Klietz l Der Klietzer See verlandet zusehends. Das hat verschiedene Ursachen, musste Landtagsmitglied Wulf Gallert (Die Linke)  im Sommer bei seinem Besuch in Klietz erfahren. Mit dem Deichbruchwasser aus Fischbeck strömte viel Sediment ein, was einen Nährstoffboden für Wasserpflanzen bildete. Hinzu kamen Phosphateinträge von den angrenzenden Feldern – und auch die beiden heißen Sommer in Folge. Letztendlich musste der See über Wochen wegen Blaualgenbefalls gesperrt werden.

Lösungsvorschläge wurden damals auch unterbreitet. Wulf Gallert und sein Parteifreund Matthias Höhn aus dem Bundestag suchten danach nach Zuständigen und schilderten das Problem. Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit, freute sich der aus Havelberg stammende Wulf Gallert.

Bundeswehr kann Gewässer nicht befahren

Matthias Höhn, der auch im Verteidigungsausschuss sitzt, wandte sich an das Verteidigungsministerium. Denn die Klietzer Bundeswehr kann auf dem verkrauteten Gewässer mit ihren Jet-Booten nicht mehr üben. Zwar wurde die Fahrrinne entkrautet, doch hält das nicht lange vor.

Mit am voll besetzten Tisch im Schullandheim saß Umwelt-Staatssekretär Klaus Rehda. Auch aus Sicht des Naturschutzes müsse etwas gegen die zunehmende Verlandung des Sees unternommen werden, meinte er. Weil der See aber im neu ausgewiesenen Natura-2000-Gebiet liegt, sind für solchen Eingriff einige Genehmigungen erforderlich.

Die Bundeswehr als Pächter der Fläche wäre jedenfalls bereit, eine Entschlammung in Angriff zu nehmen. Eigentümer des Sees ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma), für dessen Unterhaltung ist die Bundesforst zuständig.

Flut ließ den See verlanden

Vor allem durch die Einträge während der Flutkatastrophe sei der See verlandet, informierte die Vertreterin des Bau- und Liegenschaftsmanagements Sachsen-Anhalts (BLSA). Eine Entschlammung zähle zur Unterhaltung des Gewässers, weshalb ein vereinfachtes Verfahren reiche.

Nötig dafür ist ein naturschutzfachliches Gutachten, was nun in Auftrag gegeben wird. Die Untersuchungen sollen im Mai 2020 beginnen. Im Dabei werden auch die Veränderungen zu 2015 beachtet, als dessen jüngste Untersuchung erfolgt war. Damals wurde der Zustand als gut eingeschätzt.

Schlamm wird auf Belastung untersucht

Untersucht werden unter anderem die Schichtstärke des Schlammes sowie dessen Belastung. Die Entschlammung könnte in einem Jahr starten. Zum Problem könnte allerdings noch die Entsorgung des Schlammes werden.

Die Entschlammung des Sees stehe schon länger auf der Agenda der Gemeinde, erklärte Jens Meiering, der stellvertretende Bürgermeister. Ein großes Problem sei die enorme Ausbreitung der Wasserpest. Die invasive Wasserpflanze habe bereits von etwa 80 Prozent der Wasserfläche Besitz ergriffen, ergänzte Fischermeister Gernot Quaschny.

Wasserpest muss bekämpft werden

Zur Bekämpfung der Wasserpest habe der Ruhrverband bereits eine Untersuchung in Auftrag gegeben, informierte Jens Meiering weiter. Unter anderem werden der Einsatz von Graskarpfen und Rotfedern sowie eine erhöhte Strömungsgeschwindigkeit empfohlen.

Joachim Steinborn, der den Naturlehrpfad um den See angelegt hatte, wies darauf hin, dass bei den Untersuchungen auch der Zulauf vom See Beachtung finden müsse. Denn das Wasser fließt durch ein Flachmoor, dessen Körper durch das Pflügen nach und nach zusammensackt. Dadurch verringert sich die Fließgeschwindigkeit in den Gräben. Nötig wären ringsum Wiesen – also wie es früher war. Zudem sei vor dem Einlauf in den See eine Schilfzone nötig, welche schon einiges von den Phosphateinträgen herausfiltere.

Gesamtes System wird betrachtet

Bei der Untersuchung werde das gesamte System beachtet, war von der BLSA-Vertreterin zu erfahren. Unter anderem auch der Ausfluss unter der nach der Flutkatastrophe neu erbauten Brücke. In der kalten Jahreszeit wird zuerst der Schlamm untersucht, denn dann wachsen die Wasserpflanzen noch nicht. Im Sommer folgen dann Flora und Fauna im See.

Bleibt es bei den hohen Nährstoffeinträgen, würden nach der Entschlammung womöglich bald wieder die Wasserpest wuchern, gab Wulf Gallert zu bedenken. Doch können im Einzugsgebiet des See den Landwirten keine amtlichen Vorgaben zur Nutzung ihrer Flächen gemacht werden, erklärte der Staatssekretär. Denn hierbei handelt es sich um keine geschützten Gebiete.

Bei dem früheren Vorhaben habe man auch geplant, die Ufer der Gräben zur Minderung der Nährstoffeinträge zu bepflanze, informierte Jens Meiering. Solche Gehölze seien aber nur wirksam, wenn die Nährstoffe direkt vom Feld in die Gräben gelangen, hieß es von Seiten des Landesumweltamtes. Erfolgt der Eintrag jedoch über das Grundwasser, wovon auch auszugehen sei, ist so etwas nicht wirksam. Das werden erst die Untersuchungen zeigen. Erst dann kann man nach Lösungen suchen.

Bernd Witt, der als Vertreter des Landesanglerverbandes mit am Tisch saß, kannte das Thema schon aus seiner Zeit als ehemaliger Verbandsbürgermeister. Er brachte das Gespräch wieder auf den Besatz mit Graskarpfen. In anderen Gewässern sei so etwas durchaus von Erfolg gekrönt gewesen, so könne man auch in Klietz kurzfristige Erfolge erzielen.

In der DDR wurden Karpfen regelmäßig eingeset

Das bekräftigte auch Gernot Quaschny, welcher seit fast 38 Jahren als Pächter auf dem See zu Hause ist. Er hatte einen solchen Antrag bereits vor Jahren gestellt. In der DDR wurden Karpfen regelmäßig eingesetzt. Doch wurde dies von der Naturschutzbehörde des Kreises abgelehnt: Der Graskarpfen ist eine invasive Art, welche in Naturschutzgebieten nicht ausgesetzt werden darf. Dabei könne sich die Art gar nicht vermehren, so der Fischer. Man könnte mit einem übermäßigen Besatz beginnen und die überschüssigen Karpfen nach und nach herausfischen.

Bevor solch Besatz erfolgen kann, müsse erst ein Nachweis geführt werden, dass andere Lebewesen des Sees davon nicht beeinträchtigt werden, erklärten die Vertreter des Landesumweltamtes. Zum Beispiel der Kammmolch oder die Grüne Mosaikjungfer, welche bestimmte Strukturen benötigen. Der Graskarpfen frisst nämlich alle Wasserpflanzen ab, was zur Folge hat, dass dann auch das Phosphat nicht mehr abgebaut wird. Eine nachhaltige Lösung sei das nicht.

Gernot Quaschny wies zudem darauf hin, dass nach dem Bau der neuen Straßenbrücke die Strömungsgeschwindigkeit im See arg abgenommen habe. Das Wasser fließe kaum noch. Durch das Einströmen des Wassers aus Fischbeck habe sich die Sohle im See zudem vertieft, nötig wäre also auch ein besserer Abfluss. Den behindert zudem die von der Flut zerstörte Bahnbrücke.

Das Thema sei sehr komplex, resümierte Wulf Gallert. Eine rasche Lösung sei aber nötig – es wurde schon viel zu lange darüber diskutiert.