Jubiläum

„Freie Fähre“ existiert in Sandau seit 750 Jahren

Am 3. Mai 1272 unterzeichneten drei Brandenburger Markgrafen eine Urkunde, in welcher erstmals die Sandauer Fähre erwähnt wird. Das ist nun genau 750 Jahre her und wird am Sonnabend gebührend gefeiert.

Von Ingo Freihorst 10.05.2022, 17:17
Diese Abschrift der Urkunde mit der Ersterwähnung der Sandauer Fähre hielt Magda Zohm aus Sandau im Landesarchiv in ihren Händen. Diese Ablichtung ist in der Ausstellung im Turm zu sehen.
Diese Abschrift der Urkunde mit der Ersterwähnung der Sandauer Fähre hielt Magda Zohm aus Sandau im Landesarchiv in ihren Händen. Diese Ablichtung ist in der Ausstellung im Turm zu sehen. Repro: Ingo Freihorst

Sandau - Als die Sandauerin Magda Zohm im Landesarchiv in Magdeburg dieses siebeneinhalb Jahrhunderte alte Pergament in den Händen hielt, kam Ehrfurcht in ihr hoch. Sie war mit Antje Reichel, Leiterin des Prignitz-Museums, extra deswegen in die Landeshauptstadt gefahren. Eine Ablichtung ist in der Ausstellung im Kirchturm zu sehen, welche sich neben dem Fährjubiläum auch den Verkehrswegen in und um Sandau widmet.

Hier steht auch der Text der Urkunde zu lesen: „Wir, Johann, Otto und Woldemar, die wir von Gottes Gnaden Markgrafen zu Brandenburg und Landsberg sind, bekennen und beteuern mit diesem gegenwärtigen Brief, vor allen, die ihn sehen, hören oder lesen, dass wir mit der Kraft dieses Briefes der Stadt Sandau eine freie Fähre beglaubigen. Dass die Stadt Sandau die Fähre freien Willens behält mit allem Nötigen ... Dass die vorgenannte Fähre unserer Stadt Sandau stets frei und ungehindert bleibt, dafür geben wir der Stadt Sandau diese schriftliche Zusicherung.“ Zeugen waren die Ritter Konrad von Redern, Claus von Buck und Dietrich von Quitzow.

Fähren waren lange einzige Verbindung

Über Jahrhunderte bildeten Fähren die einzige Verbindung über größere Flüsse hinweg. Feste Straßenbrücken entstanden erst im 20. Jahrhundert, ist in der „Geschichte der Fähren der Altmark“ von Antje Reichel zu lesen. Neben Sandau wurde im 13. Jahrhundert auch die Werbener Fähre erstmals erwähnt. Fast jeder zweite Ort an der Elbe besaß zumindest eine Kahnfähre, unter anderem auch Fischbeck und Schönfeld. Im Jahre 1888 existierten entlang der schiffbaren Elbe neben 30 Brücken genau 158 Fähren.

Es gab damals verschiedene Arten von diesen: Mit Segeln ausgestattete Fährschiffe, Seil- und Kettenfähren (hier lag eine Kette oder ein Seil am Grund des Flusses), Fähren, welche sich an Balken entlang ans andere Ufer hangelten oder die Schrickfähren, welche mit Ruder oder Stange per Hand fortbewegt wurden.

Und es gab die „fliegenden Fähren“, welche „nur durch geschickte Anwendung des Stromes selbst von Ufer zu Ufer gesteuert“ wurden, wie es in Meyers Lexikon von 1894 hieß. Diese umweltschonende Gierseil-Technik wird auch heute noch in Sandau genutzt.

1627 wurde hier eine Schiffsbrücke errichtet

Im Dreißigjährigen Krieg, genauer 1627, wird hier eine Schiffsbrücke errichtet, damit Truppen rasch übersetzen können. „Soldatenkönig“ Wilhelm I. setzt in Sandau 1737 samt seinem Gefolge über. Wenige Jahre später verkehrt zwischen Havelberg und Sandau eine Hochwasserfähre – ein steter Zankapfel beider Städte.

Und noch ein Jahr war einen Eintrag in die Fährchronik wert: Immerhin 30000 preußische Soldaten setzen hier 1806 mit dem späteren Generalfeldmarschall Blücher und dem Herzog von Weimar nach der verlorenen Schlacht bei Auerstedt über die Elbe.

Viele Sandauer Vereine bei der Feier mit dabei

Das Jubiläum wird am Sonnabend in der Elbestadt ganz groß gefeiert. Zwei Org-Teams hatten zusammen mit Bürgermeisterin Claudia Lange und in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen und Einrichtungen alles vorbereitet.

Die Osterburger Straße in Sandau wird am Sonnabend beim Fähr- und Vereinsfest zur Festmeile.
Die Osterburger Straße in Sandau wird am Sonnabend beim Fähr- und Vereinsfest zur Festmeile.
Archivfoto: Ingo Freihorst

Mit dabei sind die Fördervereine von Feuerwehr, Grundschule, Kita und der Kirche, der Carnevalsclub SCC (mit gebackenem Schwein), der Turn- und Sportverein TuS sowie die Angelgruppe, welche Aalrad und Fischbrötchen präsentiert. Die Sandauer Feuerwehr wird dieses Jahr übrigens 130 Jahre alt (was am 2. Juli gefeiert wird), die Angelgruppe besteht seit 80 Jahren, der TuS seit 60 Jahren, der SCC wurde vor 50 Jahren gegründet.

Präsentieren wird sich die Allgemeine Bürgerbewegung, welche den Erlös aus ihrer Baumpaten-Aktion spendieren wird. Mit dabei sind der noch junge Schützenverein (mit Crepes und Waffeln) sowie die erst kürzlich ins Leben gerufene Ortsgruppe der Wasserwehr. Das THW aus Stendal ist beim Fest ebenso vertreten wie das JuZe und das Haus der Flüsse aus Havelberg, das Mittelelbe-Biosphärenreservat und die Klietzer Spinnfrauen. Die 10. Klasse des Havelberger Gymnasiums wird Speisen und Getränke und die 11. Klasse Pizzas verkaufen.

Unterstützung kommt aus der Stadt Havelberg, welche ihre Bühne gratis zur Verfügung stellt, deren Bauhofmitarbeiter bauen diese auf und wieder ab. Ein Dankeschön geht zudem an den Sponsor Avacon, der Energieversorger stellte das Geld für den Shanty-Chor und den Zirkus Knopf zur Verfügung. Die Hüpfburg sponsert das Kia-Autohaus.

Eine solche Schrickfähre setzte im Mittelalter auch in Sandau über die Elbe, welche damals noch zahlreiche Inseln aufwies. Das Foto ist in der Ausstellung im Turm zu sehen.
Eine solche Schrickfähre setzte im Mittelalter auch in Sandau über die Elbe, welche damals noch zahlreiche Inseln aufwies. Das Foto ist in der Ausstellung im Turm zu sehen.
Repro: Ingo Freihorst