Hochwasser

Gemeinden im Elbe-Havel-Land legen Spendenkonten für Flutopfer an

Die verheerende Flutkatastrophe im Südwesten Deutschland macht die Menschen auch im Elbe-Havel-Land betroffen. Gemeinden haben Spendenkonten angelegt.

Von Andrea Schröder und Ingo Freihorst
Fischbecks Bürgermeister Bodo Ladwig (Mitte) hatte nach der Flut im Juni 2013 viele Spenden entgegen genommen. So gab es zum Beispiel 5500 Euro von der Ortschaft Ihleburg.
Fischbecks Bürgermeister Bodo Ladwig (Mitte) hatte nach der Flut im Juni 2013 viele Spenden entgegen genommen. So gab es zum Beispiel 5500 Euro von der Ortschaft Ihleburg. Archivfoto: Ingo Freihorst

Elb-Havel-Winkel - Schreckliche Bilder aus dem Süden Westdeutschland wecken bei vielen Menschen im Elb-Havel-Winkel die Erinnerungen an die Flutkatastrophe vor acht Jahren. Nachdem der Deich bei Fischbeck im Juni 2013 gebrochen war, überflutete das Wasser der Elbe die Region. Hab und Gut gingen verloren, vieles kaputt. Der Schaden war groß – doch ist er nicht zu vergleichen mit dem, der jetzt im Südwesten Deutschlands entstanden ist. Zudem macht die hohe Zahl der Todesopfer betroffen.

„Fassungslos und mit Tränen in den Augen nehmen viele Menschen die Nachrichten aus den Flutgebieten auf. Aus dem eigenen Erleben heraus schließt sich sofort die Frage an, wie kann ich sinnvoll helfen“, sagt Verena Primus. Die Schönhauserin hat am Freitag mit verschiedenen Leuten gesprochen. Kurzfristig gab es ein Treffen, bei dem Bürgermeister Jürgen Mund, Vertreter von Vereinen, Gemeindemitarbeiter und andere Helfer Möglichkeiten diskutierten.

Der ehemalige Wehrleiter Karl-Heinz Pick hatte Kontakt in das Krisengebiet aufgenommen und erfahren, dass Sachspenden nicht benötigt werden. Somit bleiben Geldspenden. Menschen, denen eine Überweisung auf bestehende Hilfskonten zu anonym ist, bietet die Gemeinde eine Alternative an: Die ortsansässigen Vereine wie Sport, Angeln, Reiten, Landfrauen, Schützen, Kleintierzüchter, Chor und Feuerwehr sammeln Geld und spenden es einem entsprechenden Verein im Flutgebiet. „Durch einen persönlichen Kontakt ist der Ort Schleiden in den Fokus gerückt, der sehr stark getroffen wurde, aber in den Medien wenig bis keine Beachtung findet“, berichtet Verena Primus von möglichen Spenden dorthin. Wichtig ist bei einer Überweisung, im Betreff den Verein zu nennen.

Bodo Ladwig, Bürgermeister von Wust-Fischbeck, wurde in den vergangenen Tagen von vielen Einwohnern angesprochen, die helfen wollen. „Wir hatten 95 Häuser, wo das Wasser im ersten Stock gestanden hat, und 152 geflutete Keller. Wir haben vor acht Jahren große Hilfe erfahren und wollen etwas zurückgeben. Unsere Flutkatastrophe ist nicht mit der Not und dem Elend jetzt zu vergleichen. Es gibt vor allem so viele Tote dort. Viele, die mich angesprochen haben, sagen, dass wir glimpflich davon gekommen sind.“ Die Gemeinde hat ebenfalls ein Spendenkonto angelegt. Wohin das Geld gehen soll, wird noch geklärt. Wust-Fischbeck hatte seinerzeit rund 400.000 Euro an Spenden erhalten, die prozentual an die Betroffenen ausgegeben wurden.

2013 entstanden Schäden in Höhe von 250 Millionen Euro

Die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land hat ebenfalls ein Spendenkonto eingerichtet, informiert Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold. Viele Menschen im Elbe-Havel-Land hätten 2013 nach dem Deichbruch bei Fischbeck enorme Solidarität erfahren und wollen dies nun ihrerseits zurückgeben. Von Sachspenden sieht man in Schönhausen derzeit ab, denn die Spendenlager wie jenes am Nürburgring sind bereits voll.

Bernd Witt, der zur Zeit der Flutkatastrophe 2013 Verbandsgemeindebürgermeister im Elbe-Havel-Land war, hatte sich mit einer Mail an Steffi Friedebold und den Vorsitzenden des Verbandsgemeinderates gewandt, damit ein Spendenkonto eingerichtet wird. „Auch wenn es nur kleine Beiträge sind, wir wissen, wie wichtig Spendengelder sind“, sagt der Schönhauser. Die Menschen hier wüssten außerdem, wie groß das Leid nach solch einer Katastrophe ist. Der materielle Schaden lag im Elbe-Havel-Land bei rund 250 Millionen Euro. Acht Jahre nach der Flut stehen noch immer Schadensbeseitigungen für rund 25 Millionen Euro auf dem Plan.

Die Hansestadt Havelberg will kein eigenes Spendenkonto anlegen, weil es offizielle Konten wie zum Beispiel eines vom DRK gibt, sagt Ordnungsamtsleiter André Gerdel auf Nachfrage.

Die Spendenkonten:

Die Gemeinde Wust-Fischbeck hat folgendes Konto bei der Kreissparkasse Stendal:

DE 30 8105 0555 3061 0001 18

Verwendungszweck Hochwasserspende.

Das Konto der Gemeinde Schönhausen bei der Volksbank Rathenow hat die IBAN

DE 06 1609 1994 0100 3080 05

Empfänger: Fluthilfe Primus, Betreff: Nennung des Vereins.

Die Verbandsgemeinde Schönhausen hat diese Kontonummer bei der Kreissparkasse eingerichtet:

DE 58 8105 0555 3061 0005 84 Zweck: Hochwasserhilfe 2021 oder eigener Verwendungszweck.