Havelberg l Zirka zehn Frauen waren es, die 1991 die Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs in Havelberg gegründet haben. Ruth Schmidt war die Vorsitzende. Mittlerweile hat Waltraud Winkelmann den Vorsitz seit einigen Jahren inne. Mit den Vorstandsmitgliedern Waltraud Wittig und Gerda Lemme kümmert sie sich um die rund 30 Mitglieder zählende Selbsthilfegruppe, zu der Mitglieder auch aus dem Brandenburgischen gehören. Es sind derzeit alles Frauen. Doch sind ausdrücklich auch Männer willkommen, die an Krebs erkrankt sind. Dabei spielt die Art der Krebserkrankung keine Rolle. Jeden zweiten Montag im Monat ist um 14 Uhr Treff in der Begegnungsstätte des DRK in der Genthiner Straße 17.

„Unser Ziel ist, Betroffene aus der Isolation herauszuholen. Lange Zeit war Krebs ein Tabu-Thema. Und noch immer gibt es Berührungsängste. Die wollen wir abbauen und den Betroffenen vor allem Mut machen, sie auffangen, begleiten und informieren“, sagt Waltraud Winkelmann. In diesem Sinne werden für die Treffen Arztvorträge organisiert, „um unser Wissen zu erweitern und zu erfahren, wie weit die Medizin in punkto Krebsheilung ist“. Es wird aber auch gebastelt, gewandert und gekegelt und es gibt Tagesausflüge so wie vor kurzem zum alten Gaswerk in Neustadt/Dosse mit Kremserfahrt und Picknick im Wald. Auch an Veranstaltungen auf Kreisebene nimmt die Gruppe teil, etwa am Kochstudio in Stendal, in dem gesundheitsbewusstes Kochen nach Krebs Thema ist. Die Gesundheitsreihen in Havelberg im „Äskulap“ und im KMG Klinikum besuchen die Frauen ebenfalls.

„Tradition hat seit vielen Jahren unsere Mehrtagesfahrt. Dieses Jahr waren wir in Bad Suderode im Harz. Doch geht die Tendenz mehr zur Ostsee, wo wir schon in Stralsund, Zinnowitz, Zingst und Kühlungsborn waren“, erzählt die Vorsitzende. „Die Luftveränderung ist wichtig und tut uns gut.“

„Das schöne ist, dass wir die 24 Stunden des Tages nur für uns haben. Jeder kann seinen eigenen Interessen nachgehen. Doch ist das Zusammengehörigkeitsgefühl sehr gewachsen, es entstehen Freundschaften“, sagt Gerda Lemme. Die Mitglieder sind zwischen 38 und 80 Jahre alt. „Wir sind dem Landes- und dem Bundesverband angeschlossen und nehmen als Vorstand regelmäßig an Tagungen teil, um neues Wissen an die Gruppe weiterzugeben“, ergänzt sie.

Öffentlichkeitsarbeit ist den Frauen ganz wichtig, um anderen Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich der Gruppe anzuschließen. „Wir sind noch lange nicht aus der Tabu-Zone heraus, und das wollen wir ändern“, sagt Waltraud Winkelmann im Wissen darum, dass es weitaus mehr Krebsbetroffene gibt. Die Infoblätter der Frauenselbsthilfe liegen in Arztpraxen aus. „Wir bieten auch telefonische Beratung an. Die Mitgliedschaft in der Gruppe ist kein Zwang, Interessierte können einfach vorbeischauen. Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Wir leben von Spenden.“ Deshalb freut sich die Gruppe, wenn Spender an sie denken.

„Die Gruppe ist Mutmacher. Jeder, der die Diagnose Krebs erhält, denkt, jetzt dauert es nicht mehr lange und die Welt geht zu Ende. Hier können wir helfen. Wir reden nicht nur über unsere Krankheit, bieten aber Hilfe an. Nur wer möchte, spricht darüber. Ansonsten wollen wir so normal wie möglich leben. Und wer uns schon mal erlebt hat, weiß, wie fröhlich wir sein können, hier werfen wir unsere Sorgen ab.“ Doch bleiben die traurigen Momente in solch einer Gruppe nicht aus. Nämlich dann, wenn Mitglieder sterben. „Das zu verarbeiten ist nicht leicht, auch damit mussten wir lernen umzugehen. Doch erwähnen wir die Verstorbenen, denken an sie, sie bleiben in unserer Erinnerung“, berichten beide Frauen.

Zur Festveranstaltung am kommenden Montag, 12. Dezember, sind Interessierte herzlich willkommen. Beginn ist um 14 Uhr in der Domkurie D8 in der Domherrnstraße.