebundene Decke.

Der Garten gehört zu den Schaugärten „Natur im Garten“ der Gartenakademie Sachsen-Anhalt. Süßmanns wollen auch künftig in ihre kleine Oase an der Havel einladen. Damit die Gäste so wie am Sonntag bei Kräuter- und Erdbeerbowle, Kuchen und Häppchen dort gemütliche Stunden genießen können. Auch in das Beginenhaus, dessen historischen Charakter sie mit der Einrichtung beibehalten, laden sie von Zeit zu Zeit ein. Und sie wollen über die Geschichte der Beginen mehr erfahren. In Belgien, wo es noch heute Beginenhöfe gibt, gingen sie bereits auf Spurensuche.