Havelberg l Viele Jahre war er arbeitslos, hat immer mal wieder eine Maßnahme von der Arbeitsagentur beziehungsweise vom Jobcenter bekommen. Doch das Richtige war all das nicht. Das hat Thomas Hettmann nun gefunden. Dank des Aktivierungs-, Orientierungs- und Stabilisierungscenters (AOS) in der Berufsbildungsakademie Altmark (BBA) in Havelberg.

„Die Maßnahme wurde mir vom Jobcenter vorgeschlagen. Lange war nichts mehr wirklich passiert und ich fand das besser, als die ganze Zeit zu Hause zu sein“, sagt der 46-Jährige, den familiäre Gründe vor fünf Jahren aus dem Süden Sachsen-Anhalts nach Havelberg verschlagen hatten.

Zu Beginn der Fördermaßnahme, für die die Teilnehmer einen Arbeits- und Vermittlungsgutschein vom Jobcenter benötigen, steht eine vierwöchige Einstiegsphase auf dem Programm, berichtet Mandy Borowski, die sich um AOS in der BBA kümmert. Dabei geht es um Alltagsthemen wie etwa die Tagesstrukturierung, Haushaltsbuchführung, gesunde und preiswerte Ernährung, Umgang mit Finanzen, Einsparmöglichkeiten, Schuldenvermeidung und Umgang mit Ämtern. In Einzel- und Gruppengesprächen werden mit Sozialbetreuern Möglichkeiten ausgelotet, die die Teilnehmer haben. Daran schließt sich ein größerer Block an, in dem sich die Teilnehmer in Kreativwerkstätten in Berufsbereichen ausprobieren. Hauswirtschaft, Metall, Holz und Farbe, Garten- und Landschaftsbau sowie Bürobereich stehen dafür in der BBA in Havelberg zur Verfügung. Später folgen Praktika in Betrieben.

Einsatzbereitschaft und Leistung stimmen

Thomas Hettmann gefiel der Garten- und Landschaftsbau und damit das Arbeiten an der frischen Luft gut. Dass er bei seinem künftigen Arbeitgeber ein Praktikum absolvierte, war „ein Experiment, das sehr gut gelaufen ist“, sagt Nancy Mühlenberg, Standortkoordinatorin an der BBA. Bei der KPV König Produkt Vertrieb GmbH, die mit Fensterprofilen handelt, werden unter anderem auch Altglasfenster aus Plastik und Profile verwertet und die Plaste zu Granulat verarbeitet. Dort ist Thomas Hettmann tätig, zerlegt die alten Fenster in Einzelteile. Seit Mitte September hat er eine Festanstellung. „Mir macht‘s Spaß.“ Am Anfang sei es schwer gewesen, schließlich war er einen Acht-Stunden-Arbeitstag nicht gewöhnt. „Aber man muss nur wollen. Dann klappt es auch. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, sagt er. Und er freut sich, eigenes Geld zu verdienen. „Lohn oder Gehalt zu bekommen ist doch was anderes, als von Hartz IV zu leben.“

Mit der Leistung und Einsatzbereitschaft des neuen Mitarbeiters ist KPV-Geschäftsführer Markus König sehr zufrieden. „Er wird mit seinen Aufgaben wachsen.“

Solche positiven Beispiele gibt es bei den AOS-Teilnehmern nicht so oft. Manchen fehle die Motivation und sie haben aufgrund sehr langer Arbeitslosigkeit die verschiedensten Probleme oder auch einfach keine Lust, wissen die beiden BBA-Mitarbeiterinnen. Um so mehr freuen sie sich über Menschen wie Thomas Hettmann, der es in einen festen Arbeitsplatz geschafft hat.

Möglich sind auch eine Qualifizierung oder ein Einzelcoaching im Anschluss an die AOS-Maßnahme. Wer sich für eine solche interessiert, kann sich an die BBA beziehungsweise das Jobcenter wenden, um über die Möglichkeiten dieser Fördermaßnahmen zu sprechen.