Videokonferenz

Europa trifft sich im Havelberger Rathaussaal

„Großes Kino“ im Festsaal des Havelberger Rathauses. Per Laptops und Leinwand waren sechs Partnerstädte aus Europa zu einer Videokonferenz zusammengekommen.

Von Dieter Haase
Im Rathaussaal verfolgten unter anderem Bürgermeister Bernd Poloski und die Leiterin der Touristinformation Marina Heinrich das Online-Meeting der Partnerstädte.
Im Rathaussaal verfolgten unter anderem Bürgermeister Bernd Poloski und die Leiterin der Touristinformation Marina Heinrich das Online-Meeting der Partnerstädte. Foto: Dieter Haase

Havelberg - „Formigine ohne Grenzen 2021 - Beste Praktiken auf lokaler Ebene im Bereich der sozialen Eingliederung und Bekämpfung von Ungleichheiten während der Coronavirus-Pandemie“ hat sich das digitale Treffen von Partnerstädten genannt, zu dem die italienische Stadt Formigine anlässlich des diesjährigen Europatages für Mittwochnachmittag eingeladen hatte. Neben Formigine nahmen Saumur (Frankreich), Warwick (England), Kilkenny (Irland), Verden und Havelberg an dem gemeinsamen Austausch von Erfahrungen teil. Allgemein begrüßten die offiziellen Vertreter der Städte, zum größten Teil handelte es sich dabei um die Bürgermeister/innen, diese Art der Zusammenkunft. Vor einem Jahr konnte das traditionelle Treffen der Städte ebenfalls nur mittels Online-Plattform stattfinden. Die Corona-Pandemie hatte nichts anderes zugelassen.

Inklusion: Ungleichheiten haben sich zugespitzt

„Es ist wichtig, dass heute internationale Freunde auf diese Art zusammenkommen, um gemeinsam das Fest Europas zu feiern und darüber zu sprechen, wie die Corona-Pandemie weiter eingedämmt werden kann“, machte Maria Costi, die Bürgermeisterin von Formigine deutlich. In ihrer Stadt schreite die Impfkampagne voran, „ich bin am Sonntag auch geimpft worden“, sagte sie. Insgesamt allerdings sei die Pandemie-Lage in Italien sehr schwierig. Als ein Problem sehe sie derzeit die soziale Inklusion. „Die Ungleichheiten haben sich hier zugespitzt, besonders bei Jugendlichen und Frauen. Daran müssen wir verstärkt arbeiten und Zeichen setzen“, nannte die Bürgermeisterin eine wichtige Aufgabe in dieser Zeit.

Umfangreiches Online-Angebot in Saumur

Im französischen Saumur habe die Stadt sehr gute Erfahrungen mit einer eigens für die Bewohner geschaffenen Online-Plattform gemacht, informierte die dortige Zuständige für internationale Beziehungen, Florence Metivier. Diese Plattform verbreite sowohl die neuesten Informationen und beantworte andererseits Fragen der Bürger. Sie biete Bedürftigen Hilfe an und unterstütze auch die Geschäftsleute, die durch den Lockdown in Schwierigkeiten geraten sind. Ebenso treffe das unter anderem für Verbände oder Sportvereine zu. „Das Feedback, das wir für unser Online-Angebot bekommen, ist wirklich sehr gut“, schätzte Florence Metivier ein.

„Aller-Kultur“ als ein völlig neues Format

Lutz Brockmann, der Bürgermeister von Verden (Niedersachsen), sprach schon von einem sich andeutenden Ende der dritten Corona-Welle in seiner Stadt. - „Unsere Einwohner haben wieder viel Platz zum Spazierengehen.“ Mit der „Aller-Kultur“ werde zudem an neuen Orten ein völlig neues Format ausprobiert, unter anderem mit Kindertheater, Lesungen und Jazzkonzerten. Von Kindern und Jugendlichen sei außerdem das digitale Lernen sehr gut angenommen worden. „Für Schüler von Grund- und Sekundarschulen haben wir kostenlos I-Pads ausgeliehen, die für das digitale Lernen die besten Möglichkeiten eröffnen“, so Lutz Brockmann. Weil dafür zu Hause nicht immer die besten Bedingungen vorzufinden sind, wurden in der Stadtbibliothek und an anderen Orten Lernbüros eingerichtet, in denen die Schülerinnen und Schüler in Ruhe ihren Schulaufgaben nachgehen können.

Für Impftermine von älteren Bürgern bietet Verden unter anderem mittels der Nachbarschaftshilfe Unterstützung an. „Und nach der Impfung geht es dann noch gemeinsam zum Kaffee trinken.“

Bald auch Impfstoff für Betriebsärzte

Für die Stadt Havelberg hatte Bürgermeister Bernd Poloski eine Präsentation über die aktuelle Lage vorbereitet. Diese zeigte zum Beispiel die Einrichtung eines temporären Impfzentrums in der städtischen Sporthalle. „Hier können an einem Tag bis zu 800 Personen geimpft werden“, nannte der Bürgermeister den großen Vorteil eines solchen Impfzentrums. Am 16. April erfolgte hier die Erstimpfung von über 76-Jährigen. Die Zweitimpfung ist für den 21. Mai vorgesehen. Außerdem impfen auch die Hausarztpraxen in der Stadt. „Weiterhin werden in den nächsten Wochen auch die Ärzte in Unternehmen mit Impfstoff versorgt“, so Bernd Poloski.

Entwicklung stimmt optimistisch

Ebenfalls sehr erfreulich: „Im Rathaus ist ein Testzentrum eingerichtet worden, das täglich geöffnet hat. Jeder Bürger kann sich dort kostenlos testen lassen.“ Eine Apotheke, drei Ärzte und insgesamt 16 Helfer sichern den Ablauf. Zur Corona-Pandemie selbst schätzte das Stadtoberhaupt ein: „Bezogen auf den Landkreis, gehen die Infektionszahlen täglich weiter nach unten, wenn auch nur sehr langsam! Dennoch stimmt diese Entwicklung optimistisch!“

Fast wieder Normalität in Warwick

Zu etwas Normalität zurück gekehrt, ist das englische Warwick. „Viele Geschäfte sind wieder offen, das öffentliche Leben hat wieder Einzug in die Stadt gehalten“, erklärte Stadtrat Eddy Rich mit Freude. Per sozialer Medien würde täglich über die neuesten Entwicklungen informiert. Für Bürger, die keinen Zugang zu diesen hätten, sei ein Info-Telefon eingerichtet worden.

Engagement von Vereinen in der Corona-Zeit

Nach den Offiziellen aus den Partnerstädten erhielten Vereine aus diesen die Möglichkeit, über ihr Engagement in der Corona-Zeit zu berichten. Aus Havelberg war der Blaue-Herzen-Verein ausgewählt worden.

Vorstandsmitglied Hans-Joachim Frey verwies in seiner Präsentation unter anderem auf die Ehrung und Anerkennung der Leistungen von Beschäftigten in Arztpraxen sowie von Pflegekräften bei der Betreuung Älterer - zwei Aktionen, mit denen auch an die Unterstützung der regionalen Wirtschaft gedacht wurde. Denn alle gut 290 Geehrten erhielten Restaurantgutscheine.