Klietz l Zwischen der Begrüßung von Gratulanten und unzähligen Telefonaten nahm er sich die Zeit, Schlaglichter auf sein Leben und Wirken als Arzt zu werfen.Zu den großen Freuden des Jubilars zählt, dass auch die nachfolgenden Gilbrich-Generationen den gleichen oder ähnlichen Weg einschlugen: die Söhne Karsten und Matthias sind Arzt und in der Pharmaindustrie tätig, Enkeltochter Kristin und Enkelsohn Johannes sind frisch ausgebildete Ärzte und Friedrich steht quasi in den Startlöchern, die beiden Jungs können sich ihre Zukunft sehr gut in der Klietzer Praxis vorstellen.

Auch mit nun 80 Jahren nimmt er seinen Arztkoffer noch hin und wieder zur Hand, besucht Patienten, macht Vertretung, „die Alten, zu denen ich ja auch gehöre, kennen mich alle“. In der freien Zeit widmet er sich dem Lesen, der Pflege seines Gartens mit herrlichen Palmen, er macht täglich kleine Spazierrunden mit seiner Frau Brunhild, zeichnet – Geburtstagskarten mit persönlicher Note oder auch Illustrationen für die Bücher seines Nachbarn und Freundes Dieter Wartenberg. Hin und wieder schaut er auch in der Praxis vorbei, in der er ab 2010 zusammen mit seinem Sohn praktizierte. 2016, mit 77 Jahren, hat er sich aus dem täglichen Praxisgeschäft zurückgezogen, bleibt aber einsatzbereit, wenn er gebraucht wird.

1969 erste eigene Praxis

54 Dienstjahre liegen nun hinter Dr. Ernst Gilbrich. Nach kurzen Stationen in Luckenwalde und Burg kam die junge Familie Gilbrich 1965 nach Klietz. Dr. Ernst Gilbrich war zwar Militärarzt, aber auch im zivilen Bereich unter anderem im Havelberger Krankenhaus tätig. 1969 hatte er dann seine Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner in der Tasche und er übernahm in Kamern seine erste eigene Praxis. Seine Frau Brunhild stand ihm als Sprechstundenhilfe zur Seite. Doch schon bald ging es zurück nach Klietz. Denn hier wurde ihm die Stelle als Leiter des Landambulatoriums angeboten – am 1. Januar 1973 trat er sie an. Auch Brunhild Gilbrich wechselte nach Klietz, wurde später leitende Schwester. Mit der Wende änderte sich auch die medizinische Versorgung. Dr. Ernst Gilbrich und Dr. Gisela Kunzmann machten sich im Landambulatorium selbstständig, er eröffnete seine Praxis am 1. Januar 1991. Lange blieb er hier nicht allein. Karsten trat in Vaters Fußstapfen und stieg zum 1. April 1993 mit in die Praxis ein. Er ist auf Chiropraktik spezialisiert. Während die medizinische Behandlung immer moderner wurde und beispielsweise auch Magenspiegelungen vorgenommen wurden, verschlechterte sich der bauliche Zustand des ehemaligen Landambulatoriums zusehends. Da kam das Angebot, in ein neu zu errichtendes Ärztehaus am „Seeblick“ umzuziehen, gelegen – am 1. Juli 2010 war es soweit.

Die Laudatio

Zu den vielen Gratulanten gehörte gestern auch Bürgermeister Hermann Paschke, der das Goldene Buch mitgebracht hatte. In der Laudatio, in der dem Unterzeichner für sein jahrzehntelanges und aufopferungsvolles Engagement für seine Patienten gedankt wird, heißt es unter anderem: „Den Jubilar zeichnet aus, dass er in seinen unzähligen Sprechstunden und Hausbesuchen mit Fug und Recht als „Hausarzt der Alten Schule“ bezeichnet werden kann. Er war und ist dafür bekannt, immer seine Patienten als Menschen mit Körper und Seele, mit persönlicher Geschichte, mit Freud und Kummer zu sehen. Und das Gespräch dauerte dann schon so manches Mal etwas länger, auch wenn das Sprechzimmer voll war – nicht selten die beste Medizin. Fast 20 Jahre war Dr. Gilbrich Chef des Landambulatoriums in Klietz. Er war das Gesicht und prägte den guten Ruf dieses Hauses. Er ist ein Arzt aus Berufung, der mehrere Generationen einer Patientenfamilie kannte.“

Geburtstagswünsche? „Gesundheit, alles Materielle können wir uns selbst erfüllen.“ Demnächst geht es mit dem Postschiff entlang der Hurtigruten. Und wenn zur Jubiläumsfeier die ganze große Familie zusammenkommt, ist es auch ein Freudenfest.