Klietz l Zehnmal musste das Fahrzeug in den zurückliegenden zwölf Monaten ausrücken, zuletzt am zweiten Weihnachtsfeiertag nach Fischbeck. Da war das Fahrzeug gerade zurück von der Reparatur. Die Volksstimme sprach mit dem Gerätewart Uwe Brendel über Einsätze, Pläne und Wünsche.

Volksstimme: Wie oft wurde die Drehleiter im vergangenen Jahr angefordert?

Uwe Brendel: Ich habe die Protokolle durchgeschaut: zehnmal.

Nennen Sie mal ein paar Beispiele!

Zuletzt der Brand eines leerstehenden Hauses in Fischbeck, kurz zuvor ein Schornsteinbrand in Schönhausen, außerdem ein Schuppenbrand und ein Wohnhausbrand in Sandau: Wir wurden weiterhin zum Brand in der Lehmfabrik Hohengöhren, in der Dachdeckerei Wulkau oder nach Neuwartensleben zu einem Holzstapelbrand, der auf eine Scheune überzugreifen drohte, alarmiert.

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Zwischenzeitlich musste die Leiter zur Reparatur in die Werkstatt. Warum war das bei einem neuen Fahrzeug jetzt schon nötig?

Das Fahrzeug ist jetzt 14 Jahre alt, hat 56.000 Kilometer auf dem Tacho – das ist gut! Jährlich wird die Technik von einem Fachmann überprüft. Bei der letzten Kontrolle kam heraus, dass ein Stempel, der die Leiter hebt, nicht mehr richtig funktioniert. Die Leiter ist zwar einsatzfähig, aber eine Garantie wurde in dem Zustand nicht bescheinigt. Also musste sie in die Werkstatt nach Karlsruhe – die Verbandsgemeinde hat dem anstandslos zugestimmt. Aus den geplanten drei Wochen wurden zum Glück nur zwei. Am 20. Dezember haben wir sie abgeholt, ein paar Tage später wurden wir dann zum Brand nach Fischbeck gerufen. Bei der Gelegenheit wurden auch gleich ein paar Gummi- lippen und die Beleuchtung am Korb erneuert. Wir werden jetzt noch hier vor Ort zwei Lampen am Korb für eine noch bessere Ausleuchtung gegen LED-Strahler austauschen.

Wer aus der Klietzer Wehr kann das Fahrzeug bedienen?

Wir sind jetzt sechs Drehleiter-Maschinisten: René Brendel, Denis Ulrich, Benjamin Telschow, Peter Jugler, Alexander Bartsch und ich. In diesem Jahr wollen wir einen weiteren Kameraden ausbilden, der dann auch noch einen abschließenden Lehrgang in Heyrothsberge absolviert. Denn ich bin jetzt fast 62 Jahre alt – da wird in absehbarer Zeit ein Nachfolger notwendig.

Wird die Leiter gebraucht, fliegt gleich die gesamte Klietzer Wehr raus – muss das immer sein?

Darüber ärgere ich mich von Anfang an. Es muss doch technisch möglich sein, dass nicht alle Pieper anschlagen, sondern nur die der Drehleiter-Maschinisten. Es ist vor allem nachts nicht schön für die Kameraden, wenn sie zum Gerätehaus eilen und dann erfahren, dass nur die Drehleiter gebraucht wird. Ich wünsche mir sehr, dass das irgendwie geändert werden kann! Schließlich kostet das ja auch unnütz Geld, das die Verbandsgemeinde zahlen muss, weil jeder Kamerad bei Alarmierung fünf Euro erhält

Sind auch dieses Jahr wieder Übungen und Schulungen mit den anderen Wehren im Elbe-Havel-Land vorgesehen?

Ja definitiv. Abgesehen davon, dass wir selbst immer wieder bei den Dienstabenden alle Handgriffe üben, wird es mindestens eine Übung geben. Etliche relevante Gebäude haben wir schon beübt – die Neubaublöcke und das Schullandheim in Klietz sowie das Seniorenwohnheim in Schollene beispielsweise. Aber es gibt noch einige Gebäude im Elbe-Havel-Land, an denen wir üben könnten.

Die Leiter kommt auch an Gebäuden zum Einsatz, die nicht mehrgeschossig sind...

...ja, das erleichtert die Arbeit des „Bodenpersonals“ sehr. Man kann schneller und effektiver vorgehen. Die Anschaffung war eine sehr gute Entscheidung!

Sie sind Gerätewart in Klietz – zufrieden mit der Ausstattung der Wehr?

Ja, das kann man so sagen! Klar gibt es ein paar Kleinigkeiten, die man noch haben könnte, aber im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden. Gerade haben wir noch einen Anhänger bekommen, der hauptsächlich für die Ausbildung des Nachwuchses genutzt wird. Aus Platzgründen muss es zwar privat untergestellt werden, aber das geht schon. Generell ist unsere Wehr nicht nur mit Technik, sondern auch mit einsatzbereiten Kameraden sehr gut aufgestellt. Und glücklicherweise haben wir auch immer Nachwuchs.

Als Mitglied des Rates der Verbandsgemeinde haben auch Sie sich für die Einstellung eines hauptamtlichen Gerätewartes eingesetzt. Das wird sicher eine enorme Entlastung für die Wehren...

Definitiv! Allein die Fahrzeuge zum TÜV zu bringen, ist eine Tagesaufgabe und für alle berufstätigen Gerätewarte immer sehr aufwendig. Für uns Ehrenamtliche bleibt noch mehr als genug Arbeit übrig, hat der Hauptamtliche sich dann um alle Wehren und die Kleiderkammer zu kümmern – das ist ein enormes Pensum. Gut, dass der Gerätewart dann auch Kleinstreparaturen vornehmen kann, da muss das Fahrzeug nicht erst in die Werkstatt gebracht werden – das spart Zeit und natürlich der Verbandsgemeinde auch Geld.

Worin sollte die Verbandsgemeinde unbedingt zeitnah investieren?

Zunächst erst einmal muss ich sagen, dass die Wehren im Elbe-Havel-Land von der Verbandsgemeinde sehr gut bedacht werden. Jährlich gibt es nicht nur kleine Anschaffungen und Modernisierungen der Gerätehäuser, sondern auch Fahrzeuge, die dringend benötigt werden, werden beschafft. Gut ist auch, dass seit 2018 Lkw-Führerscheine für die Kameraden finanziert werden, damit genügend Maschinisten zur Verfügung stehen. Im Haushalt 2020 sind zahlreiche Investitionen vorgesehen, auch ein neues Feuerwehrauto für Sandau, auch die Wuster bekommen ein Fahrzeug. Gut wäre, für 2021 den Kauf einer weiteren Wärmebildkamera einzuplanen. Wir Klietzer haben zwar eine, aber in einem weiteren Ort sollte eine Kamera deponiert werden.