Havelberg l Mit einem auf 128,9 Millionen Euro angewachsenen Etat für die Kultur ist Sachsen-Anhalt gut aufgestellt, erklärte der Staatssekretär für Kultur Gunnar Schellenberger beim Neujahrsempfang am Sonnabend im Havelberger Rathaus. Der CDU-Politiker hielt dieses Mal die Festrede beim traditionellen Empfang, zu dem der Ortsverband der CDU zusammen mit dem Kreisverband der CDU Stendal alljährlich in der Hansestadt willkommen heißt.

Als Wiege der Kultur bezeichnete Gunnar Schellenberger Sachsen-Anhalt. Ursprungsland der Reformation und 100 Jahre Bauhaus gehören genauso dazu wie etwa die Himmelsscheibe von Nebra und die fünf Unesco-Weltkulturerbestätten, die es im Land gibt. „Wir wollen unsere kulturelle Landschaft stärken“, gab er als Ziel aus und berichtete, dass sich Sachsen-Anhalt künftig als Weltkulturerbeland nach außen verkaufen will.

Die Perlen zu zeigen, die es in der Region gibt und, vor allem, sich selbst ihrer bewusst zu sein, sei wichtig. Man sollte im Leben den Eiffelturm, die Freiheitsstatue und Stonehenge gesehen haben. „Dann sind wir aber schon in Sachsen-Anhalt. Das ist die Philosophie, die wir haben sollten.“ Zu den Perlen des Landes zählt Gunnar Schellenberger auch Havelberg als Wiege der Prignitz. Allein die Fahrt in die Stadt vom Süden aus über die Brücke mit der wunderbaren Silhouette sei eine Reise wert. „Wenn das die Chinesen wüssten – Sie würden sie gar nicht alle unterbekommen.“

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Idee Bernsteinfestival

Über Gelder aus dem Kultur­etat des Landes können sich in diesem Jahr im Landkreis Stendal zum Beispiel die Kirchen in Sandau, Werben, Räbel und Seehausen freuen. Auch dem Theater der Altmark stehe eine ordentliche Finanzausstattung zur Verfügung. Der neu abgeschlossene Vertrag sieht eine Erhöhung der Grundfinanzierung um fünf Prozent vor und ein Plus von vier Prozent für die Dynamisierung bei den Gehältern.

70 Prozent der Touristen kommen wegen der Kultur nach Sachsen-Anhalt. Die Altmark und Havelberg in der Prignitz seien reich ausgestattet mit Kulturdenkmälern. Als Beispiel nannte der Staatssekretär die Straße der Romanik, die 2018 auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblickte. 1,6 bis 1,7 Millionen Besucher lockt allein sie an.

Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski (parteilos) hört die frohe Botschaft von der guten Finanzausstattung für die Kultur gern, wie er auf Volksstimme-Nachfrage sagte. Für den geplanten Kunstcampus und Kunst und Kultur in Gärten angesichts der Mini-Buga im Sommer 2019 würde er sich über Unterstützung freuen, um Künstler verpflichten zu können, die als Zugpferde Besucher in die Region locken. Im Blick hat er auch das Jubiläum zu 850 Jahren Domweihe im Jahr 2020. „Und wir haben die Idee eines Bernsteinfestivals, das wir angesichts des Treffens von Zar Peter I. mit dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. 1717 in Havelberg mit der Übergabe des Bernsteinzimmers initiieren könnten, nie ganz aufgegeben. Wir befinden uns immer noch in Gesprächen, um das vielleicht in zwei, drei Jahren konkreter werden zu lassen. Mit der Staatskanzlei überlegen wir, welche Möglichkeiten es gibt, dafür Partner aus Russland zu gewinnen.“

Der Vorsitzende des Ortsverbandes der CDU Wolfgang Schürmann hatte die Gäste, zu denen unter anderem der Bundestagsabgeordnete Eckhard Gnodtke, Landrat Carsten Wulfänger (beide CDU), Havelberger Stadträte sowie Vertreter aus Vereinen und Firmen gehörten, im Ratssaal begrüßt. Neben seinen Wünschen für ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr stellte er den Wunsch nach Frieden auf der Welt als wichtigstes Ziel in den Mittelpunkt.

Der Vorsitzende der Kreis-CDU, Landtagsabgeordneter Chris Schulenburg aus Sandau, der in Havelberg als „Kulturhauptstadt des Nordens“ willkommen hieß, blickte auf das Wahljahr 2019 voraus, das mit der Europa- und der Kommunalwahl am 26. Mai sowie der Landratswahl zum Ende des Jahres aufwartet. Er appellierte, der AfD keine Stimme zu geben, andernfalls würde der Frieden in Europa gefährdet.

Viele Lehrstellen vorhanden

Rückblickend auf 2018 sprach er von Natura 2000. Er sei froh, dass die Evaluierungsklausel in der am 20. Dezember verabschiedeten Landesverordnung enthalten ist, so dass sie kein starres Gerüst sei. Er könne die Landwirte verstehen, die angekündigt haben, dagegen zu klagen. „Es ist ihr gutes Recht, dass sie sich dagegen wehren.“

Mit Blick auf die Landratswahl sagte Chris Schulenburg, dass die Nominierung von Amtsinhaber Carsten Wulfänger aus Sicht des Kreisverbandes der CDU ein Selbstläufer sei und er sich der Unterstützung sicher sein könne.

Der Landrat ging in seiner Rede als Erstes auf den Bau der A14 ein, für dessen Teilstück Lüderitz – Stendal er hofft, dass die Baugenehmigung bald erteilt wird. „Auf jeden Fall ist die A14 nun im Landkreis Stendal angekommen“, verwies er auf den im Bau befindlichen Abschnitt zwischen Colbitz und Lüderitz. Für den Bereich Stendal – Osterburg gebe es bereits Baurecht. Schnelles Internet durch den Zweckverband Breitband Altmark, weiterhin bezahlbare Abfallgebühren mit 30 bis 40 Euro pro Person und Jahr im Landkreis, der Hitzesommer 2018 mit Problemen, die jeder Betrieb dadurch gehabt habe, und Einsätzen für fast alle Feuerwehren durch 150 zusätzliche Brände sprach er ebenso an wie Natura 2000 und das Thema Rückkehrer. Zur Ausweisung der europäischen Schutzgebiete sagte er, dass er bis heute nicht nachvollziehen könne, weshalb Menschen plötzlich aus Bereichen der Elbe ausgesperrt werden sollen. Dass Angler Vogelnester zertreten könnten, sei keine vernünftige Begründung.

Zum Thema Rückkehrer machte er deutlich, dass der Rückkehrertag zum Jahreswechsel allein nicht ausreicht. Wir müssen diesen Menschen zeigen, dass wir immer für sie da sind, und den Leuten hier, dass sie nicht mehr wegziehen müssen, wenn sie eine Lehrstelle suchen. Wir haben pro Jahr rund 850 Geburten und um die 1000 Lehrstellen.“