Wust l  Die Hiobsbotschaft übermittelte Bürgermeister Bodo Ladwig am Dienstagabend den Ratsmitgliedern auf der Sitzung in Wust. Verbandsbürgermeisterin Steffi Friedebold hatte ihn eine Stunde zuvor über die vom Bildungsministerium getroffene Entscheidung informiert. Es folgt damit dem Landesschulamt, das bereits abgelehnt hatte, dass alle Wuster Schüler nach Klietz gehen. Zugestimmt hätte es lediglich entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen der Einschulung der Erstklässler in Klietz, die Älteren sollten an der Stammschule in Schönhausen bleiben. Denn gemäß dem Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt „haben Schülerinnen und Schüler zur Erfüllung ihrer Schulpflicht die Grundschule zu besuchen, in deren Schulbezirk sie wohnen". Grundsätzlich gelte, dass ein Kind den jeweiligen Bildungsgang an der Schule beendet, an der es damit begonnen hat. 

Die Einschulung der Erstklässler in Klietz und den Wechsel der Zweit- bis Viertklässler nach Schönhausen wollten die Eltern allerdings nicht, alle Wuster Kinder sollten zusammen an einer Schule bleiben, um so auch Geschwister nicht zu trennen.

Enttäuschte Eltern

„Haben wir denn gar nichts mehr zu sagen?" erboste sich das Wuster Ratsmitglied Jürgen Bastek. „Es wird nur noch über unsere Köpfe hinweg entschieden." Dem pflichtete Bodo Ladwig bei, „nicht mal der Verbandsgemeinderat und der Entscheid des Kreistages wurden berücksichtigt". Die Gemeinde habe erst so viel Geld in das Schulgebäude investiert, ärgert sich Jürgen Bastek, zuletzt in die Schulküche. „Da haben wir viel Geld verbrannt", kommentierte Gerd Schrader. Wie es nun mit der Küche im Schulgebäude, die ja auch den Kindergarten versorgt, weitergeht, ist zu klären. Denn die Kinder werden wohl in Wust weiterhin in den Hort gehen, weil für sie in Schönhausen kein Platz ist. Dann könnten sie, wenn auch recht spät am Tag, noch Mittagessen, wenn sie von Schönhausen kommen. So wird das auch in Schollene praktiziert.

Bei den Wuster Eltern, die bis zuletzt auf eine Entscheidung nach ihrem Willen gehofft hatten, herrscht Enttäuschung. „Wir haben für etwas gekämpft, aber wir wurden ignoriert", so Elternvertreterin Anja Meyer. Sie wünscht sich nun sehr, dass in Schönhausen beste Bedingungen für die über 30 zusätzlichen Kinder geschaffen werden. In Klietz wäre das problemlos möglich gewesen, stehen hier doch im großen Schulhaus Räume der ehemaligen Förderschule leer.

Alle zusammen gekämpft

Bürgermeisterin Steffi Friedebold bedauert die Entscheidung des Bildungsministeriums und des Landesschulamtes. „Es ist schade, dass der Elternwille keine Berücksichtigung gefunden hat. Das Landesschulamt hat uns gezeigt, dass es am längeren Hebel sitzt. Schön ist, dass wir alle gemeinsam versucht haben, den Wunsch der Eltern zu erfüllen, auch der Landkreis und der Kreistag haben hinter uns gestanden." Für das Land wäre es eine gute Möglichkeit gewesen, die Zufriedenheit im ländlichen Raum zu fördern.

Wie weiter in Klietz?

Bei der neuen Schulentwicklungsplanung ab 2020, der sich die Verbandsgemeinde im kommenden Jahr widmen wird, muss genau durchdacht werden, wie die Einzugsbereiche neu festgelegt werden. Denn Klietz erreicht mit den Kindern aus dem Klietzer und Schollener Bereich zeitweise nicht die geforderte Mindestzahl von 60 Schülern, mit den Wustern wäre das der Fall. Zu bedenken ist dann auch, was mit der Sandauer Schule wird, wenn die Kinder aus dem Havelwinkel tatsächlich wie von der Stadt angekündigt an der Havelberger Grundschule lernen werden.

In den verbleibenden wenigen Wochen bis zum neuen Schuljahr, das Anfang August beginnt, ist viel zu klären und auch praktisch umzusetzen. Steffi Friedebold sagt, dass ein Teil des Wuster Mobiliars mit nach Schönhausen muss, steigt die Schülerzahl doch hier auf voraussichtlich 112. Das Landesschulamt ist der Auffassung, dass die vorhandenen Klassenzimmer ausreichen, werden doch keine neuen Klassen gebildet, sondern die vorhandenen Verbände aufgestockt.

Wie die Volksstimme erfuhr, werden beide Lehrerinnen aus Wust in Schönhausen unterrichten.

Eigentlich war der Plan gewesen, dass die Wuster von der Außenstelle erst an ihre Stammschule nach Schönhausen ziehen, wenn hier der Neubau des Kindergartens fertig ist und dann das Kindergartenhaus für die Hortkinder modernisiert ist – vormittags hätten die Horträume als Klassenzimmer genutzt werden sollen.