Volksstimme:017 war Wust-Fischbeck wie fast alle anderen Gemeinden im Elbe-Havel-Land auch pleite und musste jeden Euro dreimal umdrehen. Gibt es einen Funken Hoffnung, dass es 2018 besser wird?

Bodo Ladwig: Im Gegenteil. Auf den Schuldenberg kommen wohl noch mal 100.000 Euro drauf. Genaues wird ja erst die Haushaltsplanung ergeben. Aber diese Summe ist nach ersten Gesprächen zum Etat mit dem Kämmerer jetzt schon absehbar.

Die hohe Umlage an die Verbandsgemeinde zwingt die Gemeinden in die Knie. Welchen Ausweg aus der Misere sehen Sie?

So traurig sich das anhört: keinen! Die Landesregierung muss endlich mal umdenken und die Gemeinden in unserer strukturschwachen Region fördern. Wir bekommen weniger Zuweisung als wir an Ausgaben haben. Wir Gemeinden können gar nicht mehr sparen. Und wo sollen wir mehr Einnahmen herbekommen? Die Steuern für die Bürger noch mehr zu erhöhen, kommt für mich nicht in Frage. Das wäre auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir in der Verbandsgemeinde müssen sehen, was man machen kann, um die Umlage wieder zu verringern. Das bedeutet aber Einschnitte, die schmerzlich sind. Aber wir müssen umdenken, im Ganzen und nicht nur jeder an seine Gemeinde denken. So, wie es jetzt läuft, ist das keine gesunde Entwicklung.

Verliert man als Bürgermeister an manchen Tagen den Mut?

Dann wären wir wohl fehl am Platz. Wir versuchen alles, was in unserer Macht steht. Aber vieles liegt eben nicht mehr in unserer Macht. Wir geben aber nicht auf, nach Wegen zu suchen, hier trotzdem etwas zu bewegen.

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Die Wuster Wehr wartet sehnsüchtig auf den Umbau des alten Jugendklubs samt Anbau zum neuen Gerätehaus. Wird sich da dieses Jahr etwas rühren?

Ja, endlich. Für die Verzögerung konnte aber niemand etwas. Bei der ersten Ausschreibung gab es ja leider kein verwertbares Angebot und bei der zweiten Ausschreibung gar keins. Aber jetzt war Submission und der Auftrag kann vergeben werden. Ich denke, dass es in spätestens sechs Wochen losgeht und die Wehr dann mit einem Jahr Verspätung zu Weihnachten in das neue Domizil einziehen kann. Bis dahin ist dann hoffentlich auch das neue Fahrzeug da, das die Verbandsgemeinde auch noch anschafft.

Dagegen sieht es beim neuen Wuster Bauhof – einem Ersatzneubau nach der Flut – ja schon recht fertig aus ...

Ja, dort ist sehr zügig gearbeitet worden. Ende April soll alles fertig sein und die Übergabe Anfang Mai erfolgen. Dann kann alles an Material und Technik, was jetzt überall im Dorf verteilt ist, wieder an einen Platz und Gemeindearbeiter Stefan Brandt und die AGH-Kräfte finden optimale Arbeitsbedingungen vor. Wir haben auch einen neuen Traktor für den Wuster Bauhof gekauft, das war dringendst nötig. Der alte Traktor wird, auch wenn er nicht mehr viel taugt, noch nach Fischbeck umgesetzt, wo der ,Bello‘ auch aus dem letzten Loch pfeift. Der ist nur noch Schrott und wird wohl keinen TÜV mehr kriegen. Für Fischbeck wird aber ein neuer Rasentraktor angeschafft. Zum Glück können wir diese Technik über die Investpauschale finanzieren. Die ist damit aber auch aufgebraucht.

Der Jahrestag der Katastrophe, 10. Juni 2013, jährt sich nun schon zum fünften Mal. Es ist ja doch schon eine ganze Menge wieder aufgebaut worden – zufrieden mit dem aktuellen Stand?

Der Mensch ist ja nie richtig zufrieden Aber von dem 18-Millionen-Euro-Schadensberg ist schon eine Menge abgearbeitet. Es waren immerhin 75 Einzelmaßnahmen in allen Orten unserer Gemeinde Wust-Fischbeck. Bis alles fertig ist, wird es noch zwei, drei Jahre dauern.

Die Wuster fragen sich, wann es denn mit ihrem Park voran geht. Vor einem Jahr waren die Pläne vorgestellt worden, gerührt hat sich seitdem nichts.

Wichtig ist erst einmal, dass eine Arbeitsgruppe vor Ort gebildet wird. Das hatten die Einwohner damals bei der Versammlung auch zugesichert. Getan hat sich seitdem aber nichts. Auf der nächsten Ratssitzung im März werden wir darüber sprechen müssen. Denn diese Arbeitsgruppe soll ja auch noch Zuarbeiten zu dem Projekt machen, damit die Wünsche der Wuster – soweit des aus denkmalrechtlicher Sicht möglich ist – berücksichtigt werden können. Denn wenn das Projekt endgültig fertig ist, ist daran nicht mehr zu rütteln. Wir müssen jetzt schnell etwas zu Papier bringen. Seitens der Planer hat sich bei uns aber auch niemand mehr gemeldet.

Ist die Liste der Flutschadensbeseitigungen noch lang?

Ja. Das geht in diesem Jahr munter weiter. So wird das Backhaus der Wuster Siedlung abgerissen und mit den alten Steinen neu aufgebaut, bei Melkow geht es demnächst mit dem Bau eines neuen Durchlasses los und bei Wust mit dem Bau einer Brücke über den Horstgraben, die Fährstraße in Fischbeck inklusive Brücke wird erneuert, ein Stück der Alten Straße in Wust und auch das Stück Straße in Fischbeck von der Kabelitzer Straße vorbei am ehemaligen Raiffeisenmarkt, jetzt Bauhof, bis zur Anbindung an die B 107. Und in Wust wird das Nebengebäude der Schule saniert. Auch der „Kabelitzer See“ in Kabelitz wird entschlammt. Auch wenn dafür fast eine halbe Million Euro Wiederaufbaumittel genehmigt sind, wird das nicht für das komplette Gewässer reichen. Hier soll noch dieses Jahr angefangen werden. Man sieht, wie viel noch zu tun ist. Da kann ich den Mitarbeitern im Bauamt der Verbandsgemeinde, die am Limit arbeiten, nur Dank sagen. Sie sind engagiert, in der gesamten Verbandsgemeinde neben dem tagtäglichen Geschäft auch alles in puncto Flutschadensbeseitigung auf die Reihe zu bekommen. Dass auch mal etwas länger liegen bleibt, ist da verständlich.

Auch wenn jetzt Winterpause ist – an der Deichbaustelle läuft alles nach Plan?

Ja, und darüber sind wir sehr froh Alles lief so zügig, weil kein Hochwasser die Arbeiten behinderte. Aber das nächste Hochwasser wird kommen – das ist gewiss! Bis Jahresende ist der Abschnitt von Fischbeck bis Jerichow, wenn alles weiterhin ohne Behinderungen läuft, fertig.

Was ist denn mit den Museen, das an die Flut und auch an die Geschichte der Rinderzucht in Fischbeck erinnern sollen?

Mit der Erinnerung an die Flut müssen wir uns noch etwas Zeit lassen, jetzt ist der Wiederaufbau wichtig, dafür hat jetzt keiner wirklich ein Ohr. Aber eingerichtet wird so ein Raum auf jeden Fall, wir haben genug Dinge eingelagert. Und in das Museum für Rinderzucht kommt jetzt Bewegung. Es wird aber kein Museum, sondern ein Traditionskabinett in voraussichtlich zwei Räumen hier im Fischbecker Bürgerzentrum. Der Verein, der dafür nötig ist, ist bereits vor wenigen Wochen gegründet worden. 17 Mitglieder konnten schon gewonnen werden, Klaus Wittmüß ist der Vorsitzende. Die Mitglieder kommen aus Fischbeck und Umgebung und haben bzw. hatten alle mit der Rinderzucht bzw. Landwirtschaft zu tun. Demnächst erfolgt der Eintrag ins Vereinsregister und dann kann es losgehen. Wir haben etliches Material und die Mitglieder wollen auch noch Diverses beisteuern. Das wird sehr ansprechend.

Wie funktioniert denn jetzt die Jugendarbeit in der Gemeinde? Einst gab es eine Vollzeitkraft, die in zwei Jugendklubs tätig war.

Das könnten wir uns jetzt gar nicht mehr leisten. Deshalb kurbeln wir jetzt die mobile Jugendarbeit an. Und über das Programm „Stabilisierung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ können wir für drei Jahre jemanden über den zweiten Arbeitsmarkt beschäftigen. Das soll am 1. April losgehen. Für Fischbeck haben wir schon eine Person gefunden, für Wust suchen wir noch dringend. Voraussetzung ist ein Alter zwischen 35 und 55 und die Person muss Hartz-IV-Empfänger sein und sich mit den Jugendlichen beschäftigen wollen. In Fischbeck gibt es im Gemeinschaftshaus ja schöne Räumlichkeiten. Und in Wust, wo der Klub ja zum Gerätehaus der Feuerwehr umgebaut wird, wollen wir Räume im Nebengebäude der Schule zur Verfügung stellen. Zum ersten Gedankenaustausch haben wir uns ja schon getroffen. Schön, dass elf Jugendlichen da waren und auch schon erste Ideen äußerten. Bis zu den Osterferien wollen wir es schaffen, dass der neue Klubraum öffnet. Die Gemeinde tut, was sie kann, um der Jugend einen guten Platz zu bieten.

Immer mal wieder wird davon geredet, den leerstehenden Neubaublock im Fischbecker Mühlenweg abzureißen, werden da auch Taten folgen?

Irgendwann vielleicht, aber auch dafür fehlt derzeitig das Geld. Auf jeden Fall wird der Abriss in das Integrierte Entwicklungskonzept der Verbandsgemeinde aufgenommen, damit wir dafür dann auch Fördermittel beantragen können. Die Hälfte des Blockes steht leer, in der anderen Hälfte sind auch nicht mehr alle Wohnungen belegt, neue werden nicht vergeben. Wir können die Wohnungen einfach nicht sanieren, weil wir dafür kein Geld haben. Vor allem auch bei den Wohnungen in Wust gibt es einen Sanierungsstau. Im Rat werden wir uns auch Gedanken machen müssen, was mit dem 4-WE-Block in Fischbeck wird. Er steht leer, der Verkauf wäre eine Option.

Thema Wuster Schule. Sie soll solange erhalten bleiben, bis die Schönhauser Schule die Kinder von hier aufnehmen kann. Das wird aber noch ein paar Jährchen dauern ...

Ja, das ist wohl so. Auch hier sollten wir nochmal darüber reden, wie sinnvoll die geplanten Investitionen sind. Zu den einst geplanten Kosten sind sie wegen der enorm gestiegenen Baukosten auch nicht mehr zu realisieren – wer soll das bezahlen? Und in der Klietzer Schule ist genug Platz. Wie auch immer: Ich hoffe, dass der Unterricht in Wust immer abgesichert werden kann. Dass die Schule auf Dauer keinen Bestand hat, ist uns allen klar, dafür fehlen einfach die Kinder Ich hoffe, dass das Herrenhaus durch die Sanierung des Parkes sehr aufgewertet wird und sich vielleicht auch ein Investor findet, der daraus etwas macht, von dem auch noch die Gemeinde oder die Region profitiert.

Sie werden dieses Jahr 65 – gehen Sie dann auch in Rente?

Nein, ich werde bis August nächsten Jahres arbeiten. Dennoch werde mich aus dem öffentlichen Leben etwas zurückziehen, um mich zu Hause mehr um meine Familie kümmern zu können. Wenn nächstes Jahr der Kreistag und der Verbandsgemeinderat, in denen ich mitwirke, neu gewählt werden, kandidiere ich nicht mehr. Beruf, ehrenamtliches Engagement und die zusätzliche häusliche Belastung ist dauerhaft nicht unter einem Hut zu bekommen.