Havelberg l Einen Bioladen gibt es schon eine ganze Weile nicht mehr in Havelberg – sehr zum Bedauern von Einwohnern, die es geschätzt haben, Bioprodukte kaufen zu können. Nun gibt es noch den Frischemarkt jeden Freitag, auf dem Kunden regional produzierte Lebensmittel kaufen können. Doch würde sich mancher wünschen, noch mehr biologisch und am besten auch noch in der Nähe produzierte Lebensmittel erhalten zu können. So auch Ute Schröter und Henrik Hempelmann aus der D8, Gundula Kersten und Norbert Kühnel aus der D7 sowie Carola Zaremba. Diese fünf setzten sich zusammen und überlegten, wie sich eine Einkaufsgemeinschaft gründen ließe. Ihre Gedanken stellten sie am Mittwochabend bei einem Treffen in der Domkurie D8 vor.

Für einen klassischen Bioladen mit frischem Obst und Gemüse und diversen anderen Bio-Produkten ist Havelberg zu klein. Doch über eine Einkaufsgemeinschaft ließen sich solche Lebensmittel möglicherweise beziehen, sind die Gedanken der Initiatoren. „Klar haben auch Supermärkte Bioprodukte im Angebot, doch sind unsere Überlegungen, wie wir an Produkte, die noch näher aus der Region sind, gelangen können. Wir haben doch viele Bauern direkt um die Ecke“, erklärte Henrik Hempelmann. Er hat Erfahrungen mit einer Einkaufsgemeinschaft in Berlin. Zudem nutzen die fünf bereits die „Gemüsekiste“ des Biobauern Frank Wesemann aus Barenthin, wo sie wöchentlich Obst und Gemüse geliefert bekommen.

Aber es geht um mehr. Zum Beispiel, gemeinsam etwa Mehl, Reis, Nudeln, Brot und Milchprodukte aus biologischem Anbau zu bestellen, um nicht so weit fahren zu müssen und gute Preise bei Landwirten und beim Bio-Großhandel aushandeln zu können. Dafür wäre es möglich, dass an einem Tag in der Woche die Waren in der Domkurie D8 abgeholt werden könnten. An einen großen Warenbestand ist zunächst nicht gedacht, das sei finanziell schwierig.

Jeder könnte sich einbringen

Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, den ohnehin schon vom Verein „denkMal und Leben“ in der Domkurie D8 betriebenen Regionalladen im Domcafé zumindest teilweise durch haltbare Lebensmittel zu erweitern, sagte Henrik Hempelmann. Schon jetzt gibt es dort regionale Produkte zu kaufen. Zunächst ist es aber so, dass der Verein nicht in die mögliche Einkaufsgemeinschaft mit dem Namen FoodCoop involviert ist. Er würde aber Räumlichkeiten zur Abholung zur Verfügung stellen können. Wie sich das entwickelt, würde die Zeit zeigen. In die Organisation der Gemeinschaft sollte sich jeder etwa bei Bestellung, Verteilung oder Finanzabrechnung einbringen.

In der Diskussion zeigten sich viele der rund 20 Gäste vor allem an einem Bioladen interessiert, in dem es bestimmte Grundbedarfe zu kaufen gibt. Aber auch ein Bestellsystem können sich viele vorstellen, wobei es dafür noch einige Dinge zu klären gibt. Gut wäre zum Beispiel ein fester Tag in der Woche, an dem man seine Bestellungen abgeben könnte, schlug Evelin Köhnke vor – und dachte dabei an Leute, die nicht gern per E-Mail oder Internet Bestellungen vornehmen wollen. Die Mehrheit gab zu bedenken, eher keine Zeit dafür zu haben, sich tatkräftig in die Gemeinschaft einzubringen, sondern würde lieber einen Obolus für jemanden bezahlen, der das alles übernimmt.

Noch steckt FoodCoop in den Kinderschuhen und es gibt noch einiges zu klären. Sehr erfreut waren die Initiatoren schon mal angesichts des großen Interesses auf den ersten Aufruf. Weil viele sich für die Gemüsekisten interessierten, ging bereits eine Liste für eine Bestellung herum. Voraussichtlich am nächsten Dienstag soll die erste „Großlieferung“ ankommen. Auch Bestellungen bei einem Bio-Bäcker aus Rohrlack sind angedacht. Ein Anfang ist gemacht.

Interessant wäre es für FoodCoop zu erfahren, woran die Einwohner aus Havelberg und der Region Interesse hätten, sagte Norbert Kühnel. Einige Ideen wurden am Mittwochabend genannt, weiteres kann am besten per E-Mail an Foodcoop@domherrn8.de geschickt werden. Ein Angebot ins Netz zu stellen, sei dagegen schwierig, sagte Henrik Hempelmann, weil nicht jeder Anbieter seine Preise im Internet veröffentlichen will.