Schönhausen l Arbeiten. Nicht nachdenken. Nach vorn blicken. Auch wenn das Sybille Meier nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes schwer fällt, so muss sie doch weitermachen. Mit Sohn Matthias eröffnet sie morgen die Schönhauser „Elbaue“ wieder.

Das war anders gedacht: Noch ein paar Jährchen am Herd und hinterm Tresen stehen, die Gaststätte dann an einen der beiden Söhne übergeben und zusammen den Ruhestand genießen. Doch das Schicksal hatte anderes vor. Am 4. Oktober erleidet Thomas Meier nach mehreren schwächeren Infarkten in den Monaten zuvor einen so schweren Schlaganfall, dass die zu Hilfe gerufenen Rettungssanitäter dem 63-Jährigen nicht mehr helfen können. Neben dem Schmerz, den Partner nicht mehr an ihrer Seite zu haben, fragt sich Sybille Meier (62), wie es denn nun weitergehen soll. Für Sohn Matthias, 41 Jahre alt, (der Jüngere, Steffen, hat sein Zuhause bei Dortmund) steht fest: Er tritt, eher als erwartet, an Vaters Stelle und übernimmt den Gasthof. Schließlich ist er selbst Koch, hat zuletzt in einem Tangermünder Gasthaus gearbeitet. Und er hat auch schon ein Gründerseminar besucht, macht sich nun selbstständig.

Bauarbeiten im Gastraum

Eine große Herausforderung für Mutter und Sohn. Nicht nur, dass die Übernahme Hals über Kopf geregelt werden muss – es gibt auch bauliche Probleme im Gastraum. Das Haus stammt aus dem Jahr 1911, erbaut von Familie Steffens. 1985 übernehmen Meiers, die sich bei ihrer Kochlehre im Harz kennengelernt hatten, dort arbeiten und zurück in die Heimat wollten, die Gaststätte von Wirt Buschmann.

Flut richtet Schaden an

Es sind gute Jahre, immer viel los im Haus an der F 107. Wenn die Schranken am Bahnübergang runter sind, entscheiden sich viele Vorbeifahrenden, einzukehren. Auch die Arbeiter von ACZ und ZBO und die Kohlefahrer der BHG sind Stammgäste. Dann kommt die Wende. Und bald die Arbeiter, die die ICE-Strecke bauen. Für sie richten Meiers eine überdachte Terrasse her. Als die Arbeiter Mitte der 90-er Jahre abziehen, verkleiden Meiers die Terrasse und haben fortan einen großen Wintergarten, der rege für Familienfeiern und Versammlungen genutzt wird. Dann kommt der Juni 2013. Die „Elbaue“ steht im strömenden Flutwasser. Viel Zeit, Förderprogramme und Wiederaufbaumittel abzuwarten, haben Meiers nicht, „wir mussten ja Geld verdienen“. Also machen sie sich mit Hilfe von Freunden an die Arbeit, sanieren selbst, eröffnen im August wieder.

Doch das alte Mauerwerk im Gastraum weist jetzt wieder Schäden auf. So will Matthias Meier nicht wiedereröffnen. Also fängt er noch im Oktober an, Putz abzuschlagen, die Wände neu zu verputzen und auch neuen Bodenbelag zu verlegen. Oft ist bis nach Mitternacht Licht an.

Eröffnung am 1. Dezember

„Bis Sonntagfrüh ist noch einiges zu tun“, sagen Matthias und Sybille Meier am Mittwoch, als der Gastraum noch eine Baustelle ist. Auch wenn ihnen die Arbeit fast über den Kopf wächst, weil auch in der Küche alles für den Neustart vorbereitet werden muss, so sind sie auch froh: „Das lenkt ab, man hat keine Zeit zum Nachdenken“, sagt Sybille Meier. Sie weiß, dass Thomas froh gewesen wäre, dass es weitergeht mit ihrer „Elbaue“. Künftig gönnt sich das Mutter-Sohn-Team einen Ruhetag pro Woche. Ansonsten ist dienstags bis freitags von 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 20.30 Uhr geöffnet, samstags von 11 bis 20 Uhr und sonntags von 11 bis etwa 14 Uhr – „je nach Bedarf, wir sind flexibel“. Auch außer Haus wird weiterhin Buffett angeboten.

Ein wenig Bange ist Sybille Meier vor morgen, wenn sie acht Wochen nach seinem Tod ohne Thomas die Gäste begrüßt. Aber sie ist auch froh, dass es in seinem Sinne weitergeht, sie sich zusammen mit Matthias der Herausforderung stellt und die Gäste weiter in der „Elbaue“ willkommen sind.