Morgen wird die neue Halle eingeweiht

Nach anderthalb Jahren Bauzeit wird am morgigen Freitag die neue Sporthalle feierlich eingeweiht. Zu 11 Uhr sind geladene Gäste, die allesamt theoretisch und praktisch am Bau beteiligt waren, geladen. Es gibt ein kleines sportliches Programm. Und der symbolische Schlüssel wird der Gemeinde übergeben. Ab 13 Uhr sind dann alle willkommen, die sich die Halle ansehen wollen. Es gibt bis etwa 18 Uhr Führungen und die Sektionen des SV Preußen stellen sich vor. Ab 19 Uhr findet dann ein öffentliches Training der Preußen-Handballer statt.

Schönhausen l Und schön war sie doch! Auch wenn die alte Schönhauser Turnhalle an der damaligen Schule längst in die Jahre gekommen war, die Flut ihr dann den Rest gab und sie abgerissen werden musste, bleiben doch schöne Erinnerungen zurück. Daran denkt man vielleicht auch am 17. Mai, wenn der Ersatzneubau eingeweiht wird.

Mindestens genau stolz und in freudiger Erwartung wie jetzt die Preußen-Sportler vor dem morgigen Tag waren 1978 die Schüler der Hans-Beimler-Oberschule, als sie ihre neue Halle einweihten. „Wir waren so glücklich!“ erinnern sich die ehemaligen Sportlehrer. Edith Leipold, Bärbel Sprenger, Gabi und Friedegard Bos und Rudi Marin (Berbel Wischer gehört auch noch dazu) trafen sich auf Bitten der Volksstimme zur Plauderrunde über die alte Halle, deren Ära mit dem Neubau nun endgültig zu Ende geht.

Fürchterliche Zustände

Mit der Turnhalle waren die Zeiten des Sportunterrichts in der Scheune in der Schulstraße vorbei. „Die Bedingungen waren wirklich fürchterlich. Am Holzfußboden haben sich die Schüler Splitter eingerissen, der Kanonenofen glühte und kalt war es trotzdem, es regnete durch und es gab keine Toilette.“ Die Schule brauchte dringend eine richtige Halle! Edith Leipolds Mann Johannes war technischer Leiter bei Thermoplast, kam viel rum in der Republik und hörte von einer Halle, die Schönhausen haben könnte. Schnell wurde Bürgermeister Karl Rockhausen informiert und die Beschaffung geregelt.

Bilder

Unter Federführung von Lehrer Wolfgang Rehfeld begannen die Vorbereitungen. In Feierabendarbeit wurden 1977 die Fundamente hinter dem Neubau der Schule im etwas tiefer gelegenen Wiesengrund angelegt, dann kam die Halle. Und wurde bestens ausgestattet. „Wie im Schlaraffenland“, erinnert sich Gabriele Bos an all die neuen Sportgeräte. „Und wir hatten nun keine langen Wege mehr durchs Dorf, es gab Toiletten, Umkleideräume und Duschen.“ Für die zeitweise bis zu 750 Schüler boten sich beste Bedingungen. Nach Schulschluss gab es dann noch Arbeitsgemeinschaften: Handball, Volkstanz, Akrobatik, Leichtathletik, Tischtennis und Gymnastik. Einige Mannschaften waren sehr erfolgreich, vertraten wie beispielsweise die Handballer die Schönhauser Schule auch überregional. Und auch die von Gabriele und Friedegard trainierten Gymnastinnen machten von sich Reden. Bei der Bezirksspartakiade wurden sie 1982 mit dem Prädikat „sehr gut“ und 1984 mit „ausgezeichnet“ belohnt. Und sie schaffen es tatsächlich, sich für das Turn- und Sportfest der DDR 1987 in Leipzig zu qualifizieren – die Teilnahme bleibt für alle ein unvergessliches Erlebnis!

Nur noch zum Laufen in den Park

Wenn alle Schüler der 1. bis 10. Klassen den Schulhof am Nachmittag verlassen hatten, wurde die Halle noch nicht abgeschlossen. Dann trainierten die Traktor-Sportler (heute Preußen): Volleyball, Fußball, Handball, Tischtennis. Nach der Wende kam dann noch Kirchensport und Judo dazu.

Zur Halle gehörte auch ein Sportplatz, der angelegt wurde. Denn die Bedingungen im Park waren bis dato mit einer alten Weitsprunggrube oder der Sprintstrecke über die Parkwege nicht gerade ideal, nur zum Ausdauerlauf ging es fortan noch dorthin. Ansonsten bot der Sportplatz alles, war im Unterricht trainiert werden musste – auch genug Platz für Schlagballweitwurf oder Kugelstoßen. Die 100-Meter Bahn führte vom einen zum anderen Ende des Platzes.

Erinnerungen werden verblassen

Beim Blättern in Chroniken mit vielen Bildern schwelgen die Sportlehrer in Erinnerungen. „Wir waren ein tolles Team“, sagt Rudi Marin, der auch Geschichte unterrichtete. 1969 war er nach Schönhausen gekommen, 1995 wechselte er zum Gymnasium nach Tangermünde, seit 2002 ist er in Rente.

Edith Leipold war schon ein Jahr eher aus dem Kreis Oschatz nach Schönhausen gewechselt – ihr Mann hatte bei Thermoplast Arbeit bekommen. Sie unterrichtete neben Sport noch Deutsch.

Bärbel Sprenger ist im Südharz beheimatet, kommt 1963 zum Praktikum in den Kreis Havelberg, lernt hier ihren Mann kennen, bleibt. 1991 wechselt sie an die Wuster Schule, wo sie 2004 in den Ruhestand verabschiedet wird.

Friedegard Bos folgte 1970 ihrem Ehemann Eckhard an die Schönhauser Schule. 1991 übernahm sie die Leitung des Schönhauser Gymnasiums und wechselte mit der Schließung nach Stendal, um das Hildebrand-Gymnasium bis zur Rente zu leiten.

Gabriele Bos wollte als Schönhauser Kind eigentlich nicht an der Schule arbeiten, an der sie gelernt hatte. Sie hoffte 1973 auf eine Stelle als Unterstufenlehrerin im Nachbarort Klietz, wurde dann aber doch nach Schönhausen beordert. „Ganz am Anfang war es komisch. Aber es war ein tolles Team, das mich gut aufgenommen hat.“ 1991 übernahm sie die Leitung der neuen Grundschule, die sie bis zum Ruhestand inne hatte.

Berbel Wischer, die an der Gesprächsrunde mit den ehemaligen Kollegen wegen Urlaubs nicht teilnehmen konnte, hat nach 40 Jahren im Schuldienst – die letzten davon in Wust – ebenfalls nur gute Erinnerungen an die alte Schule und Sporthalle und ist gespannt auf die neue Halle.

Die Bilder der alten Halle, wie sie im Juni 2013 etwa 70 Zentimeter tief im Deichbruchwasser stand und nicht mehr zu reparieren war, werden nach und nach verblassen.