Nitzow l Ein bestimmendes Thema bei der Zusammenkunft im Nitzower Gerätehaus war verständlicherweise die Aufregung um das bereits im Vorjahr mit Ungeduld erwartete neue Einsatzfahrzeug. Eine Abordnung der Nitzower Wehr hatte beim nunmehr beabsichtigten Abholtermin am 23. Januar die Abnahme des Fahrzeuges verweigert.

Enttäuschender Eindruck

Wehrleiter Andreas Eckert zu diesem Thema: „Nach monatelanger Suche durch die Wehrleitung und anderer Kameraden hatten wir in Thüringen eine Firma gefunden, die Feuerwehrfahrzeuge aufbereitet beziehungsweise nach Wünschen umbaut. Am 20. Februar 2019 bekamen wir von dieser auch ein Angebot, das unseren Anforderungen und Wünschen entsprach. Die Firma erhielt daraufhin, nach erfolgter Ausschreibung, von der Stadt Havelberg den Zuschlag. Nach Kontaktaufnahme wurde uns die Auslieferung des Fahrzeuges für Juli/August avisiert. Zum 1. August wurde nach etlichen Telefonaten ein erster Besichtigungstermin vereinbart. Voller Erwartung sind wir mit sieben Kameraden nach Thüringen gefahren. Der erste Eindruck dort – von der Werkstatt – war sehr enttäuschend. Auf Grund von zwei, drei Extrawünschen verschob sich der Auslieferungstermin um vier Wochen.

Grobe Mängel festgestellt

Von unserer Seite war dann die offizielle Übernahme am 2. Oktober zu unserem Tag der offenen Tür geplant. Nach wieder über fast hundert Telefonaten wurde schließlich auch dieser Termin verschoben. Am 23. Januar 2020 sollte dann bei der Firma in Thüringen die Übernahme erfolgen. Nach akribischer Kontrolle des Fahrzeuges sind von uns grobe fahrzeug- und feuerwehrtechnische Mängel festgestellt worden. Ja, das Fahrzeug war nicht einmal verkehrssicher. Wir haben uns daraufhin gemeinsam mit der Stadt Havelberg entschieden, das Fahrzeug nicht mitzunehmen und die Rückabwicklung zu veranlassen.“

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Ein anderes Auto muss her

Damit „haben wir von der Stadt und von der Feuerwehr Nitzow eine Katastrophe abgewand“, resümierte der Ortswehrleiter. Gleichzeitig richtete er die Bitte an die bei der Jahreshauptversammlung anwesenden Vertreter der Stadt, die Anschaffung eines neuen Einsatzfahrzeuges nicht aus den Augen zu verlieren: „Unsere Bedürftigkeit darf nicht verloren gehen.“

Respekt gezollt

„Der Nitzower Wehrleitung zolle ich großen Respekt für die Entscheidung, das neue Einsatzfahrzeug, auf das die Kameraden so lange gewartet haben, nicht anzunehmen“, sagte der stellvertretende Stadtwehrleiter Marvin Schmidt. Die Weichen seien aber bereits dafür gestellt, „dass in absehbarer Zeit ein vernünftiges Fahrzeug hierher kommt“.

Keine Probleme einkaufen

„Es ist richtig, solch ein Auto, das den Ansprüchen nicht gerecht wird, nicht abzunehmen. Wir müssen uns nicht auch noch Probleme einkaufen“, so Bürgermeister Bernd Poloski zu den Nitzower Kameradinnen und Kameraden. „Wir werden nun versuchen, schnell ein neues Fahrzeug heranzuschaffen“, versprach das Stadtoberhaupt. „Das hat jetzt höchste Priorität. Das Geld steht bereit und ist dafür gebunden.“

"Ich habe mich verrechnet"

Das freute die Nitzower Feuerwehrleute und Andreas Eckert. „Dann erlebe ich es ja noch, wenn das neue Einsatzfahrzeug kommt“, schmunzelte er. Diese Worte sagte er nicht ohne Hintergrund. „Eigentlich wollte ich mein Amt ja jetzt an einen Nachfolger übergeben, aber ich habe mich dabei mit den Jahren etwas verrechnet. Ein Jahr habe ich noch“, erklärte er und erhielt dafür viel Beifall.

19 Einsätze im Jahr 2019

„2019 war für uns ein sehr sportliches und ausbildungsreiches Jahr“, begann Andreas Eckert seinen Rückblick auf das Vorjahr. Und außerdem war es ein Jahr, in dem die Nitzower zu insgesamt 19 Einsätzen alarmiert beziehungsweise gerufen wurden, davon zu vier Bränden. Als Beispiele nannte der Ortswehrleiter den Wohnwagenbrand in der Havelberger Uferstraße im April und den Laubenbrand in der Havelberger Gartensparte am Nussberg Ende November. Am 30. Juni zog Rauch durch ganz Nitzow, weshalb die Vermutung eines Waldbrandes nahe lag. Erst später stellte sich heraus, dass er vom großen Waldbrand bei Lübtheen her stammte.

Zehnmal schlug der Brandmelder an

Insgesamt zehnmal (doppelt so oft als 2018) rückten die Kameradinnen und Kameraden aus, weil Brandmeldeanlagen angeschlagen hatten: viermal im Krankenhaus, und je einmal im Behindertenwohnheim in der Genthiner Straße, im ArtHotel Kiebitzberg, in der Firma Hapo, im DRK-Heim Julianenhof, in der Havelberger Polizeidienststelle und im Wohnpark Am Camps.

Ein schwerer Verkehrsunfall

Nach Unwettern mit ergiebigen Regengüssen ging es am 12. Juni und am 29. Juli jeweils nach Havelberg zum Auspumpen von Wasser aus Kellern. Ein Verkehrsunfall mit zwei Schwerstverletzten hatte sich am 10. November in der Ortslage ereignet. Die Dorfstraße musste in beiden Fahrtrichtungen gesperrt und der Hubschrauber-Landeplatz abgesichert werden. „Die Einsatzkräfte haben dabei super zusammengearbeitet“, merkte Marvin Schmidt zu dem Vorfall an.

203 Einsatzstunden

Insgesamt stehen für die Nitzower Aktiven für das vergangene Jahr 203 Einsatzstunden auf dem Papier.