Havelberg l Claus Sobotzik steht vor der Eingangstür und spricht mit Dustin über die Schulaufgaben für die nächsten Tage. Gemeinsam mit seiner Mutti Ivonne Göhricke holt der Zweitklässler das Material ab. Mit ihr hat er in den vergangenen Wochen den Unterricht zu Hause gemeistert. „Wir kommen relativ gut klar, auch wenn ich in Früh- und Spätschicht arbeite“, sagt sie. Und der Klassenlehrer: „Das ist eine Herausforderung für die Eltern, ich ziehe den Hut. Der überwiegende Teil gibt sich sehr große Mühe, alle Aufgaben mit den Kindern zu bewältigen.“

Nächste Woche Donnerstag darf Dustin endlich mal wieder zum Unterricht in die Havelberger Grundschule "Am Eichenwald"  kommen. Nachdem seit Montag die Viertklässler wieder Präsenzunterricht haben, sind ab Mittwoch zunächst die Erstklässler dran. Dann folgen weitere Klassenstufen. „Wir wollen, dass alle Kinder bis zu den Pfingsferien mindestens einen Tag wieder in der Schule gewesen sind“, erklärt Schulleiterin Karolin Fuchs. Alle Klassen sind in zwei Gruppen aufgeteilt, so dass nie mehr als 15 Kinder in einem Raum sind. Bei den Viertklässlern wird wochenweise zwischen Präsenz- und Fernunterricht gewechselt. Bei den anderen Klassen tageweise. Jede Gruppe hat fünf Stunden Unterricht. Und dazwischen ausreichend Pausen. Dafür wurde der Stundenplan so umgebaut, dass jede Gruppe allein auf dem Schulhof ist.

Die Vorbereitung der Schule auf die Hygienevorgaben funktioniert gut. Hier schickt die Schulleiterin ein dickes Lob an die Stadtverwaltung Havelberg als Träger der Grundschule. Bürgermeister und Amtsleiter sind im ständigen Kontakt mit ihr, am Dienstag gab es einen Vororttermin mit der Reinigungsfirma. Und auch die Lehrer selbst und der Hausmeister haben vieles unternommen, damit die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. „Wir sind in der glücklichen Lage, in jedem Klassenraum Waschbecken zu haben. Dort sind auch Seifenspender, Handtuchrollen und Papiertücher“, berichtet Karolin Fuchs. Vor den Toiletten sind Abstandsmarkierungen auf den Boden geklebt. Auf der Treppe kommen die früheren Buga-Ständer zum Einsatz, die sie zum Hoch- und Runtergehen zweiteilen.

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Schule auf dem Hof für Eltern

Gerade will die Pädagogische Mitarbeiterin Annette Roever mit den Erstklässlern aus der Notbetreuung raus auf den Pausenhof. Jeweils zu dritt stellen sich die Kinder an und holen ihre Jacken, dann sind die nächsten dran. Die Pädagogen üben mit den Kindern das richtige Händewaschen und die Husten- und Niesetikette. Im Unterricht sind Bänke und Stühle auf Abstand ausgerichtet. Die Kinderzahl in der Notbetreuung ist mit jeder Lockerung der Corona-Bestimmungen angestiegen. Waren es anfangs um die 20, sind es jetzt gut 30. Zunächst erfolgte die Betreuung in zwei Gruppen für die Erst- und Zweitklässler sowie Dritt- und Viertklässler.

Bei der Organisation der Ausgabe der Schüleraufgaben ließ die Schulleiterin ihren Kollegen freie Bahn. Das erfolgt ganz unterschiedlich. Arbeitsmappen werden für eine oder zwei Wochen ausgegeben. Teilweise holen sich Eltern die Aufgaben in der Schule ab – durchs Fenster oder vor der Eingangstür, denn das Betreten des Schulhauses ist momentan nicht erlaubt. Teilweise lief der Kontakt über die Elternvertreter. Manche Klassen sind über WhatsApp-Gruppen verbunden. Karin Schönfeld lud die Eltern ihrer 1. Klasse in Gruppen abends zum Unterricht im Freien ein. An einer Rolltafel erklärte sie, wie die Eltern ihren Kindern das Rechnen im Bereich von 10 bis 20 erklären können. Die Geschichte dazu, die sie normalerweise den Kindern erzählt, hörten nun die Erwachsenen. „Jeder hat es sehr verantwortungsvoll, fürsorglich und mit großem Engagement gemacht. Ich hatte in der gesamten Zeit nur zwei Nachfragen von Eltern. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Fernunterricht und der Kontakt mit den Eltern gut klappt“, findet Karolin Fuchs. Auch Schulsozialarbeiterin Carmen Oelsner steht mit Eltern im Kontakt. Ob es für die Pfingsferien Aufgaben für die Schüler gibt und wie es danach mit dem Unterricht bis zu den Sommerferien Mitte Juli weitergeht, steht noch nicht fest. Die Schulleiterin geht vom weiteren Fern- und Präsenzunterricht in Gruppen aus. Fakt ist, dass kein Schüler Nachteile haben soll, weil er nun über Wochen keinen normalen Unterricht haben konnte.

Die Zeit ohne Schüler haben die Lehrer für Arbeiten genutzt, die im Alltag liegen bleiben. Aufräumen und Sortieren in den Klassen- und Fachräumen gehörte dazu. Lehrerin Rita Kasubek kümmerte sich intensiv um den Schulgarten. Nächsten Donnerstag und Freitag will sie mit ihren Schülern den Kohlrabi-Wettbewerb starten. Karin Schönfeld hat die 2009 angelegte Dschungelecke aufgefrischt. Mit Zeichnungen gestaltet sie gerade den Flur am Sekretariat. Doch erstmal ist sie froh, am Mittwoch zumindest einen Teil ihrer 1. Klasse wieder zum Unterricht begrüßen zu dürfen. „Das ist meine größte Freude.“