Kamern l „Nach reiflicher Überlegung und eingehender juristischer Beratung hat sich der Verein gemeinsam mit dem Pädagogenteam gegen eine Klage im Eilverfahren und eine eventuell daraus folgende Eröffnung zum Schuljahr 2016/2017 entschieden“, heißt es eingangs. Selbst bei positivem Ausgang wäre der Genehmigungsbescheid erst eine Woche vor Schulbeginn in Kamern eingetroffen. Ein sicherer Schulstart wäre nicht zu schaffen gewesen, was gegenüber den Eltern, Kindern und Pädagogen unverantwortbar wäre, erklärten Jördis Wellmann und Stefanie Wischer vom Vereinsvorstand.

Der Haken an der Sache: Erst nach einer Genehmigung wird der Finanzierungskredit durch die Bank freigegeben. Demzufolge können auch erst dann die Räume vollständig eingerichtet und Unterrichtsmaterialien gekauft werden. Möbel haben oft eine Lieferzeit von einigen Wochen.

Weiter heißt es: „Die Fristen bei der Gründung einer Freien Schule zwischen Bescheid, Einspruch und Schulstart sind so kurz, dass der Schulstart zum kommenden Schuljahr meist nicht zu schaffen ist. Leider hat dies System und ist beabsichtigt. Viele Schulgründungsinitiativen verlässt dann der Mut, Eltern und Schüler brechen weg, Lehrkräfte suchen sich oft eine neue Arbeit, Mietverträge für Gebäude werden gekündigt oder Geldgeber und Sponsoren springen ab.“

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Der Trägerverein jedoch hat Glück, denn fast alle Eltern sowie die Pädagogen bleiben weiterhin dabei, ebenso die Bank. Einen großen Vorteil gibt es noch: Der Verein besitzt das Gebäude und kann somit nicht gekündigt werden.

Entgegen früherer Aussagen hieß es in der amtlichen Ablehnung, dass das Magdeburger Ministerium „kein besonderes pädagogisches Interesse“ mehr erkennen konnte. Diese Begründung fand der Verein recht ungewöhnlich. „Mit dem tiergestützten Lernen, Reformpädagogik nach Montessori und Freinet, Inklusion und dem ausgefeilten Werkstättenkonzept für handwerkliche und wissenschaftliche Tätigkeiten wären wir in ganz Sachsen-Anhalt wirklich einzigartig“, heißt es in dem Schreiben. Der Verein ließ daraufhin im Juni ein externes professorales Gutachten erstellen, was bestätigte, dass das Konzept der Freien Schule Kamern ambitioniert und zukunftsweisend sei.

Weil auch die Freie Schule Werben mit einer ähnlichen Begründung abgelehnt wurde, vermutet der Verein dahinter Methode und massive Einflussnahme von Vertretern des Landkreises: „Auf höchster Ebene wurde interveniert. Man hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, dies zu verschweigen, sondern vieles sogar öffentlich geäußert. Es ist schon sehr bedauerlich, dass Politikerklüngel mehr bewirkt als bürgerliches Engagement auf beiden Seiten der Elbe.“

Der Verein appelliert an alle Politiker in Kreis- und Landtag, die beiden Projekte zu besuchen und die Visionen der Organisatoren zu hinterfragen. Benötigt würden kreative und mutige Politiker, die sich auch angesichts der regionalen und globalen Krisen wagen, Altes in Frage zu stellen und neue Wege zu beschreiten. Demokratische Kräfte vor Ort sollten unterstützt werden.

Direkte Gespräche mit dem Ministerium ge

„Aus diesem Grunde haben wir direkt mit dem Ministerium gesprochen und sind auf einem guten Weg, die Eröffnung zum Schuljahr 2017/2018 zu schaffen. Derzeit werden die Räume von den Eltern eingerichtet, die ersten Lehrmaterialien werden aus Spendenmitteln angeschafft und für die Kinder- und Lehrküche sind wir gerade mit einem Förderer im Gespräch.“

Besonders stolz sei man auf die Druckwerkstatt. Im Lehrgarten grünt es, auf dem Lehrbauernhof leben die ersten Tiere. Noch in diesem Jahr ist die Eröffnung des Bildungshauses geplant, es soll bis zum Schulbeginn für die außerschulische Kinder- und Jugendbildung genutzt werden.

Trotz des politischen Gegenwindes wachse die Zahl der Unterstützer, so wurde auch die Kirchgemeinde Kamern Mitglied im Verein. Die Initiatoren sind darum frohen Mutes, dass das Projekt zwar verzögert, aber nicht aufgehalten werden kann: „Wir sind überzeugt, jeder kann sich in solchen oder ähnlichen Projekten für eine demokratische Zukunft engagieren. Wir werden weiterarbeiten und zeigen, dass unsere Region reif für innovative Bildungsprojekte ist.

Wir danken ganz herzlich allen, die dies bisher unbeirrt getan haben und wünschen uns weitere Hilfe, damit es bald in Werben und Kamern zwei zukunftsweisende Freie Schulen gibt.“