Havelberg l Von der Amtstorstraße 5 und der Lehmkuhle 7 in Havelberg sowie einem Vierseitenhof in der Dorfstraße 20 in Nitzow will sich die Havelberger Wohnbau GmbH trennen. Dafür ist sie an das Auktionshaus Karhausen in Berlin herangetreten, das für die Versteigerung außergewöhnlicher Immobilien bundesweit bekannt ist.

Im September wurde ein Grundstücksareal im Birkenweg in Havelberg sehr erfolgreich versteigert, mit einem Mindestgebot von 35.000 Euro wurde ein Kaufpreis von 152. 000 Euro erzielt, berichtet Matthias Knake, Vorstand und leitender Auktionator der Auktionshaus Karhausen AG. „Wir sind im Rahmen der Grundstücksversteigerung im Birkenweg auf das Auktionshaus aufmerksam geworden. Ich habe mir dann in Berlin bei der Herbst-Auktion einen persönlichen Eindruck vom Ablauf verschafft und war angetan von der Vielfalt der zu versteigernden Grundstücke und den erzielten Verkaufserlösen. Im Ergebnis mehrerer Gespräche haben sich die Gremien der Havelberger Wohnbau GmbH dann dazu entschieden, die drei Objekte in der Amtstorstraße und der Lehmkuhle in Havelberg und in der Dorfstraße in Nitzow über eine Auktion zu verkaufen“, erläutert Sebastian Horn, Geschäftsführer der Havelberger Stadtwerke, zu der die Wohnbau GmbH gehört.

Früher ein Gefängnis

Alle drei Gebäude, die am 7. Dezember bei der Winter-Auktion unter den Hammer kommen sollen, sind bewohnt. Das Mehrfamilienhaus in der Amtstorstraße 5 verfügt über vier Wohnungen und ist voll vermietet. „Das Gebäude wurde früher mal als Gefängnis genutzt und versprüht hier mit der Mauer noch einen gewissen Charme“, so der Auktionator. Das Objekt mit über 300 Quadratmeter Wohnfläche und 1000 Quadratmeter großem Grundstück befindet sich in einem guten Zustand. In den 1990er Jahren wurden wesentliche Bereiche modernisiert. Das Mindestgebot liegt bei 75.000 Euro zuzüglich der Courtage.

In der Lehmkuhle 7 gibt es drei Wohnungen mit insgesamt knapp 200 Quadratmetern Fläche. Das Grundstück misst rund 530 Quadratmeter. Eine Wohnung ist bezugsfertig renoviert. Zu den beiden vermieteten Wohnungen im Altbau gehören zwei Garagen. Das Mindestgebot ist mit 38.000 Euro angegeben.

Der Vierseitenhof in Nitzow verfügt über ein Wohnhaus sowie drei Stall- und Scheunengebäude. „Hier ist uns sehr positiv das große Grundstück mit über 5000 Quadratmetern nahe der Havel aufgefallen. Zudem ist eine Scheune vor wenigen Jahren mit einem neuen Dach versehen worden und auch das Wohnhaus bereits teilsaniert“, sagt Matthias Knake. Die Wohnfläche liegt bei 255 Quadratmetern. Zwei der drei Wohnungen sind vermietet. Das Mindestgebot beträgt 42.000 Euro.

Das Interesse an diesen drei Immobilien ist groß. Bereits in der ersten Woche seit der Veröffentlichung haben sich über 40 Interessenten im Auktionshaus gemeldet. Einem ersten Besichtigungstermin mit einer Handvoll Interessenten folgt am 29. November ein weiterer, bevor dann am 7. Dezember die Auktion stattfindet.

Attraktivität steigern

Dass die Wohnbau sich von Immobilien trennen will, hat einen einfachen Grund, sagt Geschäftsführer Sebastian Horn. „Wir haben ein Konzept erarbeitet, wie wir die Wohnbau in Zukunft aufstellen wollen. Demnach müssen wir den Kernbestand aufwerten. Das bedeutet, dass wir investieren müssen. Und dafür benötigen wir Geld.“ Mit Kernbestand sind Wohnungen auf der Stadtinsel und im Dombereich sowie im „Neubaugebiet“ gemeint. Aber auch darüber hinaus sind Investitionen geplant. „Die Einnahmen aus den Verkäufen fließen eins zu eins in den Bestand, um die Attraktivität des Wohnraums zu steigern“, sagt Sebastian Horn. Die Bewohner der drei Immobilien waren zu Mieterversammlungen eingeladen. Es gibt schon Ängste bei ihnen, was die Zukunft bringen wird. „Wir wollen unseren Bestand aufwerten, dafür sind leider auch Einschnitte nötig.“ Dabei steht im Vordergrund, weiterhin guten und bezahlbaren Wohnraum anzubieten.

In den vergangenen Monaten gab es viel Zuzug von Leuten, die zurückkommen oder neu nach Havelberg ziehen. Wohnraum ist zwar vorhanden, aber die Attraktivität spielt eine wichtige Rolle. Während sanierte Wohnungen auf der Stadtinsel stets schnell wieder vermietet sind, will nicht jeder in die „Platte“ ziehen. Hier will die Wohnbau ansetzen. Investitionen in den vorhandenen Wohnraum sollen in den nächsten zwei, drei Jahren Vorrang haben.