Havelberg l Schlüsselübergabe am Dienstag im ELCH. Ein trauriger Moment für den langjährigen Leiter der Einrichtung Jörg Thiemann. Das Erlebnispädagogische Centrum ELCH ist geschlossen. Ende des vergangenen Jahres hatte die Gemeinnützige Paritätische Integral GmbH, eine Tochter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Insolvenz angemeldet. Die Mitarbeiter des ELCH in Havelberg bangten seitdem ebenso um ihre Arbeitsplätze wie die des Integrationsdorfes Arendsee (Ida). Und hatten Hoffnung, dass sich ein Interessent findet, der in der ehemaligen Stadtschule auf der Havelberger Altstadtinsel weiterhin Kinder- und Jugendreisen anbietet. Doch zumindest im Moment gibt es einen solchen noch nicht.

Restrukturierungsberater Nico Kämpfert aus Magdeburg hatte Mitte Februar im Gespräch mit der Volksstimme von Interessenten berichtet, die sich über die zum Verkauf stehende Immobilie informierten. Bis Ende März sollte möglichst ein neuer Betreiber gefunden werden. Soweit ist es noch nicht. Die Corona-Krise hat die Sache kompliziert gemacht. „Ich kann noch nichts Neues verkünden. Aber wir stehen mit Interessenten im Kontakt“, sagt Nico Kämpfert am Donnerstag auf Volksstimme-Nachfrage und hofft, dass er nach Ostern mehr sagen kann.

Theoretisch, wenn jetzt nicht die virusbedingten Beschränkungen wären und ein neuer Betreiber da wäre, könnte das Haus sofort wieder Gäste aufnehmen, sagt Jörg Thiemann, der gehofft hatte, doch noch im Haus weiterarbeiten zu können. Doch daran ist im Moment leider nicht zu denken. „Man könnte jetzt alles für 2021 vorbereiten und dieses Jahr vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch Familienfeiern und Vereinsfahrten annehmen“, sieht er Möglichkeiten für eine Belegung – vorausgesetzt, Reisen ist wieder möglich.

Zurück in den Lehrerberuf?

Der Dienstag als sein letzter offizieller Arbeitstag im ELCH war sehr emotional für ihn. Der Geschäftsführer war da, holte die Schlüssel ab und bedankte sich mit Blumen für die geleistete Arbeit. Bis zum 31. März waren Jörg Thiemann und die beiden Hausmeister noch beschäftigt, für eine Mitarbeiterin endete das Arbeitsverhältnis bereits Ende Februar. Der Havelberger hat sich arbeitssuchend gemeldet. Sieben Jahre hat er noch bis zum Ruhestand. Die hätte er gern im ELCH verbracht.

Als Pädagoge hat er zumindest gute Aussichten, angesichts des Lehrkräftemangels wieder einen Arbeitsplatz zu finden. „Es war eine sehr schöne Arbeit, ich habe sie gern gemacht“, ist er traurig, dass das Haus, in dem in den vergangenen Jahren viele Kinder und Jugendliche erlebnisreiche Tage verbracht haben, nun verwaist ist. Er hatte gehofft, dass der Sanierungsbeauftragte schneller eine Lösung findet.

Die Mitarbeiter des ELCH hatten sich oft an den Protesten der Krankenhausmitarbeiter beteiligt, die seit 10. Januar wissen, dass das Klinikum geschlossen und in ein Seniorenheim umgewandelt werden soll. Gegenseitig wurde Solidarität geübt. Eine der Aktiven Mittagspausen der Krankenhausmitarbeiter jeden Donnerstag hatte auch zum ELCH geführt.