Havelberg l Tiefrot mit neonfarbenen Leuchtstreifen an der Seite, dem Havelberger Stadtemblem an den Türen, Blaulicht auf dem Dach und der Aufschrift Feuerwehr auf der Motorhaube ist eindeutig klar, wem das neue Auto gehört. Und viele werden auch wissen, was das Kennzeichen HV FF 1877 bedeutet. Es ist das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Havelberg. Den Ausbildungsabend am Mittwoch nutzte Bürgermeister Bernd Poloski gemeinsam mit Dieter Härtwig vom Ordnungsamt, den Kameraden den neuen Einsatzleitwagen offiziell zu übergeben.

Bei den jüngsten Einsätzen hat sich der 163 PS starke Mercedes bereits bewährt. Stadtwehrleiter Ulrich Ziegler hob die Vorteile des Fahrzeuges hervor. So verfügt die Wehr damit nun über ein Auto, das auch das Boot ziehen kann. Eingerichtet ist ein Arbeitsplatz für die Einsatzleitung. „Der ELW 1 kann viele Zwecke erfüllen und das ist gut so. Wir brauchen keinen reinen Einsatzleitwagen, sondern ein flexibel einsetzbares Fahrzeug.“ Im Vorfeld war über verschiedene Varianten gesprochen worden. Der Wehrleiter bedankte sich bei allen Beteiligten von der Stadt und der Feuerwehr, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.

45.000 Euro hat die Hansestadt investiert in das gebrauchte Fahrzeug, das 2013 gebaut wurde und 25.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Es hat Allrad und erfüllt die Euronorm 5. „Damit sind wir noch besser in der Lage, für unsere Einwohner unsere Aufgabe als Feuerwehr zum Löschen, Retten, Schützen und Bergen erfüllen zu können“, machte Ulrich Ziegler deutlich. Zugleich dankte er den Kameraden für ihre Einsatzbereitschaft und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sie diese auch weiterhin zeigen.

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Bestes Beispiel für eine ausgezeichnete Bereitschaft war die vorangegangene Nacht, als die Rettungsleitstelle in Stendal aufgrund eines Stromausfalls nur bedingt einsatzfähig war. So wie andere Feuerwehren in den beiden Altmarkkreisen organisierten die Havelberger telefonisch eine Feuerwache im Gerätehaus, um im Ernstfall sofort ausrücken zu können. Somit standen eine Staffel und eine Drehleiterbesatzung zur Verfügung. „Ihr habt die Notwendigkeit erkannt und seid sofort hierher gekommen, dafür ein großes Lob.“

Nachtwache im Gerätehaus

Auch der Bürgermeister bedankte sich für diese Einsatzbereitschaft, die vor allem auch angesichts der ohnehin schon starken Belastung der Feuerwehren aufgrund der Hitze in den zurückliegenden Monaten besonders hervorzuheben ist. „Zum Glück sind wir bisher von Großeinsätzen verschont geblieben. Das ist sicher auch der Vorsorge zu verdanken, dass bestimmte Gefahrenpunkte unter Kontrolle stehen.“ Das alles trotz personeller Probleme, die auch um die Havelberger Wehr keinen Bogen machen. Den Kameraden versicherte Bernd Poloski, dass Stadt und Stadtrat stets daran interessiert sind, die Feuerwehr zu unterstützen.

Ein nächster Schwerpunkt wird die funktechnische Ausstattung sein, die bis 2020 in ganz Sachsen-Anhalt umgestellt werden soll. Dafür rechnet er mit Kosten von bis zu 40.000 Euro. Augenmerk liegt auch auf der Schutzausrüstung für die Kameraden. „Wir sind dankbar für jeden kritischen Hinweis und jede Forderung“, ermunterte der Bürgermeister, Probleme zu benennen. Die Verfahrensweise, gemeinsam mit der Wehrleitung genau zu schauen, welche Investition sofort notwendig ist und was noch geschoben werden kann, soll auch künftig beibehalten werden.

Der Übungsabend wurde zugleich genutzt, um einen Kameraden wieder in den Reihen der Feuerwehr zurück zu begrüßen, was der stellvertretende Wehrleiter Martin Schröder vornahm. Stefan Keller, der im Panzerpionierbataillon 803 Havelberg dient und wie manch anderer Soldat die Reihen der freiwilligen Feuerwehr stärkt, ist nach dreimonatigem Einsatz in Afghanistan zurückgekehrt. „Diese Einsätze bedeuten eine Gefahr für Gesundheit und Leben und eine hohe psychische Belastung. Dennoch ist er sofort nach seiner Ankunft in Havelberg wieder bereit gewesen, Dienst in der Feuerwehr zu leisten“, lobte der Bürgermeister und bedankte sich bei Stefan Keller, der der Wehrleitung mit angehört.

Mit einer Ehrenrunde durch die Stadt und einem Fotostopp am Dom mit dem neuen Einsatzleitwagen an der Spitze der Havelberger Feuerwehrfahrzeuge nahm dieser Ausbildungsabend seine Fortsetzung.