Havelberg l Schummriges Licht. Alle sind mucksmäuschenstill. Aus einer Spieluhr erklingt Weihnachtsmusik. Die drei Unterstufenklassen der Förderschule „Am Lindenweg“ in Havelberg haben sich zum weihnachtlichen Morgenkreis getroffen. Sie wollen zeigen, was sie in den vergangenen Wochen gelernt haben für den großen Weihnachts-Morgenkreis der Schule, der am letzten Unterrichtstag vor den Ferien am Dienstag stattfindet. Generalprobe sozusagen.

Die Kinder erzählen, was sie an weihnachtlichen Utensilien in der Mitte des großen Jahreszeitenteppichs entdecken. Dann singen sie gemeinsam sehr textsicher „Oh Tannenbaum“ und „Fröhliche Weihnacht“. Gut sitzen auch die Zeilen der Gedichte, die die drei Klassen jeweils über den Nikolaus und den Weihnachtsmann gelernt haben. Die langen Verse scheinen kein Problem zu sein. Mit Händen und Füßen, laut und leise untermalen sie das Gesagte. Sie gehen in die Hocke, hüpfen auf einem Bein. Jedes Kind ist voll bei der Sache.

Zum Schluss gibt‘s ein Sternenspiel, bei dem Konzentration gefragt ist. „Wir haben uns viel mit Sternen beschäftigt, sie gemalt, gebastelt, gebacken und aus Ton getöpfert“, berichtet die Klassenlehrerin der U2 Kerstin Döring. Nun wollen alle zusammen einen großen Stern aus einem Wollfaden kreieren. Emma fängt an, hält den Faden ganz fest und straff. Gibt ihn weiter an Leon, der gibt ihn an Marc, dieser an Josina... Jedes Kind und jeder Erwachsene machen mit, dürfen sich aus dem Kreis etwas Weihnachtliches nehmen. Auch die Kinder im Rollstuhl werden einbezogen – wie auch später beim Klingeln der Weihnachtsglocke zum großen Abschlusslied. Mit diesem wollen die Kinder am Dienstag ihren Mitschülern und Lehrern ein fröhliches Weihnachtsfest wünschen. Große Buchstaben halten sie dabei hoch und bewegen sich zu den rhythmischen Klängen.

Selbstbewusst im Alltag

Schulleiterin Petra Heidrich lobt die Unterstufenkinder für diese gelungene Generalprobe. Sie weiß, wie viel Arbeit dahinter steckt, bis die Kinder alles so gut können. „Wichtig ist, dass es Spaß macht. Dann lernen sie mit Freude und sind stolz auf sich, und sie können selbstbewusst den Alltag meistern. Für das ganzheitliche und lebenspraktische Lernen haben wir viele Methoden entwickelt. Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, berichtet sie.

Jede Klasse arbeitet nach einem Stufenplan. In den drei Unterstufenklassen von Petra Zander, Kerstin Döring und Simone Mehler lernen insgesamt 19 Kinder. Solch einen Gemeinschaftsmorgenkreis gibt es zu jeder Jahreszeit. Der Sportunterricht findet gemeinsam statt. „Auch dafür überlegen wir uns immer was, was Spaß macht“, sagt Kerstin Döring. In diesem Jahr ist das Motto „Schule in Bewegung“. Da gibt es auch viele Tänze.

Lernen über Bewegung und Tun. „Ich bin erst seit drei Jahren an der Schule und immer wieder fasziniert, wie schnell die Kinder lernen“, sagt Simone Mehler. Petra Heidrich erfährt öfter von Leuten, dass sie erstaunt sind, was die Schüler trotz ihrer Lern- und Aufnahmeschwächen alles lernen. Zum Beispiel auch dann, wenn die Größeren in ihre Berufspraktika gehen. Sie möglichst für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen, ist ein weiteres Ziel, das die Schule verfolgt.