Elb-Havel-Winkel l Zwei Dinge haben das Kloster in Jerichow und der Havelberger Dom zumindestens gemeinsam: Ihre Gründer und Erbauer waren die Mönche vom Orden der Prämonstratenser. Ihre Gründung fiel zudem in die Regierungszeit des bedeutendsten und einflussreichsten der Havelberger Bischöfe, Anselm von Havelberg (1129 bis 1159). Der Bau der Jerichower Backsteinbasilika begann 1149, ein Jahr später folgte dann der Dom. Die Weihe des neuen Domes blieb 1170 allerdings Anselms Nachfolger, dem Bischof Walo, vorbehalten.

Am Eingang des Klosterkomplexes, in welchem sich in den letzten 15 Jahren viel getan hatte, begrüßte mit Bernd Witt ein alter Bekannter die Freizeitspione Jenny Freier und Björn Gäde. Er ist Verwaltungsleiter der Stiftung Kloster Jerichow, welche 2004 ins Leben gerufen wurde und hier seitdem viel bewegt und verändert hat.

Alter Bekannter begrüßt

„Willkommen im ältesten Backsteinbau Norddeutschlands“, hieß es zur Begrüßung. Bernd Witt ist seit zweieinhalb Jahren im Kloster tätig und hat noch einiges vor. Doch dazu später. Im Jahresschnitt kommen um die 30 000 Besucher, Tendenz steigend, um den zu großen Teilen sanierten Komplex zu sehen. Allein in diesem Jahr wird – entgegen dem allgemeinen Trend – ein Gäste-Plus von bis zu acht Prozent erwartet. Die private Stiftung, welche das Kloster betreibt, muss sich selbst tragen. Dazu gibt es verschiedene Fördermittelgeber.

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Immerhin 18 Vollbeschäftigte kümmern sich um das Wohl der Besucher. Es gibt mit dem Wirtshaus „Klostermahl“ eine eigene Gastronomie, zudem frisch sanierte Gästezimmer – in eines davon quartierte sich Bloggerin Eva Adamek aus Paderborn auch gleich ein. Im Infozentrum werden alle Besucher empfangen, es gibt eigene Gästeführer, drei Angestellte in der Verwaltung, eine Gärtnerin und zwei Hausmeister.

Bis zu 40 Helfer dabei

Hinzu kommen bis zu 40 ehrenamtliche Helfer – unter anderem bei den diversen Veranstaltungen wie dem Klostergartenfest, der Sommermusik, dem Oldtimertreffen, dem Oktoberfest oder dem Tag des offenen Denkmals. Neu hinzu kam in diesem Jahr „Jazz im Kloster“. Die nächste Aktion steht kurz bevor: Am 30. November und 1. Dezember wird wieder zum Adventsmarkt im Kreuzgang willkommen geheißen. Fürs nächste Jahr stehen bereits 18 Veranstaltungen in Bernd Witts Kalender.

Jährlich zählen auch etwa 1000 Kinder zu den Gästen. Für sie werden Projekte wie Kleidung beziehungsweise Essen und Trinken im Mittelalter, Backsteinherstellung oder Kräuterkunde angeboten. Und im Scriptorium erfahren die jungen Gäste, wie es früher in der Schreibstube des Klosters zuging. Zudem gibt es ein Wissensquiz.

Esse kündet von alter Brennerei

Ein hoher Schornstein legt noch immer Zeugnis davon ab, dass im Kloster einst auch Schnaps gebrannt wurde. Vor einiger Zeit wurde diese Tradition wieder belebt, jetzt werden aber im Jahr 300 Liter Rohalkohol angeliefert und hier ehrenamtlich zu edlen Tropfen verarbeitet. Sehr beliebt sind die Brennerabende hier, wo die hochprozentigen Produkte an Ort und Stelle verkostet werden können. Das geht auch ganz deftig mit Schlachteplatte.

Ein Hingucker ist der Klostergarten mitsamt seinem Café. In den aus Holz hergestellten Hochbeeten gedeihen alte Gemüsesorten wie roter und weißer Mangold, Pastinaken oder der Markstammkohl. Nicht zu sehen sind Kartoffeln, Mais oder Tomaten – diese gab es im Mittelalter hier noch nicht. Weil es ein Besuchergarten ist, darf von seinen Gewächsen der Hygiene wegen nichts verarbeitet werden. Deshalb ist ein weiterer Garten für Gäste gesperrt.

Extra für den Backstein wurde ein Museum eingerichtet. Wegen des hohen Lehmanteils haben die in der Region hergestellten Steine eine rote Farbe. Früher war jeder Stein anders, er wurde manuell hergestellt. Und: Nur ein Drittel gelang, der Rest war Abfall. Wie genau das vor sich ging, kann man in der Werkstatt selbst ausprobieren – das Gros dieser Ziegelhersteller sind Kinder.

Brautpaare sind willkommen

Hochzeitspaare sind auch willkommen, der alte Malzkellersaal ist jetzt Standesamt. Gefeiert werden kann hier auch gleich. Hier befindet sich auch der Museumsbereich, der zur bevorstehenden 900-Jahr-Feier von Jerichow erweitert werden soll. Bislang erfahren die Besucher im Museum Wissenswertes über die Erbauer des Klosters – die Prämonstratenser – sowie zur Klostergeschichte. Beispielsweise, dass sich hier zu DDR-Zeiten ein Lehrlingswohnheim und ein Volksgut befanden.

Im Kreuzgang erblickt der aufmerksame Besucher eine enorm große Nische: Hier befand sich die Heizungsanlage. Beheizt wurde jedoch nicht das gesamte Gebäude, sondern nur ein Raum, das Calefactorium. In der Wärmestube durften sich die Mönche aber nur kurz aufhalten – dann kam der nächste Durchgang an die Reihe. Wer rege arbeitet, kann schließlich auch nicht frieren...

Das nächste große Vorhaben ist der Ausbau einer Veranstaltungsscheune. Auch die Beleuchtung im Kloster ist noch zu vervollkommnen. Erst vor kurzem wurde das Dach der beiden Ferienwohnungen mit Hilfe von Leader-Fördermitteln neu eingedeckt, weitere Wohnungen sind geplant.

Riesin wollte Dom zerstören

Mit der Sage von der riesigen Frau Harke, welche den Dom zerstören wollte, begrüßte Simone Dülfer die Freizeitspione in Havelberg zur sagenhaften Domführung. Dass man früher nicht zimperlich war, wenn es ums Bestrafen ging, wurde im Dom erläutert: Die vermeintlichen Sünder mussten ganz oben im dreischiffigen Langhaus einen schmalen Gang entlanglaufen, wer abstürzte, war halt schuldig gewesen ...

Ein weitere Sage handelt von einem Kantor, welcher an der Orgel übte und dabei wohl die Zeit vergaß. Denn obwohl das Kloster zu jener Zeit schon lange aufgelöst war, erschien ihm plötzlich ein weiß gekleideter Prämonstratenser-Chorherr. Freizeitspion Björn Gäde durfte sich dazu eine weiße Kapuze überstreifen, zuvor hatte die Bloggerin die Frau Harke gespielt.

In den Glasmalereien der Fenster sind auch die Rittergeschlechter der Prignitz verewigt. Einer hatte besonders in die Geschicke des Domes eingegriffen: Heinrich von Bülow. Er hatte im Mittelalter während der Domweih in Havelberg den Ort Wilsnack gebrandschatzt, wonach die blutenden Hostien in der Kirche gefunden wurden. Gewaltige Pilgerströme setzten daraufhin ein – von den Einnahmen wurden die Fenster mit den Glasmalereien und die beeindruckende Chorschranke im Dom finanziert.

Der die Erlaubnis beim Papst dazu eingeholt hatte, war der Bischof Johannes von Wöpelitz. Sein Hochgrab befindet sich im Dom, sein Ableben ist von einem Mythos umrankt: Ein Lindwurm soll ihn durch die Mitra hindurch in den Kopf gestochen haben. Das Loch ist auch im Kopf der lebensgroßen Figur zu sehen, welche das Hochgrab bedeckt.

Nachzulesen im Blog „www.burgdame.de“.