Kamern l Schon der Name „Ayam Cemani“ deutet auf eine exotische Rasse hin. Die komplett schwarzen Vögel sind der Hingucker auf jeder Geflügelschau: Nicht nur ihr Gefieder samt Kamm und Füßen ist schwarz, auch Fleisch, Innereien und Knochen. Ein Bekannter der Frauen war mächtig erstaunt, als er dies beim Schlachten bemerkte.

„Mit 42 Hühnern hatten wir begonnen, jetzt sind es noch elf, darunter zwei Hähne“, berichtet Züchterin Sarah Chroust, auf deren weitläufigen Hof die Exoten leben. Derzeit wird reduziert, die besten Hähne und Hennen blieben übrig.

Nur zwei Schauen beschickt

Im Corona-Jahr konnten lediglich zwei Ausstellungen im Brandenburgischen beschickt werden, in Glöwen und Blumenthal. Ursprünglich hatte auch die Jugend-Bundesschau in Hannover auf dem Terminplan gestanden. Denn nicht nur Sarah und ihre Schwester Katja Chroust züchten Geflügel, sondern auch Katjas Tochter Aimee. Damit drang das Trio quasi in eine Männer-Domäne ein, denn Züchterinnen gibt es nur wenige. Im Schönhauser Zuchtverein, welcher von Gottfried Bauch geleitet wird, waren sie denn auch mit offenen Armen empfangen und vielen nützlichen Ratschlägen versorgt worden. „Es ist einer der wenigen Vereine, welche sich noch mit Geflügelzucht befassen“, berichten die Frauen.

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Gleich zu Anfang gab es einen herben Rückschlag: Ein ungebetener „Gast“ aus dem nahen Wald tötete 40 Hühner. Seitdem wurde aufgerüstet, die Volieren sind nun unter anderem mit Stachel- und Elektrodrähten geschützt.

Sandschaks als Langkräher bekannt

Denn die Tiere sind nicht billig, weil teils schwer zu züchten. So hat es recht lange gedauert, bis aus den Eiern der Cemani-Hühner endlich pechschwarze Küken schlüpften – so wie erst jetzt wieder. Im Fernsehen hatten sie bei „Galileo“ vor sieben Jahren über diese Rasse berichtet, die beiden Frauen waren fasziniert – der Startschuss für ihre Züchterkarriere. Das erste Problem war, an Eier zu kommen: Importiert wurden diese übers Internet aus Belgien, Italien und Frankreich. Doch schlüpften leider oftmals bunte Küken heraus.

Katja Chroust und Tochter Aimee züchten zudem Sebrights, die Zwerghühner sind kaum größer als Tauben. Die Jungzüchterin hilft nicht nur beim Füttern, sondern auch beim Impfen, Einstallen und Säubern. Natürlich kann sie bei Bedarf sogar Hühner einfangen – einschließlich des Hahnes. Was sie dem Reporter natürlich gleich beweist.

Kinder sagen "Ausmalhühner"

Von den Kindern wird die aus England stammende Sorte wegen ihrer dunkel umsäumten Federn auch als „Ausmalhühner“ bezeichnet. Gerade sind wieder Küken geschlüpft, neun aus zehn Eiern. Damit diese Hühner brüten, sind mindestens 10 Grad Celsius im Stall vonnöten. Mit bei den Minihühnern leben zudem Sandschaks, die vom Balkan stammende Rasse ist unter Züchtern als Langkräher bekannt.

Das krasse Gegenteil zu den Zwergen lebt in einer anderen Voliere auf dem Hof: Die Brahmas. Diese Rasse, deren Herkunft unklar ist, gehört mit zu den größten. Ein Hahn bringt schon mal fünf Kilogramm auf die Waage, die Henne ein halbes Kilo weniger. Vier Hähne und vier Hennen leben in Kamern, zwei Hähne sind abzugeben. Dass die Riesen hier noch leben, ist Aimee zu verdanken, ihre Mutti wollte sich lieber mit Zwergen befassen.

Paprika- und Curry für gelbe Füße

In allen Volieren, welche wegen der Vogelgrippegefahr komplett eingezäunt sind, wird die Erde stetig aufgelockert. Bei den Zwergen liegt ein Ball mit Mehlwurmstücken, so sind die Hühner beschäftigt. Dazu dient auch der Kohlkopf zum Picken. Weizenkeime werden als „Vitaminbombe“ verfüttert, die Brahmas erhalten Paprika- oder Currypulver für ihre gelben Füße. Dazu gibt es Rohproteine fürs Wachstum.

Bei den Brahmas sieht man erst nach einem halben Jahr, welches Geschlecht ein Küken besitzt. Weshalb der Nachwuchs erstmal jeweils zwei Ringe bekommt. Natürlich werden Zuchtbücher geführt, dokumentiert werden auch die Impfungen. Impfpflicht besteht für die Newcastle-Seuche. Hier gibt es Nadel- und Schluckimpfungen, wobei die Spritze ein Jahr vorhält – also wird diese gewählt.

Auch beim Geflügel herrscht derzeit Stallpflicht – fast so wie bei den Menschen ringsum.